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schrieb am 09.03.09 11:07:47
News - 09.03.09 10:44
Agenda: Flaute auf allen Meeren
Die Krise in der Containerschifffahrt reißt immer mehr Opfer mit:
Reedereien, Werften, Emissionshäuser, Finanzierer. Ganze Regionen
stehen vor dem Kollaps. Nun soll eine konzertierte Aktion die
maritime Wirtschaft in Deutschland retten.
Reeder haben keine Angst vor einer Wirtschaftsflaute. Reeder legen
in guten Zeiten Millionen für schlechte Zeiten zurück. Reeder sind
die Gewinner der Globalisierung. Immer wenn Hapag-Lloyd-Chef
Michael Behrendt in den vergangenen Monaten als Reederpräsident
etwas zur Lage der Containerschifffahrt sagte, versprühte der
57-Jährige Optimismus. "Vielleicht müssen wir uns nur an die
Normalität gewöhnen", sagt Behrendt.
Normalität? Davon kann keine Rede sein. Der Absturz der
Weltwirtschaft erschüttert die Containerschifffahrt wie selten
zuvor. Die gesamte Branche sitzt auf Überkapazitäten, die vor allem
durch die Gier nach schnellem Profit entstanden ist. Nun droht der
maritimen Wirtschaft von Reedern über Schiffsbanken und
Emissionshäusern bis hin zu Werften und Zulieferern ein
Milliardenkollaps. Sogar eine ganze Region ist bedroht: Fast die
Hälfte der weltweiten Containerflotte wird von Norddeutschland aus
kontrolliert. "In meinen 30 Jahren in dieser Branche ist das das
Schlimmste, was ich je erlebt habe", sagt der Chef einer
internationalen Linienreederei.
Sinkende Frachtraten
Und es ist längst noch nicht alles. "Das dicke Ende kommt erst
noch", warnt ein hochrangiger Hamburger Banker. Die Frachtraten für
Container sind im freien Fall, weil durch den Konjunktureinbruch
immer weniger Waren über die Weltmeere transportiert werden. Statt
um 20 Prozent zu wachsen, dürften die Frachtmengen in diesem Jahr
um bis zu zehn Prozent schrumpfen, schätzen Branchenkenner.
Besonders brutal trifft es die wichtigste Strecke der
Containerschifffahrt, die Route zwischen Asien und Europa. Im
Sommer 2008 konnten Linienreedereien noch Frachtraten von weit über
1000 $ für den Transport eines Standardcontainers auf dieser
Strecke verlangen. In den vergangenen Wochen tendierten die Preise
gegen null.
Linienreeder wie Maersk, NOL oder Hapag-Lloyd verlieren nach
Branchenschätzungen derzeit 1 bis 2 Mio. $ pro Tag. Nach
Berechnungen der Beratungsfirma Drewry Shipping könnten die
Unternehmen in diesem Jahr Verluste von insgesamt 32 Mrd. $
anhäufen. Um die Krise überhaupt zu überleben, dünnen die Reeder
ihre Fahrtrouten aus, legen Schiffe still und steigen aus
Mietverträgen für Containerschiffe, sogenannten Charterverträgen,
aus. Rund die Hälfte der Container transportieren Linienreeder mit
gemieteten Schiffen.
Damit wird auch die Lage für die Eigner von Containerschiffen immer
prekärer. Die Leihgebühren sind nach Angaben des Schiffsmaklers
Howe Robinson seit dem vergangenen Jahr zum Teil um über 80 Prozent
gefallen. Mehr als 450 Containerschiffe liegen bereits ohne
Beschäftigung in den Häfen - das sind doppelt so viele wie noch im
Januar und fast elf Prozent der weltweiten Containerflotte. "Ich
erwarte den Tiefpunkt der Krise erst für Ende 2011, dann wird es
etwa 1000 aufliegende Schiffe weltweit geben", sagt Claus-Peter
Offen, einer der größten Containerreeder der Welt.
An Dynamik gewinnt der Abwärtstrend, weil gleichzeitig viele neue
Schiffe auf den Markt kommen - allein in diesem Jahr wächst die
weltweite Containerflotte um bis zu 15 Prozent. Insgesamt haben
Werften nach Angaben des Analysehauses Clarkson Research weltweit
Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker im Wert von rund 540
Mrd. $ in ihren Auftragsbüchern stehen. "Davon ist erst ein kleiner
Teil bezahlt", warnt Martin Stopford, Geschäftsführer von Clarkson
Research. Die Banken vergeben keine neuen Kredite, und vermögende
Privatleute wollen kein Geld mehr in Schiffe stecken. "Die
Zeitbombe tickt", sagt ein Banker.
Vor allem in Deutschland geht die Angst um. In keinem Land der Erde
wurden so viele Containerschiffe bestellt. Die Frachter waren bei
Investoren extrem beliebt. Fast 80 Prozent der durch Fonds
finanzierten Schiffe sind Containerriesen. Die Hoffnung, dass vor
allem China den Welthandel weiter ankurbelt und für steigende
Transportmengen auf den Asienrouten sorgt, hat Reeder und
Emissionshäuser allzu mutig werden lassen. Sie haben bestellt,
obwohl sie zum Teil weder eine hundertprozentige Finanzierung noch
ausreichend Aufträge gesichert hatten.
Alle wollten dabei sein beim Milliardenboom. Die Reeder waren
überzeugt, das nötige Kapital bei Privatinvestoren einzutreiben und
genügend Charterverträge mit den Linienreedern zu bekommen. Die
Werften wurden derart mit Aufträgen überhäuft, dass die Wartezeiten
immer länger wurden. "Es sind eindeutig zu viele Schiffe bestellt
worden", gesteht Offen.
Jetzt könnte so mancher Reederei oder Emissionshäusern wie MPC, HCI
oder Lloyds Fonds das Geld fehlen, um die Schiffe auch zu bezahlen.
Bei der Auslieferung eines Containerschiffs drohen Zahlungslücken
in Millionenhöhe. MPC, einer der größten Initiatoren von
Schiffsbeteiligungen, hat sich zuletzt 500 Mio. Euro von zwölf
Banken gesichert, um für den Sturm gerüstet zu sein.
Es ist wie beim Domino, fällt ein Stein, reißt er den nächsten mit.
Auch die Banken geraten zunehmend in Bedrängnis. Da sie in der
Regel einen Großteil der Anzahlungen auf die Schiffe als Kredit
gewährt haben, können sie das Geld entweder komplett abschreiben,
oder sie müssen das Schiff abnehmen. "Der ein oder andere wird das
mit Sicherheit nicht überleben", sagt ein Hamburger Reeder.
Um das drohende Desaster abzuwenden, versuchen die
Schiffsbesteller, mit den Werften in Deutschland und Asien eine
Verschiebung oder Stornierung der Aufträge zu verhandeln. Das
Interesse der Schiffsbauer hält sich allerdings in Grenzen, weil
ihnen so dringend benötigte Einnahmen fehlen würden. Probleme
werden die Werften aber auf jeden Fall bekommen: "Es wird kein
Mensch heute mehr ein Schiff beauftragen", sagt der Hamburger
Reeder Offen.
Doch selbst wenn, Preise wie in den vergangenen Jahren werden sich
in Zukunft mit Containerschiffen kaum noch erzielen lassen. Kostete
ein Standardschiff mit einer Ladekapazität von 1700
Standardcontainern (TEU) im vergangenen Jahr noch 35 bis 40 Mio.
Euro, ist es heute gerade noch die Hälfte wert.
Der drastische Verfall der Schiffspreise bleibt natürlich nicht
ohne Folgen. Wenn Schiffsfinanzierer wie die HSH Nordbank, Deutsche
Schiffsbank oder HypoVereinsbank ihre laufenden Finanzierungen in
der Bilanz nach den aktuellen Marktwerten für Schiffe bewerten
müssen, drohen weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe. Die HSH
Nordbank, größter Schiffsfinanzierer der Welt, hat allein ein
Schiffsfinanzierungsportfolio von rund 27 Mrd. Euro in der Bilanz.
Bei einer Abwertung von 20 Prozent entstünde bereits ein Verlust
von mehr als 5 Mrd. Euro.
Das macht nicht nur die Banken nervös. Die Vereinigung Hamburger
Schiffsmakler und Schiffsagenten schlägt Alarm. "Die Schiffe dürfen
nicht nach Marktwerten bewertet werden, weil der Markt wegen der
Kreditklemme nicht funktioniert", sagt der Verbandschef und
Hamburger Schiffsmakler Thomas Rehder. "Wir brauchen eine
Ausnahmeregelung, um unrealistische Wertberichtigungen zu
verhindern."
Nun überlegt die Branche fieberhaft, wie die maritime Wirtschaft
noch zu retten ist. In Gesprächen mit der Politik wurde klar, dass
eine übergreifende Lösung gefunden werden muss, ein Rettungsschirm.
Denn die Krise bedroht nicht nur Reeder oder Emissionshäuser,
sondern alle, die mit dem Schiffbau zu tun haben: Finanzierer,
Werften, Zulieferer. Es könnten Strukturen zerstört werden, die
sich nur schwer wieder aufbauen lassen, warnen Branchenkenner. Mit
fast 60.000 Menschen beschäftigt die Branche mehr als doppelt so
viele wie der Autobauer Opel.
Führende Hamburger Reeder halten gar eine Art Bad Bank für
Containerschiffe für eine mögliche Lösung. Dort könnten dann all
jene Schiffe geparkt werden, die derzeit nicht gebraucht und nicht
bezahlt werden können. Denn es gilt als unwahrscheinlich, dass die
asiatischen Werften ganz auf ihre Aufträge verzichten - selbst wenn
die deutsche Politik intervenieren sollte. "Die lassen sich
höchstens auf eine Verschiebung ein ", sagt ein
Unternehmensberater.
Wie schwer die Angelegenheit für die Politik ist, zeigt das
Beispiel Hapag-Lloyd. Fast wäre der Verkauf der Reederei an eine
Hamburger Bietergruppe gescheitert, weil Hapag-Lloyds Geschäft
massiv unter Druck steht. Nur mithilfe von Steuergeldern der Stadt
Hamburg und Unterstützung des einstigen Mutterkonzerns TUI konnte
der Verkauf erst einmal gerettet werden - für völlig überteuerte
4,45 Mrd. Euro. Genutzt hat es wenig. Herbe Einschnitte werden sich
bei der Reederei nicht vermeiden lassen. Die normalen Zeiten, sagt
ein Unternehmenskenner, seien eben auch bei Hapag-Lloyd längst
vorbei.
Von Mark Krümpel (Hamburg)
Quelle: Financial Times Deutschland
schrieb am 09.03.09 11:36:10
Antwort auf Beitrag Nr.:
36.727.515 von Dorfrichter am 09.03.09
11:07:47In Gesprächen mit der Politik wurde klar,
dass eine übergreifende Lösung gefunden werden muss, ein
Rettungsschirm.
Der nächste Rettungsschirm, der benötigt wird

besser gleich ein ganzes Zelt !
Insgesamt haben Werften nach Angaben des Analysehauses Clarkson
Research weltweit Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker im
Wert von rund 540 Mrd. $ in ihren Auftragsbüchern stehen. "Davon
ist erst ein kleiner Teil bezahlt",
Die 540 Mia wird man wohl auch zu 90 % in die Tonne treten
können.
Hab irgendwo gelesen,daß in den nächsten Jahren ca. 1600 Neubauten
auf den Markt drängen, einen Markt, den es vermutlich dann gar
nicht mehr gibt. Wird ne schöne Blase werden, fürchte ich.
Die HSH-Bank könnte die HRE noch überholen ! Oje

Jetzt weiß ich auch, warum die Ärzte mit ihren Honoraren nicht mehr
auskommen-- die meisten dieser Pötte sind doch Arzt-und
Zahnarzt-"Schiffe"-
Da kann sich Ulla Schidt schon mal gleich
auf eine neue Gebühren-Runde einstellen !


Ich dachte immer, Karneval wäre zu Ende, aber dies Jahr hört das
wohl nie auf .
schrieb am 09.03.09 12:43:18
Antwort auf Beitrag Nr.:
36.727.711 von Looe am 09.03.09
11:36:10Da werden so Einige auf ihren Steuersparmodellen
sitzen und "Steuern sparen"...gezwungenermaßen, denn die Kohle ist
im Feuer.
schrieb am 09.03.09 12:52:30
Ich denke die Überkapazitäten werden auf Jahre eine Last sein.
Der nächste Boom wird wohl viele Jahre auf sich warten lassen.
Erstmal muss der Markt mal wieder bereinigt werden.
Das heißt viele Pleiten und weniger Schiffe.
schrieb am 09.03.09 13:09:04
/ Hoffnung an
Umso mehr Pleiten, desto weniger Schiffe, desto schneller geht's im
Schweinezyklus wieder nach oben...
- (Festgeld-)Zinsen runter
- Bevölkerungswachstum rauf
- Gelddruckmaschinen an (Konjunkturprogramme)
- Inflation rauf
- Schiffe weiterhin Transportmittel Nr.1
- Sachwerte daher weiterhin attraktiv
/ Hoffnung aus
schrieb am 09.03.09 13:43:56
Die Hoffnung auf einen \"Rettungsschirm\" für Werften ist
überflüssig:
Es wird keinen geben.
Es ist völlig utopisch, sich durch regionale Aktivitäten der
weltweiten Rezession entziehen zu können.
Nachdem der
Preisverfall bei Containerfrachtraten im Januar
und Februar etwas gebremst wurde,
ging er mit
deutlich höherer Geschwindigkeit die vergangenen
beiden Wochen weiter.
In einem Jahr verlor der entsprechende Index über 70
Prozent,
von 1009 Punkte am 06.03.2008 auf nur noch 299 Punkte am
05.03.2009
Siehe:
http://www.vhss.de/contex.php
schrieb am 09.03.09 13:50:24
Die Poltik kann nicht jeden retten, dafür reicht das Geld
nicht.
Der nächste Schweinezyklus kann lange auf sich warten lassen.
Siehe: Halbleiter
schrieb am 09.03.09 14:45:45
Antwort auf Beitrag Nr.:
36.728.298 von kosto1929 am 09.03.09
12:52:30Das heißt viele Pleiten und weniger
Schiffe.
Wenn ein Schiff Pleite geht ist es damit nicht weg. Irgend jemand
kauft es dann für Ei und Butterbrot. Ohne die gewaltigen
Finanzierungskosten kann er natürlich weitaus günstiger operieren.
Damit treibt er dann letztlich auch den ganzen Rest in den
Konkurs.
Es gab endlose Warnungen, sie wurden alle ignoriert. Jene die
gewarnt haben wurden beruflichen Repressalien ausgesetzt und
Mundtod gemacht. Besser wäre es das ganze Geschehen aufzudecken und
endlich die Drahtzieher voll zur Verantwortung zu ziehen als hier
den Steuerzahler immer noch weiter belasten zu wollen.
schrieb am 09.03.09 15:35:51
Auch höhere Erbschaftsteuer für Vermögende gefordert
Hamburger Reeder gehen Pläne der SPD
für eine Reichensteuer nicht weit genug
Der Hamburger Reeder Peter Krämer hat die Parteien aufgefordert,
bei der Besteuerung von Wohlhabenden über die bislang bekannten
Pläne der SPD für eine Reichensteuer hinauszugehen. "Die SPD geht
mir längst nicht weit genug", sagte Krämer dem Sender N24.
Zusätzlich plädierte er für eine Anhebung der Erbschaftsteuer für
die zehn Prozent der reichsten Deutschen. "Das würde völlig
ausreichen nach meiner Überzeugung, um die Steuerlöcher zu
stopfen." Der Reeder hatte sich am Wochenende in einer gemeinsamen
Initiative mit 20 weiteren wohlhabenden Deutschen mit einem offenen
Brief an die Parteichefs Angela Merkel (CDU) und Franz Müntefering
(SPD) gewandt und eine höhere und damit nach seinen Worten
gerechtere Besteuerung von Reichen verlangt. Unter den
Unterzeichnern waren auch der Bremer Wirtschaftsexperte Rudolf
Hickel und Literaturnobelpreisträger Günter Grass.
Reaktionen aus den Parteien auf das am Samstag in der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung" veröffentlichte Schreiben habe er noch nicht
erhalten, sagte Krämer nun N24.
Krämer kritisierte, die SPD plane bei ihrer Reichensteuer nur eine
Mehrbelastung von Wohlhabenden im Umfang von 1,2 Milliarden Euro.
Dies sei wenig im Vergleich zu den 16 Milliarden Euro, die eine
Mehrwertsteuererhöhung um zwei Punkte bringe. "Die Schere zwischen
Arm und Reich geht immer weiter auseinander", kritisierte
Krämer.
Dazu habe auch die Absenkung des Spitzensteuersatzes von 53 Prozent
auf 42 Prozent beigetragen, durch die "kein einziger Arbeitsplatz
zusätzlich geschaffen worden ist". Er selbst würde jedenfalls nicht
mehr Geld ausgeben, wenn er weniger Steuern zahlen müsse, oder
weniger ausgeben, wenn die Steuern erhöht würden.
Herr Krämer verlangt höhere Steuern um diese
dann für sich zu kassieren! Was für ein ARSCH!!!