Aixtron hat das Schlimmste überstanden
von Tobias Bürger
Der erfolgsverwöhnte Spezialmaschinenbauer aus Aachen hat im
zweiten Quartal eine Schlappe hinnehmen müssen. Fast alle
Kennzahlen fielen schwächer aus als im Auftaktquartal. Kein
Problem, meint der Vorstand – und bestätigt die hohen Ziele.
Im Zeitraum von April bis Juni summierte sich der Umsatz auf 175,6
Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Quartal ein Rückgang von 15
Prozent. Vor dem Hintergrund der gesunkenen Erlöse klappte das
Betriebsergebnis (Ebit) ungemütlich stark zusammen. Vor Zinsen und
Steuern verdiente Aixtron nur noch 54,3 Millionen Euro. Das Minus
gegenüber dem Auftaktquartal 28 Prozent.
Zu allem Übel ist auch die Gewinnmarge abgeschmolzen. Während der
einst renditeträchtige Maschinenbauer im Auftaktquartal eine
hervorragende Ebit-Marge von 36 Prozent präsentieren konnte, lag
die Rendite im zweiten Turnus nur noch bei 31 Prozent. Für Aixtron
kein Ruhmesblatt.
Unter dem Strich präsentiert das TecDax-Mitglied im
Quartalsvergleich einen Gewinneinbruch von 0,51 auf 0,38 Euro pro
Aktie.
Vergleicht man die frischen Resultate allerdings mit den Werten von
vor zwölf Monaten ergibt sich ein gänzlich anderes, wesentlich
besseres Bild: Umsatzwachstum zehn Prozent auf 381 Millionen Euro.
Nettogewinn: Plus 22 Prozent auf 90 Cent je Aktie.
Ein Quartal zum Vergessen
Vorstandschef Paul Hyland würde das zweite Quartal am liebsten
schnell zu den Akten legen. Aber das wird ihm nicht viel helfen.
Denn das Unternehmen kämpft derzeit mit einem Mix ungünstiger
Belastungsfaktoren, die wohl auch noch im dritten Quartal nicht aus
der Welt sind: "Trotz einiger negativer Währungs- und Mix-Effekte
im zweiten Quartal können wir auf ein sehr erfolgreiches Quartal
zurückblicken", so Hyland. Der Firmenlenker geht davon aus, dass
das "unruhige Fahrwasser, das wir im zweiten Quartal vorhergesagt
hatten, wahrscheinlich auch im dritten Quartal anhalten wird".
Auftragsboom verspricht florierende Geschäfte
Wie Aixtron berichtet, flatterten zwischen April und Juni
Bestellungen im Umfang von 222,2 Millionen Euro ins Haus. Das waren
zwölf Millionen mehr als im ersten Quartal dieses Jahres.
Nachdem das Wertpapier seit dem Jahreswechsel schwere Verluste von
bis zu 50 Prozent hinnehmen musste, rutscht der Titel heute weiter
ab und findet sich mit einem Minus von rund sieben Prozent am Ende
des TecDax wieder.
Aktie im Schlussverkauf
Nach den Kursverlusten der vergangenen Monate wird das Unternehmen
derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von lediglich neun
bewertet. Grundlage dafür sind Gewinnschätzungen der Analysten, die
für 2011 ein Ergebnis je Aktie von durchschnittlich 2,07 Euro
ausgegeben haben. Die Experten erwarten bis zum Jahreswechsel
Umsätze von insgesamt 843 Millionen Euro bei einer operativen
Gewinnmarge von 35 Prozent.
Aixtron selbst rechnet damit, dass der Umsatz am Jahresende
zwischen 800 und 900 Millionen Euro liegt. Daneben solle eine
operative Marge von "circa 35 Prozent" eingefahren werden.
Selbst wenn der Unternehmensgewinn im kommenden Jahr kaum noch
wächst - das jedenfalls meinen Analysten - dürfte die Aktie das
Schlimmste überstanden haben.
Quelle:
http://www.boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_549788