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Abgasaffäre - Ermittlungen Drohende Haftstrafen: VW-Management sollte lieber nicht in die USA reisen

18.01.2017, 13:07  |  2688   |   |   

Im Zuge der Ermittlungen zum Betrug und der Verletzung des Luftreinhaltegesetzes in den USA haben sich der deutsche Volkswagenkonzern und die US-Behörden vor Kurzem auf einen Vergleich geeinigt. Satte 4,3 Milliarden US-Dollar muss VW berappen (wallstreet:online berichtete). Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Es kann es noch sehr viel teurer werden. Während Volkswagen kriminelles Fehlverhalten einräumte, könnten vielen VW-Mitarbeitern harte Zeiten bevorstehen. So unter anderem dem VW-Manager Oliver S., der in den USA wegen des Abgasbetruges in Haft sitzt.

Wie schwer wiegen die Aussagen der Kronzeugen?
 
Annette Voges, die Anwältin des ebenfalls in Amerika angeklagten früheren Entwicklungsvorstands der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, kritisierte die US-Behörden scharf. „Es ist höchst fragwürdig, dass Herr Doktor Neußer zeitgleich mit der Öffentlichkeit von einer Anklage gegen ihn erfährt, ohne dass man ihm vorher rechtliches Gehör gewährt hat“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Weder in den USA noch in Deutschland sei er bislang vernommen worden. „In einem Rechtsstaat muss ein Beschuldigter zwingend angehört werden, bevor man Anklage erhebt“, sagte die Juristin. Es habe den Anschein, als interessiere man sich gar nicht dafür, was Herr Neußer zu den Vorwürfen sagt. Stattdessen verlasse man sich auf Behauptungen von Kronzeugen, die wegen ihrer eigenen Verwicklung in den Abgasskandal unglaubwürdig seien.

Auslandsreisen? Lieber nicht!
 
Aufgrund der Ermittlungen empfiehlt Voges ihrem Mandanten, Deutschland nicht zu verlassen. „Ich rate Herrn Neußer derzeit selbstverständlich von jeglicher Auslandsreise ab“, sagte sie. Für besonders riskant halte sie USA-Reisen des Volkswagen-Managements. VW-Markenvorstand Herbert Diess war vor wenigen Tagen dennoch zur Automesse nach Detroit gereist. „Ich habe Herrn Diess bewundert für seinen Mut, sich in die USA zu trauen“, sagte Voges der Zeitung.

Doch auch in Deutschland wird die Luft für viele VW-Mitarbeiter dünner. Auch hier drohen Haftstrafen. „Im sogenannten Diesel-Verfahren ermitteln wir gegen 21 Beschuldigte unter anderem wegen des Verdachts des Betruges“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe. „Diese Vergehen können im Grundtatbestand mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, in besonders schweren Fällen mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren geahndet werden.“

Wie eng wird es für den früheren VW-Chef Martin Winterkorn? Medienberichten zufolge belasten VW-interne Dokumente den früheren Chef des größten europäischen Automobilkonzerns in der Abgas-Affäre. Lesen Sie mehr: „Über Wahrheit und Marktmanipulation: Wie viel wusste EX-VW-Chef Martin Winterkorn?“

Der Hintergrund: Erst Dieselgate, dann Benzingate

Ende 2015 verging nahezu kein Tag ohne neue Nachrichten zum VW-Abgas-Skandal. Im Zuge der weltweiten Abgasmanipulation an Millionen Volkswagen schrieben wir über Rücktritte, Betrugsermittlungen, eine Gewinnwarnung, teure Rückrufaktionen, Entschuldigungen, Transparenzoffensiven … Aber auch über die reichsten Deutschen, die Quandts, deren Vermögen in Folge des Diesel-Gate um 4,5 Milliarden Euro geschmolzen ist und das Zittern der Bundesliga vor einem Rückzug des Großsponsors Volkswagen (siehe hier und hier). Dann brachte ein Whistleblower neue VW-Enthüllungen ans Licht. Zum Dieselgate gesellte sich das Benzingate. Und die Prüfinstitute standen nun selbst auf dem Prüfstand. 

Es kam wie es kommen musste: Im Oktober vergangenen Jahres musste der VW-Konzern den ersten Quartalsverlust seit über 20 Jahren verkünden. Das Dieselgate hatte dem Konzern demnach einen Verlust von 3,5 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) eingebrockt. Auch unter dem Strich war das Ergebnis mit minus 1,7 Milliarden Euro tiefrot (mehr dazu hier).

VW-Abgasskandal: Volkswagen-Bankrott? US-Anwalt sieht VW-Konzern in seiner Existenz bedroht

Verkehrsministerium irritiert: VW auf Konfrontationskurs? Autobauer will nicht gegen EU-Recht verstoßen haben

VW-Abgasaffäre: VW-Vergleich: Noch lange nicht das Ende - Strafzahlungen bis zu 35 Milliarden erwartet

Wertpapier: Volkswagen, Volkswagen


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