Das Märchen vom stabilen Geld...
von Andreas Hoose
Freitag 20.04.2012, 08:34
Sieht man sich die aktuellen Entwicklungen in unserem Finanzsystem
an, und hört man sich dazu bei den „Leuten auf der Straße“ um, dann
bemerkt man immer öfter eine Art diffuse Verunsicherung. Immer mehr
Menschen scheinen das Gefühl zu haben, dass da „irgendetwas kommt“
- ohne genau sagen zu können, was das sein könnte.
Noch vor zwei oder drei Jahren wurden kritische Kommentatoren
schief angesehen, wenn sie die Möglichkeit einer Währungsreform zur
Diskussion stellten. Ist es das, was uns bevorstehen könnte? Spüren
die Menschen intuitiv, dass sie auch heute wieder in ganz großem
Stil betrogen werden? Es heißt, die Geschichte wiederholt sich
nicht, aber sie reimt sich. Gegen wir also einmal der Frage nach,
wie das alles angefangen hat:
Seit Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 wird regelmäßig das
Versagen der Märkte beklagt. Das System freier Marktkräfte sei
gescheitert. So erklären es uns die Politiker mit sorgenvoller
Miene. Die Märkte müssten deshalb an die Kette gelegt und reguliert
werden, dabei müsse man mit harter Hand durchgreifen...
Was Medien und Politik verschweigen: Es gibt überhaupt keine freien
Märkte. Wäre dem nicht so, gäbe es viele der heutigen Probleme
überhaupt nicht: Weite Teile des Bankensektors wären längst pleite
und abgewickelt. Griechenland und Portugal hätten den Euro nie
bekommen...
Stattdessen wird nun das Bankensystem „gerettet“. Stattdessen
werden ganze Staaten auf Kosten der Allgemeinheit vor der Pleite
bewahrt. Und die Politiker tun so, als sei dies im Interesse des
Volkes. Die Wahrheit ist: Gescheitert sind nicht die freien Märkte.
Gescheitert ist ein System der Regulierung, der staatlichen
Eingriffe und der Verflechtung von Banken, Medien und
Regierungen.
Gescheitert ist vor allem aber ein System, in dem Schulden,
billiges Geld und ein Übermaß an Krediten zum Allheilmittel
stilisiert wurden. Doch anstatt den Menschen die Wahrheit zu sagen
und die Probleme anzugehen, wird die Entwicklung mit immer mehr
billigem Geld und noch mehr Regulierung auf die Spitze
getrieben.
Nun könnte man annehmen, das alles sei in der Geschichte ein
einmaliger Vorgang. Wir Menschen neigen ja dazu, uns selbst und
unsere eigenen Erfahrungen besonders wichtig zu nehmen. Doch ein
Blick in die Geschichte des Geldes zeigt, dass der großangelegte
Betrug an der Allgemeinheit eine lange Tradition hat.
Geld und Betrug: Zwei Seiten einer Medaille...
Schon im antiken Rom begann eine Entwicklung, die sich wie ein
roter Faden durch die Geschichte zieht: Bis heute lassen die
regierenden Klassen nichts unversucht, um die Bevölkerung mit dem
jeweils umlaufenden Geld zu betrügen. Das Grundprinzip ist denkbar
einfach: Durch schleichende Münzverschlechterungen, einer Frühform
der Inflation, bei der die römischen Kaiser den Gold- oder
Silbergehalt der umlaufenden Münzen heimlich verringerten, sank der
Wert des Geldes unaufhaltsam. Mit der Einführung des Papiergeldes
sollte dieses System sehr viel später zur Perfektion entwickelt
werden.
Was ist der Grund für dieses Vorgehen? Und warum werden die
Menschen betrogen, wenn der Wert des Geldes immer weiter sinkt?
Ursache des staatlichen Betruges an der eigenen Bevölkerung ist die
Tatsache, dass der Kapitalhunger von Regierungen grundsätzlich
unerschöpflich ist. Zu Zeiten der römischen Regenten, die mit dem
Geldbetrug ihren aufwendigen Lebenswandel und kostspielige Feldzüge
finanzierten, war das nicht anders als im Zeitalter von
„Rettungspaketen“ für wankende Volkswirtschaften der Euro-Zone. Die
Gründe, warum Regierungen die eigene Bevölkerung über eine
Abwertung des Geldes betrügen, sind vielfältig und variieren im
geschichtlichen Ablauf. Das Ergebnis ist jedoch immer das Gleiche:
Am Ende zahlen die Bürger die Zeche für Schuldenwahnsinn,
Misswirtschaft und Kriegstreiberei.
Geld, und das wird gerne vergessen, ist im ursprünglichen Sinne ja
kein Geschöpf des Staates, es ist vielmehr ein Produkt des
wirtschaftlichen Warenverkehrs: Geld ist der aus einer Leistung
entstandene Rechtsanspruch auf eine gleichwertige Gegenleistung.
Und genau an dieser Stelle setzt das an, was wir heute Inflation
nennen. Der betrügerische Trick, den die Regierungen seit
Jahrhunderten anwenden, liegt darin, dass der Maßstab Ware gegen
Geld heimlich verändert wird:
Die Menschen erhalten nur noch halb so viel reale Gegenleistung für
ihre Arbeit, wenn der Wert des Geldes heimlich um die Hälfte
gesenkt wird. Erst allmählich spricht sich herum, dass das Geld
weniger Kaufkraft besitzt. Deshalb steigen die Preise für reale
Güter und deshalb verlangen die Menschen irgendwann doppelt so viel
Geld für ihre Arbeit. Doch die Regierung hat den Wert des Geldes
schon wieder unbemerkt gesenkt - und die Bürger werden erneut
betrogen...
Geldentwertung, und das ist für das historische Verständnis
wichtig, hat immer nur eine Ursache: Eine willkürliche, künstliche
Vermehrung der umlaufenden Geldmenge. Und sie hat immer nur eine
Auswirkung: Die Kaufkraft des Geldes geht verloren, was zu einem
scheinbaren Anstieg der Preise führt. Scheinbar deshalb, weil in
Wahrheit ja nicht die Preise steigen, sondern der Wert des Geldes
verfällt. Inflation ist deshalb eine indirekte Steuer des Staates
und eine unbemerkte, weil meist schleichende Konfiszierung des
Vermögens der arbeitenden und sparenden Bürger.
Auf diese Weise war schon im alten Rom der Silbergehalt des
seinerzeit gängigen Denar innerhalb weniger Jahrhunderte von 100
auf etwa fünf Prozent gesunken. Ganz ähnlich verhält es sich heute
mit unserem Papiergeld, etwa dem US-Dollar oder dem Euro: Die reale
Kaufkraft sinkt kontinuierlich, aber auch dies geschieht so
langsam, dass es kaum jemandem auffällt. Am Ende dieses Prozesses
stehen oftmals Währungsreformen und Staatsbankrotte. Doch auch das
ist überhaupt nichts Neues:......................
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