Der Uli ist echt ein Großer...nicht so wie ein Nerlinger...
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Dortmund-Boss Watzke
Friedensgipfel mit Hoeneß
Er hat mich zum Tegernsee eingeladen. Ich ziehe den Hut vor ihm
BILD: Bei der Fahrt durch Ihren Heimatort Erlinghausen
(Hochsauerland) sieht man sehr viele Dortmund-Fahnen vor den
Häusern wehen. Haben Sie Ihre Nachbarn dazu gezwungen?
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (52/lacht): „Natürlich nicht!
Erlinghausen ist einfach fest in BVB-Hand.“
BILD: Bis auf Ihren Nachbarn schräg gegenüber: Dort flattert die
Flagge von St. Pauli...
Watzke: „Das ist ein Hamburger, da kann man nichts machen. Aber ich
habe seine Fahne sogar mal gerettet...“
BILD: Wie das?
Watzke: „Als ich nachts heim kam, sah ich drei HSV-Fans, wie sie
sich am Masten zu schaffen machten. Einer war schon hoch
geklettert, da haben sie mich sogar gefragt, ob ich nicht Werkzeug
dabei hätte.“
BILD: Und?
Watzke: „Ich habe ihnen einen BVB-Sieg gegen St. Pauli versprochen.
Daraufhin haben sie den Fahnen-Klau gestoppt.“
BILD: Konnten Sie Wort halten?
Watzke: „Ja, wir haben St. Pauli geschlagen.“
BILD: Bayern oder Schalke-Fahnen sucht man vergeblich...
Watzke (grinst): „Die Erlinghauser hissen nur, wenn Titel geholt
werden. Aber im Juli ist Schützenfest im Ort, dann müssen die
Flaggen wieder für ein Jahr eingerollt werden. Und Schalker haben
wir hier eh wenige, na ja...“
BILD: Ja, bitte?
Watzke: „Ich verrate Ihnen jetzt mal etwas: Mein Trauzeuge ist
Schalker, der arbeitet sogar in meiner Firma unter lauter
Dortmundern.“
BILD: Wie geht das denn?
Watzke: „Nun, wir ertragen ihn einfach. Im Ernst: Bei uns im
Sauerland ist die Rivalität zwischen Schalke- und BVB-Fans auf
einem gesunden Niveau, nicht vergleichbar mit dem Ruhrpott.“
BILD: Welches Schützenfest ist eigentlich schöner: Das in
Erlinghausen oder ein 5:2-Sieg im Pokal-Finale über Bayern?
Watzke (schmunzelt): „Wer einmal ein Schützenfest im Sauerland
erlebt hat, weiß, dass das nicht zu toppen ist. Nicht mal durch ein
5:2 über Bayern. Wobei mir dieser Sieg auch extrem gut gefallen
hat...“
BILD: Sie haben nach dem Pokal-Sieg Freuden-Tränen verdrückt,
Bayern-Präsident Uli Hoeneß weinte nach dem Champions-League-Drama
– haben Sie Mitgefühl?
Watzke: „Definitiv ja! Da leidet und fühlt man mit, wie Uli Hoeneß
da saß und gelitten hat – Wahnsinn. So etwas bleibt nicht in den
Kleidern hängen. Er hat mir da wirklich leid getan. Aber die Kritik
an Bayern die jetzt zum Teil aufkommt halte ich für völlig
überzogen.“
BILD: Passen Chef-Tränen in das harte Bundesliga-Geschäft?
Watzke: „Nein, du willst das ja auch nicht. Das ist das Letzte, was
ich will: Tränen in der Öffentlichkeit vergießen, das liegt mir
überhaupt nicht. Aber daran erkennt man, wie sehr man unter Druck
steht – das Weinen ist dann eine Art Überdruckventil, da kann man
die Emotionen einfach nicht mehr stoppen.“
BILD: Im Endspurt der Meisterschaft hat es zwischen Ihnen und
Hoeneß gekracht. Er hat Ihnen vorgeworfen, Sie würden Märchen
erzählen. Wie ist der aktuelle Status ihrer Beziehung?
Watzke: „Wir werden uns demnächst treffen. Uli Hoeneß hat mich zum
Tegernsee eingeladen, und dieser Einladung werde ich folgen. Er ist
eine der prägenden Figuren des deutschen Fußballs. Vor seiner
Lebensleistung ziehe ich den Hut. Wir haben uns übrigens auch am
Rande des DFB-Banketts in Berlin schon unterhalten – gemeinsam mit
Horst Seehofer (CSU-Vorsitzender, d. Red), ein sehr interessantes
und nettes Gespräch.“
BILD: Ein Treffen zwischen Watzke und Hoeneß – wird das eine
Allianz der Mächtigen?
Watzke: „Ach nein, wir kennen uns ja gar nicht wirklich. Bisher
waren wir füreinander ja nur Medienfiguren. Das Treffen dient dem
besseren Kennenlernen.“
BILD: Sind Sie noch beim Sie?
Watzke: „Ja, wir Siezen uns. Mit dem Du habe ich es nicht so
schnell. Außerdem ist Hoeneß der Ältere...“