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VW-Führung "Den Bock zum Gärtner gemacht" - VW-Chef Müller begreift moralische Dimension nicht

02.06.2016, 16:45  |  1953   |   |   

Er weiß wovon er spricht: Thomas Sattelberger. Als einer der profiliertesten Unternehmens-Vorstände der vergangenen Jahre geht er mit VW-Vorstandschef Matthias Müller wegen dessen Umgang mit den Enthüllungen über manipulierte Abgastests hart ins Gericht. „Die moralische Dimension seiner Krise begreift er nicht“, kritisiert Sattelberger in einem Aufsatz in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Zwar musste die alte Garde im Zuge des Skandals ihren Hut nehmen. Doch mit der Ernennung Müllers zum neuen VW-Chef gab es keinen frischen Wind. Im Gegenteil: Es wurde „der Bock zum Gärtner gemacht“, schreibt Sattelberger. Und weiter: „Für die Adlaten des alten Regimes um Gottvater Ferdinand Piëch und den Sohn zu seiner Rechten, Martin Winterkorn – also vor allem für den aktuellen CEO Matthias Müller und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch –, wird es nun allerhöchste Zeit für ein wenig Demut.“
 
Thomas Sattelberger war Personalvorstand beim Automobilzulieferer Continental, bei der Lufthansa und zuletzt bis 2012 bei der Deutschen Telekom. Als Telekom-Vorstand wurde er vor allem bekannt, als er für die Führungsebenen eine 30-Prozent-Frauenquote durchsetzte.

Der Hintergrund: Auf Dieselgate folgt Benzingate

Im September hatte der VW-Konzern eingestanden, bei Abgas-Tests auf dem Prüfstand mithilfe einer Software die Ergebnisse für Dieselwagen manipuliert zu haben. Die Software erkennt, wenn ein Auto gerade auf dem Prüfstand getestet wird und schaltet den Motor dann in einen Modus um, in dem er deutlich weniger Stickoxide ausstößt.

Im Zuge der weltweiten Abgasmanipulation an Millionen Volkswagen schrieben wir überRücktritteBetrugsermittlungen, eine Gewinnwarnung, teure Rückrufaktionen, Entschuldigungen, Transparenzoffensiven … Aber auch über die reichsten Deutschen, die Quandts, deren Vermögen in Folge des Diesel-Gate um 4,5 Milliarden Euro geschmolzen ist und das Zittern der Bundesliga vor einem Rückzug des Großsponsors Volkswagen (siehe hier und hier). Dann brachte ein Whistleblower neue VW-Enthüllungen ans Licht. Zum Dieselgate gesellte sich das Benzingate. Und die Prüfinstitute standen nun selbst auf dem Prüfstand. 

Es kam wie es kommen musste: Im Oktober vergangenen Jahres musste der VW-Konzern den ersten Quartalsverlust seit über 20 Jahren verkünden. Das Dieselgate hatte dem Konzern demnach einen Verlust von 3,5 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) eingebrockt. Auch unter dem Strich war das Ergebnis mit minus 1,7 Milliarden Euro tiefrot (mehr dazu hier).



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