Ab heute erhältlich (rezeptpflichtig):
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Dreimal höhere Abstinenz-Chance
Die meisten Raucher möchten aufhören und haben bereits einen
missglückten Versuch hinter sich
| 01.03.07, 06:18 |
Wer mit dem Rauchen aufhören will, muss sich bisher auf
Nikotinersatz oder Antidepressiva verlassen. Ab 1. März kommt ein
neues Rauchstopp-Medikament.
Sieben von zehn Rauchern wollen laut WHO eigentlich aufhören.
„Aus meiner Erfahrung gibt es kaum einen Raucher, der den
Ausstieg nicht bereits einmal versucht hat“, berichtet
Wolfgang Petro, Medizinischer Direktor der Lungenfachklinik Bad
Reichenhall. Die Aussicht auf Erfolg ist jedoch gering. Nur etwa
sieben Prozent schaffen es im Alleingang. Nikotinpflaster und
-kaugummi oder bestimmte Antidepressiva, etwa mit dem Wirkstoff
Bupropion erhöhen die Erfolgschancen. Sie liegen jedoch bei
höchstens 20 Prozent – und meist nur dann, wenn der
ausstiegswillige Raucher zusätzlich eine Verhaltenstherapie oder
ein Coaching in Anspruch nimmt.
Eine neue Nichtraucherpille, die vor einem Jahr in den USA und im
Herbst in vielen europäischen Ländern zugelassen wurde, kommt zum
1. März in Deutschland auf den Markt. Sie basiert auf dem Wirkstoff
Vareniclin. Die Substanz ähnelt einem Alkaloid des Goldregens und
soll den Ausstieg aus der Sucht erleichtern. „Vareniclin
ist kein Wundermittel, aber ein Wirkstoff, der im Rahmen eines
ganzheitlichen Behandlungskonzepts eine reelle Chance zum
Nikotinausstieg bietet“, sagt Kai Fidorra, Arzt für
innere Medizin/Kardiologie mit der Zusatzbezeichnung Suchtmedizin.
Er ist medizinischer Leiter des Therapiegebiets
Herz-Kreislauf/Diabetes des Pharmaunternehmens Pfizer, das
Vareniclin entwickelt hat.
Keine Entzugserscheinungen
Das neue Medikament wirkt ausschließlich an den Nikotinrezeptoren
im Gehirn. Der Wirkstoff dockt dort an, dämpft dadurch das
Verlangen nach Nikotin und mildert Entzugserscheinungen. Weil die
Rezeptoren für das Nervengift besetzt sind, bringt auch die
„Rückfall“-Zigarette keinen Kick –
jedenfalls nicht, solange man die Tabletten einnimmt.
„Vareniclin enthält jedoch kein Nikotin“,
betont Kai Fidorra. Unter seinem Einfluss schüttet der Körper weit
weniger Dopamin aus als unter Nikotin – gerade so viel,
dass keine Entzugserscheinungen auftreten. So hat der Körper die
Möglichkeit, sich an die Nikotinabstinenz zu gewöhnen und die Sucht
abzulegen. Kennzeichnend für Sucht ist bekanntlich, dass eine
zugeführte Substanz den Dopaminpegel so hoch ansteigen lässt, wie
es die körpereigenen Regulationsmechanismen niemals vermögen. Dabei
verlernt der Körper, selber die Glücksstoffe zu bilden. Hier soll
der Wirkstoff ausgleichend wirken und nach einer zeitlich
begrenzten Einnahme die Chance für Abstinenz deutlich erhöhen.
44 Prozent der Raucher erfolgreich
Seine Wirkung hat Vareniclin in mehreren Studien bewiesen. Sechs
Testreihen mit knapp 5000 Rauchern untersuchten, wie wirkungsvoll
Vareniclin und das Antidepressivum Bupropion den Nikotinausstieg
unterstützen, Kontrollgruppen erhielten Scheinmedikamente. Alle
Teilnehmer bekamen Infomaterial über den Nikotinausstieg und
stellten sich zehnmal in regelmäßigem Abstand einem Arzt vor. Kate
Cahill von der Oxford University wertete die Daten aus. Demnach
verdreifacht der neue Wirkstoff die Chance auf dauerhaftes
Nichtrauchen, während das Antidepressivum Bupropion die Chance
lediglich verdoppelt. Der Erfolgsquotient unter Placebo lag im
einstelligen Bereich. Bei Studienende nach drei Monaten hatten es
44 Prozent der Raucher mit Vareniclin geschafft, nach einem Jahr
kamen noch 23 Prozent ohne Zigaretten aus.
Auf Rezept, aber nicht kostenfrei
Normalerweise dauert die Therapie zwölf Wochen. Die häufigste
Nebenwirkung mit etwa 30 Prozent ist Übelkeit, die sich im Laufe
der Einnahmedauer verringern kann. Das Medikament gibt es nur auf
Rezept, die Kosten – pro Tag knapp vier Euro –
ersetzen die Kassen nicht. „Das hat der Gesetzgeber so
definiert“, erklärt Udo Barske, Sprecher des
AOK-Bundesverbandes. Im Sozialgesetzbuch steht, dass Arzneimittel,
die zur Erhöhung der Lebensqualität beitragen, nicht erstattet
werden. Dazu gehören Potenz- und Haarwuchsmittel, aber auch
Medikamente zur Raucherentwöhnung. Sicher müsse man hier
unterscheiden zwischen Eigenverantwortung und Verantwortung der
Allgemeinheit, so Udo Barske. Wer als Raucher täglich vier Euro und
mehr für Zigaretten ausgebe, könne diese Summe auch für die
Entwöhnung investieren. „Warum sollte das die
Solidargemeinschaft zahlen?“, fragt der
Krankenkassen-Sprecher.
Eigenverantwortung Schlüssel zum Erfolg
Dieser Meinung ist auch Lungenspezialist Wolfgang Petro. Wille,
Motivation und Eigenverantwortung seien der Schlüssel zum Erfolg,
dessen Chancen Medikamente erhöhen können. „Weil
Vareniclin als pharmakologische Unterstützung beim Nikotinentzug in
den Studien bis jetzt die besten Ergebnisse gebracht hat, erwarte
ich von diesem Medikament einen gewissen Durchbruch in der
Raucherentwöhnung“, stellt er fest, gibt jedoch zu
bedenken, dass die Euphorie im Fall von Bupropion anfangs auch groß
war. Später nahm sie stark ab. In Wechselwirkung mit Alkohol wurde
die Substanz mit Herzproblemen in Zusammenhang gebracht."
(http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/nichtrauchen/news/nichtraucherpille_nid_45381.html)
Sollte einiges an Kohle in Pfizers Kasse spülen.