Antwort auf Beitrag Nr.:
33.006.234 von lump60 am 10.01.08
14:16:16Siemens: Diskussionen vor Hauptversammlung
spitzen sich zu
München (dpa) – Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK)
will auf der Siemens-Hauptversammlung wegen der Schmiergeldaffäre
gegen die Entlastung von Aufsichtsrats-Chef Gerhard Cromme
stimmen.
Nach intensiver Diskussion habe man sich aber entschieden, dennoch
für eine Wiederwahl Crommes in das Kontrollgremium zu stimmen,
sagte SdK-Vorstand Harald Petersen in München.
Gleiches gelte für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der wie
Cromme dem wichtigen Prüfungsausschuss des Siemens-Aufsichtsrats
angehört. «Beide haben verstanden, dass man das Ruder rumreißen
muss».
Eine gewisse Kontinuität ist wichtig
Zwar hätten Ackermann und Cromme in der Vergangenheit Fehler
gemacht, daher die Nicht-Entlastung. Sie hätten aber einen
entschiedenen Neuanfang eingeleitet. Zudem sei eine gewisse
Kontinuität wichtig.
Seit Wochen formiert sich der Widerstand gegen eine Entlastung der
Siemens-Führung auf der Hauptversammlung am 24. Januar. Die
Verbraucherzentrale für Kapitalanleger (VzfK) kündigte am
Donnerstag an, bei dem Aktionärstreffen die Nicht-Entlastung von
Vorstand und Aufsichtsrat zu beantragen.
Zudem solle der
Abschlussprüfer KPMG nicht wiedergewählt werden.
Die SdK begrüßte nun, dass es
Einzelabstimmungen über die
Entlastung der Vorstände und Aufsichtsräte geben soll. Dabei will
die Schutzgemeinschaft lediglich für die Entlastung von
Vorstandschef Peter Löscher, Finanzvorstand Joe Kaeser und
Industrie-Vorstand Heinrich Hiesinger stimmen.
Entlastung soll verweigert werden
«Allen anderen Vorständen wird die Entlastung verweigert.» Zudem
soll allen Aufsichtsräten, die bereits vor 2007 im Amt waren, die
Entlastung verweigert werden. «Man hat ein System zugelassen, das
man eigentlich hätte verhindern müssen», sagte Petersen.
Bei Siemens sind in den vergangenen Jahren 1,3 Milliarden Euro in
dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich größtenteils im Ausland
als Schmiergeld eingesetzt worden. Die Affäre hat den Konzern
bisher weit mehr als eine Milliarde Euro gekostet.
Unklar ist noch, mit welcher Empfehlung Vorstand und Aufsichtsrat
in Sachen Entlastung in die Hauptversammlung gehen. In der
Tagesordnung, die bereits vor Wochen an die Aktionäre verschickt
wurde, wird noch die Entlastung des fast kompletten Vorstands sowie
des gesamten Aufsichtsrats im Geschäftsjahr 2006/2007
vorgeschlagen.
Für Johannes Feldmayer gilt eine Ausnahme
Einzige Ausnahme ist der frühere Vorstand Johannes Feldmayer, der
im Zusammenhang mit der Affäre kurzzeitig in Haft saß. Laut
Branchenkreisen könnte die Empfehlung aber noch kurz vor dem
Aktionärstreffen geändert werden.
Möglich sei, dass eine differenzierte Entlastung vorgeschlagen
werde, hieß es in Branchenkreisen. Dies könnte zum Beispiel
bedeuten, dass der Aufsichtsrat eine Entlastung der Vorstände
empfiehlt, die relativ neu im Amt sind. Die Abstimmung über die
übrigen Führungskräfte – wie zum Beispiel den abgetretenen
Vorstandschef Klaus Kleinfeld – könnte dann vertagt werden.