Montag, 11. Februar 2008
Kostenlose Verkäufe für Privatkunden
Charmeoffensive bei Ebay
Von Markus Mechnich
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Gute Nachrichten für Schnäppchenjäger und Hobby-Verkäufer: Das
Handeln bei Ebay wird für sie künftig deutlich günstiger. Die
Gebühren für das Einstellen von Artikeln für Privatverkäufer
entfallen ab dem 20. Februar. Betroffen davon sind allerdings nur
Auktionen zum Startpreis von einem Euro. Ein Galeriebild ist
inklusive, die sonstigen Zusatzfeatures müssen, wie gehabt, extra
bezahlt werden. Hinzu kommt nach einer erfolgreichen Auktion noch
die Provision, die sich stärker als bisher nach dem Verkaufspreis
richten soll. Für gewerbliche Kunden dürften die Gebühren deutlich
teurer werden. Genaueres dazu ließ sich Ebay aber noch nicht
entlocken.
Grundlegend verändert hat der Auktionsanbieter auch das
Bewertungssystem der Plattform. Künftig werden Händler bei Ebay
keine Möglichkeit mehr haben, ihre Kunden negativ zu bewerten.
Damit soll den so genannten Rache-Bewertungen von Verkäufern
künftig ein Riegel vorgeschoben werden. Ein Phänomen, das zunehmend
überhand nahm. Verkäufer mit einer großen Anzahl an Artikeln und
entsprechenden Verkäufen belegten schwierige Kunden, trotz Zahlung
des Artikels, mit einer negativen Bewertung. Das kann der Kunden
natürlich ebenso tun. Der Unterschied liegt darin, dass ein
Verkäufer mit einer Zahl von 10.000 oder mehr Bewertungen einen
negativen Kommentar mit Leichtigkeit verkraften kann. Für einen
Kunden, der vielleicht gerade mal auf 100 Bewertungen kommt, fällt
ein negatives Votum ungleich schwerer ins Gewicht. Daher haben sich
viele Kunden in letzter Zeit nicht mehr getraut, schlechte
Verkäufer auch mit einer negativen Bewertung zu belegen. Ein
Ergebnis, das das ganze Bewertungssystem zu einem gewissen Grad
belanglos werden ließ.
Gewerbliche sind empört
Zu der Entscheidung gab es bereits kurz nach Bekanntgabe heftige
Reaktionen seitens der großen Verkäufer, der so genannten
Powerseller. Immerhin 12.000 davon gibt es in Deutschland, 64.000
Menschen bestreiten einen maßgeblichen Teil ihres Lebensunterhalts
mit Ebay-Auktionen. Diese sehen sich in ihren Möglichkeiten stark
eingeschränkt. "Ein Bewertungssystem, bei dem nur noch die Kunden
bewerten dürfen, hat irgendwie seinen Sinn verloren", ist von einem
Powerseller aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik zu hören.
In den Foren für Ebay-Verkäufer sind die Kommentare teilweise noch
derber. Von einem "Schuss in den Ofen" ist da zu lesen und zu
Boykotten wird aufgerufen.
"Das Ebay-Bewertungssystem ist eine sehr emotionale Angelegenheit",
erklärt Patrick Boos, Geschäftsführer Auktion bei Ebay Deutschland,
den Schritt. "Viele Käufer fühlten sich ungerecht behandelt. Da
mussten wir was tun." Den Gegenwind aus dem Verkäuferlager sieht
Boos gelassen. Von "guten" Verkäufern mit einwandfreiem Leumund
würden kaum Beschwerden kommen. Lediglich die Ebay-Händler mit
zweifelhaftem Verkaufsgebahren liefen natürlich Sturm.
Grenzen des Geschäftsmodells
Die großen Veränderungen im Bewertungssystem bei Ebay werfen auch
ein Licht auf ein grundsätzliches Problem. Das Geschäftsmodell des
Auktionshauses ist an seine Grenzen gelangt. Wachstum ist auf Basis
der Auktionen nur noch schwer erreichbar. Vor allem im Bereich der
gewerblichen Verkäufer konnte Ebay im letzten Jahr kaum noch
zulegen. Die Umsätze stagnierten und die Zahl der Versteigerungen
war sogar leicht rückläufig. Wachsende Konkurrenz tut ein Übriges
zu Alarmstimmung in Dreilinden bei Berlin. Vor allem Amazon hat,
neben anderen Wettbewerbern, Ebay kräftig Privatkunden geraubt.
Dort werden Gebühren für Privatverkäufe nämlich schon lange nur
dann fällig, wenn ein Artikel wirklich verkauft wird. Zulegen kann
Ebay langfristig nur noch im mittlerweile umkämpften
Privatkundensegment. Daher die neue Kundenfreundlichkeit.
Flankiert werden die Maßnahmen von weiteren Service-Angeboten. Der
Schutz von Käufern durch PayPal wurde von 500 auf 1000 Euro
angehoben. Treuen Käufern wird künftig eine Ebay-Kreditkarte
angeboten. Damit lässt sich bis zu zwei Prozent bei Einkäufen
sparen. Daneben hat die Karte ganz normale Kreditkarten-Funktionen,
zu haben für eine Gebühr von 24,90 Euro im Jahr. Verändert wurde
auch die Standardsuche. Künftig wird nicht mehr nach der
verbleibenden Zeit sortiert, sondern nach den "beliebtesten"
Artikeln. Ein Punkt, der Powersellern helfen soll, direkter ihre
Kunden anzusprechen.
http://www.n-tv.de/917310.html