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Technischer Gegenwind für Immobilien-Aktien – Technische Analyse Spezial vom 19. Oktober 2016
Foto: www.commerzbank.de

Technischer Gegenwind für Immobilien-Aktien – Technische Analyse Spezial vom 19. Oktober 2016

Gastautor: Achim Matzke
19.10.2016, 12:48  |  750   |   |   

Unibail Rodamco, British Land und Vonovia auf der „Switch-Liste“
Die europäischen Immobilien-Aktien und der Stoxx 600 Real Estate haben seit März 2009 eine technische Bilderbuch-Hausse durchlaufen. Der Sektor-Index erreichte aber bereits im April 2015 sein bisheriges Hausse-Top. Die seitdem vorhandene technische Korrektur wird in den letzten Wochen – vor dem Hintergrund der Diskussion bzgl. der nächsten US-Zinserhöhung und der veränderten Stimmung mit moderat steigenden €-Long-Bond-Renditen – von einer Eintrübung der Sektor-Marktbreite begleitet. Während der größte Sektor-Titel Unibail-Rodamco schon seit Monaten nur noch in einer Seitwärtspendelbewegung steckt, ist es bei vielen britischen Immobilien-Aktien zu technischen Verkaufssignalen gekommen. Bei einigen deutschen Sektor-Aktien wie Vonovia, Deutsche Wohnen und LEG Immobilien, die sich nach dem Brexit-Votum mit einer Eigendynamik temporär von der Sektor-Tendenz absetzen konnten, ergaben sich zuletzt ausgeprägte Take-Profit-Signale.

Stoxx Real Estate: Relative Schwäche weitet sich aus
Der Stoxx Europe 600 Real Estate (kurz Stoxx Real Estate) umfasst aktuell die 29 Immobilien- Aktien aus dem Stoxx 600, wobei Unibail Rodamco nach Free-Float-Marktkapitalisierung mit einem Sektor-Anteil von ca. 16,5% vor Vonovia (ca. 10,1%) die größte Aktie ist. Dieser Sektor ist mit einem Gewichtsanteil von ca. 1,95% (am Stoxx 600) einer der kleineren Sektoren. Der Index befindet sich seit März 2009 und Kursen um 56,7 Punkte in einer Hausse. Seit November 2011 bzw. seit Juni 2013 (Start bei 121 Punkten) hatte sich ein idealtypischer Hausse-Trend ergeben, der den Sektor mit einem hohen Aufwärtsmomentum im 1. Quartal 2015 auf Kurse um 201 Punkte (April 2015; neue Resistance-Zone) geführt hatte. Vor dem Hintergrund der mittelfristig überkauften Lage und der einsetzenden Gesamtmarktkorrektur etablierte der Index mit Take-Profit-Signalen eine Seitwärtspendelbewegung.Diese weitete sich Anfang 2016 mit Verkaufssignalen zu einer technischen Korrektur (18-monatiger Korrekturtrend aktuell bei ca. 185 Punkten) aus, wobei der Hausse-Trend der Vorjahre zumindest zur Seite verlassen wurde. Seit Februar 2016 hat der Sektor wiederholt den gestaffelten Support von 157 bis 160 Punkten getestet. Da dieser aufgrund der eingetrübten Sektor-Marktbreite wackelt, sollte die relative Schwäche des Sektors gegenüber dem Stoxx 600 weiter anhalten.

Unibail Rodamco: Hängt fest
Der niederländisch-französische Immobilienkonzern Unibail-Rodamco gehört zu den defensiven technischen Wachstumsaktien mit einer über dem Marktdurchschnitt liegenden (Brutto-) Dividendenrendite von ca. 4,3%. Die Aktie befindet sich seit März 2009 und Kursen um €85,8 in einem moderaten langfristigen Hausse-Trend, dessen Trendlinie zurzeit bei ca. €210 liegt. Innerhalb dieses Trends hatte es ein Wechselspiel aus Investment-Kaufsignalen, mittelfristigen Aufwärtsschüben und mittelfristigen Konsolidierungen (Seitwärtspendelbewegungen) gegeben. Nachdem Unibail-Rodamco im März 2015 bei Kursen um €262 ein neues All-Time-High gesetzt hatte, ist diese Aktie wieder in eine Seitwärtspendelbewegung hineingelaufen, wobei der Support-Bereich um €210 bereits mehrmals getestet wurde. Aufgrund der technischen Eintrübung der letzten Wochen sollte einkalkuliert werden, dass Unibail-Rodamco mit Blick nach vorn den siebenjährigen Hausse-Trend nur noch schwer verteidigen kann.

British Land: Im Baisse-Trend
British Land Company Plc. ist aus technischer Sicht ein Musterbeispiel für die aktuellen Lage bei vielen britischen Immobilien-Titeln. Die Aktie hat seit dem Kurstief bei 295 (GBp) im März 2009 eine Hausse durchlaufen, wobei der zentrale Hausse-Trend zum Jahreswechsel 2015/2016 bei ca. 800 GBp lag. Nachdem die Aktie die Hausse-Tops bei 890 GBp (Mai 2015) gesetzt hatte, ergab sich eine Top-Formation. Zum Jahreswechsel 2015/2016 ist die Aktie mit einem übergeordneten Verkaufssignal sowohl aus der Top-Formation als auch aus dem Hausse-Trend herausgefallen. Seitdem hat der Titel einen neuen Baisse-Trend (Trendlinie zurzeit bei ca. 715 GBp) herausgebildet, der sich nach dem Brexit-Votum noch beschleunigt hat. Da die technische Gesamtlage auf eine Fortsetzung dieser Baisse hindeutet, sollte die defensive Haltung gegenüber der Aktie zunächst bestehen bleiben.

Vonovia: Übergeordnetes Take-Profit-Signal
Bei Vonovia (früher Deutsche Annington) ist es erst im Juli 2013 zu einem Börsenlisting gekommen. Der technische Rückenwind durch die Sektor-Hausse und die umfangreichen M&AAktivitäten haben die Aktie nicht nur in einen Bilderbuch-Hausse-Trend, sondern im September 2015 auch in den DAX geführt. Der gut dreijährige Hausse-Trend liegt zurzeit bei ca. €28,5. Innerhalb dieses Trends startete die Aktie im Februar 2016 bei Kursen um €24,9 einen beschleunigten Aufwärtstrend, der neue All-Time-Highs (um €37,0) und eine mittelfristig überkaufte Lage geliefert hat. Begleitet von mehreren Take-Profit-Signalen ist die Hausse- Bewegung jedoch abgebrochen und die Aktie bis auf die 200-Tage-Linie zurückgefallen. Auch wenn es jetzt eine Stabilisierungschance gibt, ist die Aktie bereits in eine mittelfristige Seitwärtspendelbewegung hineingelaufen, so dass auch hier – mit Blick auf die kommenden Monate – ein Abschluss des zentralen Hausse-Trends einkalkuliert werden sollte.

Produktideen: Classic Turbo-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD60GP Bull Vonovia SE Hebel 7,6
CE3G63 Bear Vonovia SE Hebel 7,4

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Achim Matzke leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research bei der Commerzbank. Nach dem Mathematik- und BWL-Studium startete er 1990 seine berufliche Karriere bei der Commerzbank. Er ist mit seinem Team maßgeblich für die Technische Analyse sowie die Erstellung von Prognosen und Strategien mit dem Schwerpunkt auf deutsche und europäische Aktien und Aktienindizes verantwortlich. 2014 wurde Achim Matzke von Thomson Reuters Extel Surveys erneut zum besten Analysten des Jahres für deutsche Aktien gewählt.

Achim Matzke ist in Printmedien (z.B. FAZ, Handelsblatt) ebenso als kompetenter Kolumnist tätig wie im TV als Interviewpartner bei ARD, CNBC und natürlich regelmäßig bei ideasTV.

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