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TUIfly TUIfly-"Massenerkrankung": Über 7 Mrd. Euro Schaden durch falsche Krankschreibungen?

Gastautor: Rainer Zitelmann
07.10.2016, 14:17  |  2625   |   |   

Statt zu streiken, lässt sich ein Großteil der Crewmitglieder von TUIfly einfach krankschreiben. Die Gewerkschaft bestreitet ebenso energisch wie scheinheilig eine konzertierte Aktion und findet die Massenkrankschreibungen gut. Kein Wunder, denn die Streikkassen werden dadurch geschont.

Macht das Beispiel bald Schule? Krankschreiben lassen, statt streiken? Das Beispiel zeigt, wie unverantwortlich viele Ärzte mit der Krankschreibung umgehen. In diesem Fall ist ja sonnenklar, dass ein Großteil der "Patienten" gar nicht krank ist. Haben die Ärzte das nicht erkannt? Oder schreiben sie allzu oft großzügig krank, weil sie befürchten, ansonsten einen Patienten zu verlieren? "Wenn ich es nicht mache, macht es ja der Kollege", meinen sicher manche Ärzte.

Eine solche Haltung ist zwar angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler Ärzte im planwirtschaftlichen Gesundheitssystem verstehbar. Dennoch: Ärzte verletzen damit eindeutig ihre Pflichten. Gefälligkeits-Krankschreibungen sind illegal, aber an der Tagesordnung. Interessant wäre es, einmal zu erfahren, wie viele Wünsche nach Krankschreibung ohne Weiteres erfüllt werden, auch wenn der Arzt sich ziemlich sicher ist, dass es sich nicht um eine echte Krankheit handelt. Und interessant wäre es, mal herauszufinden, wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden ist, der dadurch jedes Jahr entsteht.

Naturgemäß sind zuverlässige Zahlen kaum zu ermitteln. In Ländern wie Deutschland, so das Ergebnis einer Studie aus Norwegen, könnten sieben Prozent der Fehltage Ergebnis von Gefälligkeits-Krankschreibungen sein. Legt man diese Zahl zugrunde, dann entsteht jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden durch Gefälligkeits-Krankschreibungen in Deutschland in Höhe von 7,2 Milliarden Euro.

Nach all den Medienberichten über die plötzliche "Massenerkrankung" bei TUIfly hätten die Ärzte bei TUIfly-Crewmitgliedern besonders genau hinschauen müssen, ob es sich denn tatsächlich um eine Krankheit handelt.

TUIfly musste heute fast alle Flüge streichen. Werden Arbeitnehmer oder Ärzte für den wirtschaftlichen Schaden, der durch die illegalen Krankschreibungen entsteht, zur Rechenschaft gezogen? Oder bleibt alles ohne Konsequenzen? Ich rechne damit: Es bleibt folgenlos. Und das Beispiel wird bald Schule machen, weil es die Streikkassen der Gewerkschaften schont.

Die Gewerkschaften versichern, bei den Krankschreibungen handle es sich keineswegs um eine konzertierte Aktion. Es heißt, die Mitarbeiter seien über die Pläne zum Konzernumbau so schockiert, dass eben auf einmal so viele krank geworden seien. Will man uns denn alle für dumm verkaufen? Dazu gehören jedoch bekanntlich zwei: Einer der einen für dumm verkaufen will und einer, der sich für dumm verkaufen lässt.


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Dr. Rainer Zitelmann ist einer der führenden Immobilienexperten in Deutschland und Initiator der Berliner Immobilienrunde, eines Gesprächskreises von Führungskräften der deutschen Immobilienwirtschaft. Er hat 18 Bücher geschrieben und herausgegeben, u.a. „Reich werden und bleiben“ (FinanzBuch Verlag 2015).

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Kommentare

Meiner Recherche zufolge bleiben für derartige Psychos
nach der von ihnen provozierten Pleite von TUIfly
"nur" noch schlechter bezahlte Tätigkeiten.
Wird natürlich beim Hartzen und Algen enden.
Saftschubsen im Fernbus vll noch.
Die krankgeschriebenen Psychos sollten von keiner anderen
Fluggesellschaft mehr angestellt werden.
Im Interesse der Fluggäste.
Das ist das Ergebnis der Blödheit des Managements, das seinen Mitarbeitern diese (auch zur Nachahmung einladende) Steilvorlage gegeben hat.
Für die entstehenden Schäden sollten die Verantwortlichen haftbar gemacht werden.
Völlig richtig und verantwortungsbewußt ist dagegen die Reaktion der Crew-Mitglieder, sich wegen der vom Arbeitgeber schuldhaft zugefügten psychischen Probleme als nicht für den Flugbetrieb einsatzfähig zu betrachten und krank schreiben zu lassen. Was sonst passieren kann, haben wir ja in den Alpen gesehen.
Anscheinend gibt es aber immer noch Leute, denen Leben und Sicherheit der Passagiere weniger wichtig sind als die Einhaltung des Flugplans.
Die Zahl derer, die krank zur Arbeit gehen, dürfte die hier diskutierte weit übersteigen. Aber das wird ja indirekt von Hr. Zittelmann gefordert. Arbeitet bis ihr alle umfallt ihr Sklaven, danach werdet ihr durch Migranten und die danach durch Maschinen ersetzt.
Krank und unmotiviert ist die Belegschaft von Firmen welche versuchen über Lohndumping Gewinne zu verbuchen.
Diese schaden uns allen und der Gesamtwirtschaft billig will ich???

Vergiss es alles sofort und immer verfügbar brauchen wir das wirklich, oder sollen wir nur glauben das zu brauchen?

Man sollte sich wieder auf Werte besinnen und nach der alten Regel Leben und Leben lassen handeln dann läufts wie von selber.

Das is verdammt einfach und da liegt auch das Problem wer braucht dann noch die ganzen Motivatoren,
usw.

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