Auf den ersten Blick eine der Wachstumsstories:
Hervorgegangen aus dem CallCenter Betreiber "Infogenie" wurde durch
Übernahmen der extrem profitable und schnell wachsende "Spezialist
für elektronische Bezahllösungen".
Gewinn in 2007 fast verdoppelt, im ersten Quartal Umsatz um 52,6 %
und Gewinn um 65% gesteigert. EBIT MArge bei 25% bei 0%
Steueraufwand. Einfach paradisisch !!!
Der "Spezialist für elektronische Bezahllösungen" notiert mit 13,50
EUR nahe am ATH, KGV (2007) ungefähr 35, KBV ungef. bei 7,5, KUV
ungef. bei 9. Bischen teuer zwar,aber für so einen tollen
Wachstumswert kein Problem, oder ?
Die Kursentwicklung spricht für sich:
Finanzkrise ? Kein Problem für Wirecard. Von den Analysten gibt es
wie es sich gehört fast nur Kaufempfehlungen, die Kursziele werden
regelmässig nachgezogen.
Interessant wird es, wenn man sich wirklich mal den 2007er
Geschäftsbericht ansieht.
Die wichtigste Einheit des Unternehmens scheint zwar die Bank zu
sein, reported wird aber wie für ein normales Unternehmen.
Seitenweise werden irgendwelche Umbuchungen in der Vergangenheit
erklärt, die aber auch nach mehrmaligen lesen nicht verständlich
sind. In der Konsolidierung verschwindet plötzlich fast 20% des
Umsatzes.
Lässt man dies alles mal aussen vor, findet man aber
Erstaunliches:
- dem Eigenkapital von 168 Mio. EUR stehen mittlerweile
immaterielle Vermögensgegenstände von 149 Mio. EUr gegenüber
- Der ausgewiesene Gewinn von 30 Mio. EUR für 2007 geht
größtenteils auf
+ die Erhöhung selbsterstelleter imm. Vermögensgegenstände (+4
Mio.)
+ Erhöhung sonstiger imm. Vermögensgegenstände (+18 Mio) zurück
+ Steuern fallen auf wundersame Weise gar nicht an bzw.
D.h. ohne diese erfolgswirksame Aktivierung von Unterschiedbträgen
ala Arques hätte Wirecard maximal 8 Mio.vor Steuern verdient.
EIn besonderes "Zuckerl" ist auf Seite 124-125 zu finden, nämlich
die Beschreibung der Erwerbe von sog. Kundenportfolios. Das Ganze
sieht wohl im Prinzip so aus, dass jeweils zum Jahresende von wem
auch immer irgendwelche Portfolios erworben werden, deren Hauptwert
in hohen immateriellen Vermögensgegenständen besteht. Dann werden
im Jahr darauf noch Nachzahlungen fällig, die dann natürlich wiede
als Geschäftswert aktiviert werden.
Wenn ich den 2007er Deal richtig lese, werden für gut 43 Mio. ca.
20 Mio Geschäftswert und 15 Mio. Nettoassets erworben, die
Differenz wird dann einfach wieder dem Geschäftswert zugeschlagen.
Darauf wird dann nochmals eine Gewinnwirksame Aktivierung
vorgenommen......
Vom Kaufpreis wurde erst die Hälfte bezahlt (finanziert durch eine
Kapitalerhöhung !!!), der Rest folgt 2008. Wer immer der Verkäufer
dieser Portfolio ist, scheint einen ganz guten Reibach zu machen,
bekomt er doch ungefähr midestens das 3 fache des Buchwerts vor
Nachzahlungen.
Die übernommene Trustpay AG kann man googeln wie man will, man
findetausser der Wirecard News keine Infos. Nichts, gar nichts. und
dafür 40Mio Firmenwert ?
Das sieht fast wie eine systematische Ausplünderung der Erlöse aus
den Kapitalerhöhungen aus, v.a. wenn man bedenkt,dass das erworbene
Unternehmen seinen Sitz ebenso wie Wirecard in Grassbrunn
hat......
Die Erhöhung der sonst. imm.Vermögensgegenstände lässt sich ebenso
wenig nachvollziehen wie die der Geschäftswerte.
Das Highlight ist aber die Cash Flow Rechnung. Der Korrekturposten
"Anpassung aus Erstkonsolidierung" in Höhe von 33 Mio. soll
eigentlich ja den Gewinn korrigieren, in der GuV ist allerdings
davon nichts zu sehn. Meine Vermutung ist, dass es sich hier noch
um zusätzliche Aktivierung von Unterschiedsbeträgen handelt, die in
den Umsätzen (!!!!!) stecken und deshalb natürlich Cash unwirksam
sind.
Deshalb fallen natürlich auch keine Steuern an, weil eine
Aktivierung ja nicht steuerpflichtig ist. Da ist Arques ja noch ein
Musterknabe. Wie üblich werden dann die Erhöhung der Kundeneinlagen
als operativer Cashflow gezeigt anstatt als
Finanzierungscashflow.
Dazu passt die EK Entwicklung auf Seite auch wieder nicht, hier
sieht man neben den erworbenen Geschäftswerten nur einen weiteren
Zugang von sonst. immateriellen Vermögensgegenständen (vmtl.
Aktievierung von Kundenstämmen) in der Höhe von 18 Mio. EUR.
Das erklärt sich meiner Ansicht nach durch die starke Zunahme der
Verbindlichkeiten aus LuL sowie der sonstigen Verbindlichkeiten und
der Bank. Genaues weiss man nicht, aber es stinkt zum Himmel. Ich
vermute, das die Verbindlichkeiten aus Zahlungen der Kunden
resultieren, die vmtl. irgendwo verpfändet oder anderweitig vor dem
freien Zugriff von Wirecard geschützt sind, wie z.B. die Einlagen
bei der BAnk. Da allerdings die Bank ja nicht separat ausgewiesen
wird, hat man auch keine Chance das zu überprüfen.
Warten wir mal ab, wie lange das Spielchen noch funktioniert,
langsam dürfte die Luft allerdings dünn werden. Der AR Vorsitzende
hat zum Jahresende schon mal fleissig Kasse gemacht.
zum Abschluss nochmal zum Verleich der Chart von Arques zum
Vergleich:
MMI