Berichtssaison Wink mit dem Zaunpfahl

    Gastautor: Carsten Englert
     |  18.01.2013, 16:53  |  2896 Aufrufe  |   | 

    Die Berichtssaison ist im vollen Gange. Die Ergebnisse sind dabei bislang relativ durchwachsen. Es gab Enttäuschungen, aber auch schon positive Überraschungen. Vor allem aber ein Branche überzeugt bislang mit Rekordgewinnen: Die Banken! Wer hätte das vor Kurzem noch gedacht? Erst verzocken sich die Banken mit Immobilienpapieren. Macht nix, wir, also der Steuerzahler, retten sie schon. Der Staat greift mit aller Macht der Realwirtschaft unter die Arme, damit es nicht zur Depression kommt – was auch wichtig und richtig war! Das Geld dafür leihen sich die Staaten bei den, na wer weiß es? Genau, bei den Banken. Blöd nur, dass sich dabei einige Staaten zu „gierig“ gezeigt haben und nun eigentlich zahlungsunfähig sind. So ein Ärger, schon wieder müssen wir die Banken aus der Krise boxen und vor dem Untergang retten. Schließlich sind sie ja systemrelevant! Gut, langsam wird es teuer.

    Die Staaten, allen voran in den angeschlagenen Krisenländern, müssen sparen bis der Arzt kommt, oder eben bis er nicht mehr kommt und die medizinische Versorgung wie in Griechenland nahezu zum Stillstand kommt. Aber das macht ja nix. Man kann ja nicht alles haben! Dafür haben jetzt die Banken, die einen riesigen Anteil an dem ganzen Schlamassel haben – vornehmlich die großen US-Banken, die den ganzen Schlammassel mit ihrem Multi-Billionen-Dollar-Schrottkrediten- Zock ja erst ins Rollen gebracht haben – nun wieder allen Grund zum lächeln. Aufgrund niedrigster Zinsen und grenzenloser Versorgung mit quasi kostenlosem Kapital können sie wieder bedenken- und risikolos zocken und somit die Gewinne in die Höhe treiben. So hat beispielsweise JPMorgan trotz eines Verlustes von sechs Milliarden Dollar nach einem Spekulationsskandal in England trotzdem die unglaubliche Rekordsumme von 21  Milliarden US-Dollar Gewinn im vergangenen Jahr erzielt. Gleichzeitig kämpft die US-Regierung hoffnungslos gegen die vollkommene Überschuldung und mittlerweile jährlich mit der Zahlungsunfähigkeit. Seit 2007, dem Jahr vor Lehman, hat sich die US-Verschuldung übrigens verdoppelt. Einen Lichtblick gibt es aber immerhin: Trotz Rekordgewinne sind die Boni der Banker gesunken ...

    In der realen Wirtschaft gibt es zum Teil auch Rekordzahlen. So hat SAP beispielsweise einen neuen Umsatzrekord von 16,22 Milliarden Euro verkündet. Allerdings ging das Betriebsergebnis gleichzeitig zurück. Zudem waren die Erwartungen der Analysten sehr hoch, sodass diese enttäuscht wurden. Natürlich wurde die Aktie abgestuft. Einen weiteren wichtigen Zahlentermin für die Technologiebranche hat am Donnerstagabend dieser Woche der Chiphersteller Intel gehabt. Beim Gewinn je Aktie wurde die Prognose (0,45 Dollar) immerhin um 3 Cent überboten. Doch auch hier reagierten die Anleger verstimmt. Grund war der Ausblick, der doch recht schwammig ausfiel und mit großer Fehlertoleranz (plusminus 500 Millionen Euro beim Umsatz)  ausgestattet war.

    Ähnliche Situation auch bei Volkswagen. Die Wolfsburger haben zwar noch keine konkreten Umsatz- und Gewinnzahlen verkündet. Allerdings hat Deutschlands größter Autohersteller bekannt gegeben, dass 2012 erstmals mehr als neun Millionen Fahrzeuge abgesetzt wurden. Hier geriet der Ausblick sogar noch schwammiger: ES gab keinen. Lediglich die Ansage, dass 2013 ein schwieriges und herausforderndes Jahr. Diese Aussage haben die jüngsten Zahlen vom europäischen Automobilmarkt untermauert. Im Dezember brach dieser förmlich ein und sank um 16 Prozent! Im Gesamtjahr immerhin noch um 8 Prozent. Angesichts der grassierenden Sparwut in Spanien, Italien, Griechenland etc. und der daraus resultierenden Verringerung des Wohlstands, ist eine Besserung für den Markt nicht absehbar.

    Auch wenn die genannten Zahlen nur einen kleinen Ausschnitt geben, deutet sich doch eine gewisse Tendenz an. 2012 lief vielerorts prima. Zum Teil haben die Unternehmen Rekordumsätze und –gewinne eingefahren. Doch bei den Ausblicken ist eine seltsame Zurückhaltung zu spüren. Ein erstes Indiz, dass es vorbei sein könnte mit den Rekordzahlen. Für die Konjunktur sind das keine guten Nachrichten. Denn Unternehmen, die verunsichert sind, wie sich die Zukunft entwickeln wird, halten sich auch bei Investitionen zurück. Dazu kommt eine unglaublich hohe Erwartungshaltung nach den blendenden Ergebnissen in 2012: Manch ein Analyst erwartet gar bereits, dass die S&P 500  Unternehmen kumuliert in diesem Jahr erstmals die magische Grenze von einer Billion US-Dollar Reingewinn erwirtschaften! Zudem ist die Euphorie am Aktienmarkt schon sehr spürbar. Bestes Beispiel: Große Börsenmagazine fangen schon wieder an, fünfstellige Kursziele für den DAX auszurufen. Auch unter den Privatanlegern und am Parkett ist der beinahe unerschütterliche Optimismus zu spüren. Eine gefährliche Mischung! Anleger sollten wachsam bleiben und nicht blind jedem Bullen hinterher rennen!

     

    Hinweis laut §34b WpHG: Die Redaktion/der Autor ist in den entsprechenden Wertpapieren / Basiswerten derzeit nicht investiert. Es liegt daher kein Interessenskonflikt vor. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

     



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    Gastautor

    Carsten Englert ist nicht nur Charttechniker sondern auch langjähriger Experte für fundamentale Analysen. Er hat sowohl den DAX-Crash im August 2011 als auch den Kurseinbruch ab April 2012 rechtzeitig vorhergesagt und seinen Lesern massive Gewinne ermöglicht. Seine Empfehlungen und Musterdepots finden Sie im Börsenbrief
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