Hallöchen,
nachdem ich lange mit mir gekämpft habe OB ich einen Thread
aufmache, komme ich nun aufgrund vieler Fragen und zwangsläufig von
mir immer selbigen Antworten, zu dem Entschluss, nocheinmal alles
hier zu sammeln und zu posten.
Um es vorwegzunehmen: hier handelt es sich um eine
Vergangenheitsbetrachtung und KEINE Empfehlungen für zukünftige
Aktionen an den Märkten !
Zuerst eine kleine Abgrenzung der Thematik zu verwandten
Gebieten:
Wie Ihr wisst gibt es eine Menge Wege sein Geld an der Börse zu
vermehren (oder zu verlieren). Auf der einen Seite die
konservativen Anleger, die ihr Geld lieber in Aktienfonds anlegen
oder den "normalen" Anleger der die langfristige Aktienanlage
bevorzugt. Dann gibt es noch diejenigen, die vom täglichen Auf- und
Ab an den Börsen profitieren, die Daytrader. Nachfolgend sollen die
verschiedenen Daytrading-Stile kurz vorgestellt werden.
#Daytrading
Unter Daytrading versteht man das kurzzeitige (Intraday) Investment
in einen Basiswert, was bedeutet das idR. alle offenen Positionen
innerhalb eines Handelstages glattgestellt werden.
Dabei profitieren Daytrader von der Volatilität des Marktes.
#Scalping
Scalping ist wohl die anspruchvollste Art die Volatilität des
Marktes für sich zu nutzen.
Sogenannte Scalper handeln ihre Positionen in sehr kurzen
Zeiträumen, d.h. das nach dem eröffnen einer Position diese oftmals
schon nach wenigen Sekunden wieder geschlossen wird.
Scalper versuchen dabei die Spanne zwischen Bid und Ask optimal
auszunutzen oder durch eine entsprechend grosse Position bereits
bei geringsten Kursgewinnen die Position wieder zu verkaufen.
Diese Art des Daytradings verlangt viel Erfahrung des Traders und
eine entsprechende Hard- und Software, wie eine schnelle
Internetverbindung, eine zuverlässige Kursdatenversorgung und nicht
zuletzt einen zuverlässigen Broker.
#Swingtrading
Beim Swingtrading hält der Trader anders als beim Scalping die
Positionen einige Minuten bis hin zu einigen Stunden bevor er sie
glattstellt.
Swingtrading ist sicherlich die günstigere alternative ins
Daytrainggeschäft einzusteigen, da die psyschiche Anforderung nicht
ganz so gewaltig ist wie beim scalpen.
Aber auch hier ist eine entsprechend ausführliche Vorbereitung
unersätzlich.
#Positionstrading
Anders als Scalper und Swingtrader halten Positiontrader ihre
Position oft für einige Tage bevor sie glattgestellt wird.
Diese Art des Tradings hat den Vorteil, das man sie auch mit einer
geringeren Kapitaldecke nutzen kann. Ausserdem sind hier die
Ansprüche an Hard- und Software geringer als z.B. beim
Scalping.
Was genau ist Scalp-Trading nun ?
Joe Ross, etablierter Traderguru (
www.ross-trading.de ) sagt dazu: "Wenn Sie den Markt
scalpen, dann streben Sie nach sehr kurzfristigen Zielen. Sie
achten entweder auf einen technischen Einstiegspunkt oder eine
andere Art von Charteinstieg. Wenn es dann zu einer plötzlichen
Rally oder einem Kurseinbruch in dem Markt kommt, d.h. der Markt
bricht aus der letzten Konsolidierung aus, dann versuchen Sie 50
oder 80 Punkte mitzunehmen und steigen dann wieder aus. Diese Art
von Trading habe ich in den letzten 16 Jahren viel betrieben."
Scalpen ist also kurzfristiges Trading mit rasanten
Gewinnmöglichkeiten, aber auch hohen Gefahren.
Ich persönlich bin kein Trendtrader bisher, und wer mich bei w.o.
kennt weiss, das ich auch seltenst mal einen solchen fähig bin zu
traden. Ich scalpe daher viel lieber, d.h. Ausnutzung von geringen
Bewegungen mit rentablen Stückzahlen die nach 1 Daxpunkt
meinetwegen schon Gewinn erzeugen. Wenn daraus natürlich ein Trend
entsteht bin ich nach ein paar Punkten in der Gewinnzone auch
bereit einen Stopp zu setzen und strickt nachzuziehen. Dazu braucht
man natürlich RealtimeKurse des Handelsinstrumentes und immer
funktionierende Leitung zum Markt (DSL, Telefon, Fax) sowie
RealTimeFutures.
Wie kam ich also dazu ?
Leider wusste ich noch nach einigen Jahren des Tradens nicht so
genau WAS meine Stärken sind und was nicht, da ich anscheinend
mehrere Tradingstile miteinander vermischte (Position, Scalping,
Swing) auf einem Depot.
Lösung sollte (und brachte) die Idee vor 2 Jahren, jeden
Tradingstil autark auf einem separatem Konto/Depot für sich zu
testen, mit Startkapital 2000 Euro jeweils.
Dabei sind einige natürlich "im Nirvana" und andere erwisesn sich
als zu meiner Psyche und Anlageverhalten äusserst passend. Soetwas
erstmal herauszufiltern halte ich für einen sehr wichtigen Schritt
!
Was aus dem Depot "Scalpen" geworden ist...lest weiter :-)
WIE ging ich beim Scalpen vor ?
Eingangs schon erwähnt funktionierte dies am besten unter der
Prämisse schneller, kurzer Marktbewegungen. Dazu bedarf es neben
RealTimeFutureKursen auch eine ständige Handelbarkeit der Produkte.
Leider ist letzteres aktuell nicht mehr so gegeben, daher auch das
Wort "Vergangenheitsbetrachtung" am Anfang dieses Threads.
Am einfachsten zu verdeutlichen ist dies sicherlich an einem
Beispiel:
EIn Daxwavecall Basis 3700 wird bei fdax 3850 getaxt 1,49-1,50 wenn
ich Kurs vom OS-Broker anfordere. Während der 5sec. Zeitfenster bei
comdirect, in denen ich überlegen kann ob ich den Handel
abschliesse, bewegt sich der fdax auf 3852 und ich drücke KAUFEN,
habe also die Zerties für 1,50 noch erhalten und stelle sofort
Verkaufsorderanfrage: 1,51-1,52 kommt logischerweise. Fällt der
fdax in den nächsten 5sec des Preisangebotes unter 3852, verkaufe
ich für 1,51 sofort und habe einen minimalen BruttoGewinn. Wenn er
jedoch steigt, dann lasse ich die 5sec Zeitfenster verstreichen und
fordere gleich neue quote an. Steigt es mehr als 5 Punkte lehne ich
mich zurück oder stelle Stopploss-Order nach Stuttgart um
eventuelle Trends, die daraus entstehen mitzunehmen.
Am besten funktionierte (!) soetwas bei Meldung von
Wirtschaftsdaten und natürlich an charttechnischen
Unterstützungs-/Widerstandszonen.
Bedingung dabei: hohe Stückzahlen um mit 1cent im worst case schon
Gewinn zu machen, ständige Kursanfragen (TAN-Liste ungeeignet) UND
handelbare Kurse vom Emi natürlich !
Ohne eigentlich von Börse oder Wirtschaft viel Ahnung haben zu
müssen kann man so, nur durch schnelle Finger und Aufmerksamkeit,
doch etwas verdienen. Hierzu auch ein paar Screenshoots, in denen
man das kurze Zeitfenster gut erkennen kann:
Tradingwerkzeuge sind dabei natürlich unabdingbar. Ich nutze ganz
einfach ein IB-Kursabo für 8 Euro/Monat von
http://www.interactivebrokers.de um FutureKurse zu
beziehen und zeitgleich reagieren zu können.
Warum unabdingbar

Der Xetradax (also der StinckNormaleDAX überall in Zeitungen und TV
zu lesen) wird nur alle 15 sec berechnet als Ergebnis der
Veränderung+Gewichtung der 30 Werte die darin enthalten sind. Der
Daxfuture hingegen wird nach Angebot und Nachfrage gepreist, d.h.
bei viel Volumen (Wirtschaftsdaten) mehrere Kurse innerhalb einer
Sekunde sogar !!!
Wenn es zu einer schnellen Bewegung an der Börse kommt, kann man
also am Daxfuture SOFORT sehen wohin der Markt läuft und am Dax
selbst es erst max. 15 sec später.
Optionsscheine/Zertifikate werden meist nach dem Daxfuture getaxt
und so ist es vor allem für Daytrader und/oder kurzen
Anlagehorizont unabdingbar sich diesen realtime zu "besorgen".
Für Scalping an Chartmarken/Pivots/Resists oder knockout-Schwellen,
wo es häufig zu einem Abprall und/oder schnellen Bewegungen kommt,
empfiehlt sich gleich die Schnittstellenanbindung (da Kurse von IB
eh abonniert) zur Software von
http://www.scalpen.de für
einmalig 29,90 Euro. Da hat man alle Indikatoren und muss nicht
jeden Monat zahlen wie bei TaiPan oder b.i.s. oder Omnitrader.
(Fixe Kosten sind schliesslich auch Kosten !) Das Programm wandelt
die Kurse als Zahlen in Charts um sozusagen, Manko dabei ist der
(noch) fehlende backfill. Dies bietet dann SierraChart an mit dem
SCMagic...aber dies nur am Rande.
Wie verlief das Scalpen-Experiment ?
Anfangs gab es erstmal einen Dämpfer, da es sehr schwer ist mit
2000 Euro überhaupt Gewinne zu machen nach Gebührenabzug. Sicher
aus anderen Threads bekannt ist die erhöhte Risikobereitschaft,
welche man mitbringen muss (enge Scheine vor Barrieren kaufen) um
nicht gleich pleite zu sein (dazu gibts genug Threads). Dies
überstand ich aber ganz gut und scalpte mich in 170 Tagen auf
+1.000% Performance herauf (entsprechen 20.000 Euro DepotVolumen).
Danach kamen mir Aktionen zugute, in denen der Broker keine
Provision verlangte, was bei durchschnittlich 20 Trades am Tag
alleine in der kleinsten Orderklasse 200 Euro Zusatzgewinn (oder
weniger Verlust, je nach Ansichtsweise) täglich (!) bis zur
grössten Orderklasse 1200 Euro täglich (!) ausmachte.
Doch Hochmut kommt vor dem Fall und sobald ich einige Tage mit
gutem Gewinn abschloss, folgte unweigerlich ein Trade, welcher
vieles wieder zerstörte, ABER mich auch auf den Boden
zurückbrachte. Dies kennt wohl jeder und ist auch nötig gewesen
denke ich.
"Schuld" war dabei meist das NichteingestehenWollen einer
Fehlentschidung und dann nicht sofortiges liquidieren der
Verlustposition. Dabei kam es (logischerweise) zum Anstieg des
Hebels und horrenden MinusErfolgen.
Nungut, ich blieb meinem Prinzip treu und machte weiter, die
Stückzahlen stiegen mit dem Adrenalin :-)
Hier noch ein paar Screenshoots:
Das Ganze ist natürlich sehr belastend für die Psyche, vor allem
wenn es gegen einen läuft und/oder man schwer rauskommt. So musste
ich die letzten Monate sehr oft Positionen splitten im Verkauf oder
durfte gegen AufgeldSpielchen des Emis (machtlos) ankämpfen.
Zudem kam folgender Aspekt hinzu; Emis sind natürlich nicht dämlich
und merken sofort wo Ihre Schwachstellen liegen. Diese werden
versucht zu minimieren, was ich sehr deutlich spürte. Zuerst wurde
fast prinzipiell kurz vor Wirtschaftsdaten (14.29Uhr, 15.59Uhr) der
komplette Handel ausgesetzt, bis zu 5 Minuten danach ! Anfragen
telefonischer Art und Mails verwiesen immer auf zufällige
technische Probleme zu dieser Zeit, bohrte man tiefer in die
Materie wurde sogar MailKontakt ganz eingestellt. Man merkt also
schnell was man wert ist als Kunde der a-der Bank Geld bringt oder
b-der Bank Geld nimmt.
Als nächstes wurde die SystemStückzahl soweit heruntergesetzt, das
es sich nicht lohnte für 1cent im Markt zu sein. Vor allem meine
"LieblingsEmis" SalOp und CoBa haben seit geraumer Zeit kein
Interesse mehr nach 20Uhr mit Stücken im 5stelligen Bereich zu
handeln, oder schalten das System auf manuell um, was bis zu
2Minuten pro Preisanfrage dauert dann.
Es kommt sogar soweit, das man vielleicht 50.000 Stück kaufen darf
ohne Probleme, aber im Verkauf nie mehr als 5.000 wieder abgenommen
bekommt, was bedeutet in der Konsequenz das Volumen auf 10 Orders
aufsplitten zu müssen ! Selbst in Stuttgart (Euwax) vergewissert
sich der Makler oftmals nocheinmal telefonisch bei der Bank ob er
das Geschäft tätigen darf, eh er reagiert, was MICH letztendlich
aber bis zu 2 Minuten Verzögerung kosten kann und der Kurs bis
dahin schon weggelaufen ist.
Davon kann ich viele Geschichten erzählen...und letztendlich haben
die Emis das Spiel gewonnen, denn ich kann mein Verhalten zu
Wirtschaftszahlen und auch sonst intraday SO nichtmehr in bare
Münze umsetzen. Vielleicht ist auch dies eingetreten, was mir IT,
Plus, Antepop und diverse andere hier vor 2 Jahren prophezeit
haben; sobald ich anfange nur ein wenig darüber zu posten, und sei
es nur ein Screenshoot mit Stückzahl, werden die Emis auch
aufmerksam und der Ast auf dem ich turne dünner und dünner bis er
bricht. Vielleicht ist es aber auch der Lauf der Zeit, immer nach
neuen Chancen/Vorgehensweisen zu suchen und sich nie auf eins zu
versteifen, was letztendlich ja zu Innovation, Selektion und
Fortschritt führt :-)
Auf jeden Fall ziehe ich nun daraus meine Konsequenzen;
Das Experiment ist beendet !
Nach 441 Tradingtagen und +10.000% Performance werde ich mich auf
neue Ansätze konzentrieren (müssen).
Mitverfolgen konnten Kollegen und Freunde das Ganze bereits alle
paar Tage aktualisiert auf einer eigenen Seite:
http://www.geocities.com/bernecker1977/
welche nun auch geschlossen wurde.
Vielleicht dazu noch das PerformanceBildchen hier, auf das ich
nicht zu unrecht stolz sein darf.
Es war ein sehr lehrreicher Abschnitt und ich möchte nicht an
dieser Stelle verpassen, mich bei allen zu bedanken, die mich in
dieser Zeit begleitet haben, aktiv durch Erfahrungsaustausch sowie
auch passiv durch Fragen.
BITTE nutzt diesen Thread weiter wenn es um diese Thematik geht,
dafür soll er dienen, und damit ich nicht von Boardmails oder
ICQ-Anfragen überschüttet werde, was für mich eingangs geschrieben
zu schriflichen Wiederholungen führt.
Nocheinmal als letzten Satz: die hier dargelegte Vorgehensweise
funktioniert SO nichtmehr und beschreibt nur einen Tradingstil aus
der Vergangenheit ! Vielleicht schreibe ich einmal auf einer
Homepage weiter
www.bernecker1977.de klingt gut
Danke für Eure Aufmerksamkeit,
Gruß Bernie
(der nun Swingtrader wird oder so)