Antwort auf Beitrag Nr.:
39.668.571 von Tobias79 am 11.06.10
12:00:51aber anscheinend bald
HB WASHINGTON/PEKING. Kurz vor dem Gipfel der größten
Wirtschaftsmächte (G20) in Kanada bewegt sich China im Streit um
seine Währungspolitik. Die Zentralbank in Peking kündigte am
Samstag überraschend eine größere Flexibilität des Yuan an und
signalisiert damit ein Ende der fast zwei Jahre alten
Dollarbindung. US-Präsident Barack Obama begrüßte die Entscheidung
als „konstruktiven Schritt“.
Die Erholung der chinesischen Wirtschaft stehe auf einer solideren
Basis, teilte die chinesische Zentralbank am Samstag auf ihrer
englischsprachigen Website mit. „Es ist wünschenswert, die Reform
der Wechselkurs-Politik voranzutreiben und die Flexibilität des
Wechselkurses zu erhöhen“, hieß es dort. Es gebe allerdings keine
Grundlage für eine „Aufwertung im großen Umfang“.
Die USA und der Internationale Währungsfonds (IWF) begrüßten die
Ankündigung Pekings. Präsident Obama teilte mit, der Schritt „kann
dabei helfen, die Wirtschaftserholung zu sichern und zu einem
ausgewogeneren globalen Wachstum beizutragen“. US-Finanzminister
Timothy Geithner erklärte ferner: „Eine entschlossene Umsetzung
wäre ein positiver Beitrag zu einem robusten und ausgewogenen,
globalen Wachstum.“ Washington freue sich darauf, die
Zusammenarbeit mit China im Rahmen der G20 sowie bilateral
fortzusetzen.
Der Streit um Chinas Währung schwelt seit Jahren. Die USA gehören
zu den schärfsten Kritikern, weil sie den Yuan für künstlich
unterbewertet halten und dadurch Wettbewerbsnachteile erlitten.
Vor dem Treffen der Regierungschefs der G20-Gruppe am 26. und
27.
Juni in Toronto hatte Präsident Barack Obama in einem Brief an die
Regierungschefs gefordert, dass die Weltwirtschaft nur gesunden
könne, wenn auch die Wechselkurse vom Markt bestimmt werden
könnten.
Jedoch ist Chinas Währung seit Mitte 2008 praktisch fest bei einem
Kurs von 6,8 Yuan an den US-Dollar gebunden. Obama steht auch
innenpolitisch unter Druck, weil Mitglieder des Kongresses Peking
mit Handelssanktionen zu einer Aufwertung zwingen wollen.
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn nannte die Ankündigung „eine sehr
willkommene Entwicklung“. Eine stärkere chinesische Währung werde
dabei helfen, „die chinesischen Haushaltseinkommen zu erhöhen und
die nötigen Anreize zu liefern, Investitionen in Industrien zu
leiten, die dem chinesischen Konsumenten dienen“.
Die Weltbank hatte kürzlich in einem Bericht festgestellt, dass
eine flexiblere Währung China mehr Freiheit bei der Entscheidung
geldpolitischer Fragen gebe. Zugleich werde der Inflationsdruck
gemindert, da in der Folge Importkosten sinken würden.
China hatte seit Juli 2008 als Folge der Weltwirtschaftskrise eine
Stärkung seiner Währung verhindert, um seine Exportwirtschaft zu
stützen. Zuvor war bereits im Juli 2005 eine Dollarbindung
abgeschafft worden, woraufhin in den drei folgenden Jahren der Yuan
um 21 Prozent zulegte, wie die Finanzagentur Bloomberg meldete. Die
Dollar-Käufe der Zentralbank bescherten China Währungsreserven im
Umfang von 2,4 Billionen Dollar, die weltweit größte Menge.