Antwort auf Beitrag Nr.:
38.277.041 von Chessmaster am 29.10.09
09:32:45weiterhin würden sie ihre eigenen
doller-devisenbestände dadurch
massiv entwerten.
In HKD gerechnet, würden diese Devisenbestände dann natürlich
weniger "wert" sein, ja. Aber das kann ja nicht der Maßstab sein.
Das "Schicksal" von China bzw. Hongkong ist es nunmal, dass sie
durch ihre Handelsbilanzüberschüsse mit den USA (und anderen
Staaten) ständig einen Überschuss an Devisen hereinbekommen. Es
gibt zwei Möglichkeiten, damit umzugehen. Entweder läßt man die
Exporteure Hongkongs ihre USD auf dem Markt in HKD wechseln ohne zu
intervenieren. Dadurch würde sich der Wechselkurs gemäß Angebot und
Nachfrage anpassen -- so lange, bis das außenwirtschaftliche
Ungleichgewicht beseitigt ist, und keine Überschüsse mehr erzielt
werden. Oder, und das ist die Praxis heute, schöpft man jeden
Angebotsüberschuss an USD auf dem USD/HKD Markt ab, indem man USD
aufkauft und dafür frische HKD "druckt", solange bis der
Wechselkurs schön stabil bleibt. Das passiert seit Jahrzehnten.
Die Konsequenz dessen ist, dass sich immer größere Devisenreserven
in USD bei der Zentralbank anhäufen. Was die in HKD gerechnet wert
sind, ist zweitrangig. Wichtig für Hongkong ist, was sie in
Kaufkraft auf den internationalen Märkten wert sind.
Es ist schwer, mit einem so lange geübten Fixkursregime zu brechen.
Was man dadurch letzten Endes macht ist: man belohnt diejenigen,
die nicht an die (impliziten) Versprechungen der Entscheider
geglaubt haben...man belohnt diejenigen, die hohe Geldvermögen an
HKD angehäuft haben, obwohl der Wechselkurs seit Ewigkeiten stabil
gehalten wird, und auch in Zukunft stabil gehalten werden soll.
Dieses Geschenk geht auf Kosten von Exporteuren, die es nach einem
solchen Schritt auf den Weltmärkten erheblich schwerer haben
werden.
Man darf davon ausgehen, dass politisch die Exporteure -- die auch
darauf verweisen können, dass an ihnen viele Arbeitsplätze hängen
-- eine viel stärkere Lobby haben als die Halter von
HKD-Geldvermögen, die ja möglicherweise sogar im Ausland
sitzen.
Deswegen haben solche fixen Relationen so großen Bestand, auch wenn
es natürlich wahr ist, dass der jetzige Wechselkurs völlig
unhaltbar wäre, wenn er nicht ständig gestützt würde. Die
Spekulation auf einen plötzlichen Regimewechsel muss also nicht vom
Erfolg gekrönt sein, auch wenn sie verführerisch erscheint.
Um sowas umzusetzen, würde man wohl am besten einen Terminkauf von
HKD gegen USD durchführen. Die derzeitigen Forwardrates kenne ich
nicht, wäre sicher interessant, ob da eine Prämie auf den Kassakurs
besteht.