14.09.07, 14:11
Aktienrückkäufe
Mehr Profit dank Kurspflege
Immer mehr Konzerne pumpen Milliarden in den Kauf eigener Aktien –
und lassen die Kurse steigen. Wie Anleger profitieren.
Von den FOCUS-MONEY-Redakteuren Peter Bloed und Andreas
Haslauer
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AGs nehmen für Aktienrückkäufe viel Geld in die Hand
E.on, BASF, Nestlé – viele Konzerne verkündeten in den vergangenen
Wochen den Kauf eigener Aktien in Milliardenhöhe. Über Sinn und
Unsinn dieser Programme lässt sich streiten. Selten aber über den
Effekt: Mit der Ankündigung steigen die Papiere meist deutlich im
Wert – und entwickeln sich nachhaltig besser als der Gesamtmarkt.
Experten rechnen damit, dass die Kurspflege-Party weitergeht:
„Viele Konzerne sitzen auf hohen Cash-Beständen“, sagt Howard
Silverblatt von der Rating-Agentur Standard & Poor´s.
Alternative Investments sind rar.
Konzerne teilen daher den Erfolg mit ihren Aktionären. 28 der 30
Dax-Unternehmen ließen sich auf der Hauptversammlung in diesem Jahr
den Kauf eigener Aktien genehmigen. E.on investiert sieben
Milliarden Euro. Die Deutsche Bank nimmt fünf Milliarden, BASF 3,5
Milliarden Euro in die Hand. Nestlé steckt bis 2010 insgesamt 25
Milliarden Schweizer Franken in den Rückkauf. Microsoft will gar 70
Milliarden Dollar investieren.
Prominentester Neuzugang hierzulande: DaimlerChrysler. Der
Autokonzern kauft für 7,5 Milliarden Euro Aktien zurück. Das
entspricht mehr als zehn Prozent des Börsenwerts. Nach Abschluss
des Programms verfügen die Schwaben immer noch über bis zu acht
Milliarden Euro Nettoliquidität. Die Aktie hat sich seit der
Bekanntgabe des Rückkaufprogramms bereits gut entwickelt. Das Ende
der Cash-Fantasie ist damit längst nicht erreicht.
Nach dem Rückkauf steigen die Kurse
Viele Konzerne häuften in den vergangenen Monaten enorme
Barreserven an. Das starke Wirtschaftswachstum bescherte
Rekordgewinne – ein Luxusproblem. Zu viel Geld auf der hohen Kante
weckt Begehrlichkeiten bei Finanzinvestoren — Unternehmen werden
zwangsläufig zu Übernahmekandidaten. Andererseits muss das Kapital
adäquat verzinst werden.
Eine Möglichkeit sind Investitionen in die Expansion – etwa durch
Übernahmen. Bevor ein Konzern aber die Mittel Hals über Kopf in
eine Akquisition steckt, die keinen Mehrwert liefert, ist eine
Ausschüttung an die Aktionäre sinnvoll. Allerdings müssen Anleger
eine Sonderdividende versteuern. Einen Aktienrückkauf jedoch nicht.
Denn das Geld bleibt im Unternehmen. „Die Konzerne signalisieren
damit Vertrauen in ihr Geschäft“, sagt Gunnar Friede von der
Fondsgesellschaft DWS. Außerdem ist das Kapital mit Aussicht auf
Rendite angelegt. Nach einer Berechnung der Investmentbank Morgan
Stanley stiegen die Papiere der Rückkäufer im ersten Jahr nach der
Ankündigung 13 Prozent stärker als der jeweilige
Vergleichsindex.
Was tun mit den eingezogenen Aktien?
Unternehmen wie DaimlerChrysler behalten die Aktien – um sie später
als Akquisitionswährung oder für Optionsprogramme einzusetzen.
BASF, Carrefour oder die Münchener Rück ziehen die Papiere dagegen
ein – jagen sie sozusagen durch den Reißwolf. Nach einer Senkung
des Grundkapitals sind weniger Aktien im Umlauf. Das
erwirtschaftete Ergebnis muss durch weniger Anteilscheine geteilt
werden – damit steigt der Gewinn je Aktie. Und das teils deutlich.
Bis Ende August investierte E.on-Chef Wulf Bernotat bereits 1,5
Milliarden Euro in das Rückkaufprogramm – zu einem
Durchschnittskurs von 119,11 Euro sammelte er 12,7 Millionen Aktien
ein. Zu diesen Kursen kann der Energiekonzern insgesamt knapp 60
Millionen Anteilscheine kaufen, die Hälfte davon wohl im kommenden
Jahr. Damit sinkt die Zahl der E.on-Aktien auf 600 Millionen Stück.
Für 2008 rechnen Analysten mit einem Nettogewinn von 5,37
Milliarden Euro. Je Aktie ergibt das nach heutigem Stand 8,84 Euro.
Tatsächlich wird der Konzern aber 9,28 Euro verdienen, da sich die
Zahl der Papiere verringert. Ein Plus von fünf Prozent. Beim
Chemiekonzern BASF wird sich der Gewinn je Aktie auf diese Weise
2007 und 2008 jeweils um mehr als drei Prozent erhöhen. Bei der
Münchener Rück steigt das Ergebnis bis 2010 gar um zehn Prozent,
unter anderem durch den Rückkauf.
Gewinner & Verlierer an der Hightech-BörseVorreiter des Modells
„Aktienrückkauf“ ist Amerika.
Die Unternehmen jenseits des Atlantiks spielen diesen Trumpf
entsprechend aus. Bei den 500 größten Unternehmen des Landes stammt
in diesem Jahr allein ein Viertel des Gewinns je Aktie aus
Rückkäufen, schätzt Standard & Poor´s.
Eine milliardenschwere Kurspflege ist jedoch nicht immer nur ein
Segen, sondern manchmal auch ein Fluch. „Rückkäufe beflügeln die
Kurse, können aber auch manipulieren“, sagt Walter Bayer, Professor
an der Universität Jena. Bestes Beispiel: ExxonMobil. Der
Nettogewinn des größten Ölkonzerns sank im zweiten Quartal um ein
Prozent. Je Aktie stieg er jedoch um 6,4 Prozent – das Unternehmen
zog zuletzt Papiere im Wert von Milliarden ein. Anleger sollten
also nicht zwangsläufig Rückkaufprogramme gutheißen – gar ihre
Anlageentscheidung darin begründen. „Schwache Unternehmen nutzen
das Mittel gern, um ihren Kurs zu stützen“, sagt Tea Szabo,
Analystin der Fonds-Rating-Agentur Morningstar.
Es geht auch ohne
In der gegenwärtigen Wirtschaftslage sind die Kurspflegemittel
allenthalben spannend für Anleger — schließlich schwimmen die
meisten Unternehmen in Geld. Gleichwohl muss nicht jeder
erfolgreiche Konzern diese Karte ausspielen. Continental-Chef
Manfred Wennemer wehrt sich vehement gegen Aktienrückkaufprogramme
— obwohl der Reifenhersteller Milliarden hortet: „Wir wollen
wachsen, nicht schrumpfen.“
Welche Unternehmen die Kurse pflegen
Das Gros der Dax-Konzerne greift zu Aktienrückkäufen, um die Kurse
zu stabilisieren oder steigen zu lassen. Aber auch andere
Unternehmen nutzen dieses Mittel zur Kurspflege:
Die Kurspfleger – von BASF bis Technotrans
http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/tid-7399/aktienru…
DaimlerChrysler – reichlich Cash im Kofferraum
DaimlerChrysler ist GeschichteScheiden tut weh, heißt es. Nicht
immer. Auf DaimlerChrysler-Aktionäre wirkt es regelrecht befreiend.
Der Autokonzern trennte sich von der US-Tochter Chrysler – und
damit vom Bremsklotz in der Bilanz. 7,5 Milliarden Euro investieren
die Schwaben bis August kommenden Jahres in den Kauf eigener
Aktien. Beim derzeitigen Kurs entspricht das gut 110 Millionen
Stück – mehr als zehn Prozent des Grundkapitals. Am Ende des
Programms hortet Daimler dann immer noch eine Nettoliquidität von
sieben bis acht Milliarden Euro, rechnen Experten vor. Da der
Konzern aber milliardenschwere Verpflichtungen für Chrysler spart,
die Mercedes Car Group zugleich an Fahrt gewinnt, wird das
Unternehmen in den kommenden Jahren deutlich höhere Überschüsse
produzieren. „Bis Ende 2009 dürften Mittel in Höhe von 25
Milliarden Euro zur Verfügung stehen“, schreibt die Deutsche Bank
in ihrer jüngsten Studie. Der Spielraum für Dividendenerhöhungen,
Investitionen und weitere Aktienrückkäufe ist also groß. Bei so
viel Treibstoff dürfte auch an der Börse die Fahrt nach oben
weitergehen. Die Deutsche Bank schraubte das Kursziel daher jüngst
auf 100 Euro hoch – gibt dem Papier damit also ein Kurspotenzial
von knapp 50 Prozent. Stoppkurs: 59 Euro.
Münchener Rück – großzügiger Versicherer
„Walking Man“ – 17 Meter hohe Skulptur vor dem Gebäude der
Münchener Rück„Wir halten unser Versprechen an die Aktionäre“, sagt
Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard. „Kapital, das wir nicht
für ertragreiches Wachstum benötigen, geben wir konsequent zurück.“
Deshalb kauft von Bomhard bis April nächsten Jahres eigene Aktien
im Wert von zwei Milliarden Euro zurück, bis 2010 sogar im Wert von
fünf Milliarden Euro. Zusammen mit den geplanten
Dividendenzahlungen schüttet von Bomhard somit ein Volumen von über
acht Milliarden Euro bis 2010 an seine Aktionäre aus.
Dass der Konzernchef dieses Ziel leicht erreichen wird, zeigt die
aktuelle Rückkaufstatistik. Bis einschließlich 9. August dieses
Jahres sammelte der Versicherungsmanager 7,5 Millionen Aktien zu
einem Durchschnittskurs von 133,20 Euro für insgesamt 999 Millionen
Euro ein, was bis dato 3,42 Prozent des Grundkapitals entspricht.
Wie hoch nun der Positiveffekt für den Gewinn je Aktie in den
nächsten Jahren ausfalle, darüber hüllt sich der bayerische
Traditionskonzern in Schweigen. Nur so viel: „Die
Münchener-Rück-Gruppe will mit ihrem Programm Changing Gear
wichtige Unternehmenskennziffern weiter verbessern. Geplant ist,
von 2007 bis einschließlich 2010 den Gewinn pro Aktie jährlich im
Schnitt um mehr als zehn Prozent zu steigern“, sagt von
Bomhard.
Nestlé – „gewünschter Effekt einer Gewinnverdichtung“
Nestlé-Hauptsitz im schweizerischen Vevey„Obwohl der Verwaltungsrat
weiterhin überzeugt ist, dass die Verbesserung des Kerngeschäfts
die beste Möglichkeit zur Wertschöpfung ist, vertritt er die
Ansicht, dass ein bedeutendes Aktienrückkaufprogramm den
Shareholder-Value weiter verbessern wird“, sagt Nestlé-Konzernchef
Peter Brabeck-Letmathe. Der Chef des Schweizer
Nahrungsmittelkonzerns (Nescafé, Maggi) verabschiedete vor wenigen
Wochen ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 15,2 Milliarden Euro
über einen Zeitraum von drei Jahren. „Diese Papiere werden
vernichtet, um den gewünschten Effekt einer Gewinnverdichtung zu
erzielen“, sagt Nestlé-Manager François-Xavier Perroud.
Ähnlich wie Münchener Rück & Co. halten sich auch die
Eidgenossen über detaillierte Angaben zum gewünschten Gewinneffekt
in den nächsten Jahren bedeckt. „Wir haben klar zu verstehen
gegeben, dass wir uns nach den Marktbedingungen richten werden – es
ist daher schwer, einen jährlichen Effekt anzugeben“, sagt Perroud.
Schweizer Analysten werden hingegen konkreter: Sie rechnen – das
Milliarden-Rückkaufprogramm mit eingerechnet – dieses Jahr mit
einem Gewinn je Aktie von 16,97 Euro. Ohne dieses erwarten sie nur
16,32 Euro.
E.on – energischer Effekt
E.on-Zentrale in DüsseldorfE.on hat viel Geld auf der hohen Kante
und kauft Aktien zurück – bis Ende kommenden Jahres im Wert von
sieben Milliarden Euro. 12,7 Millionen zum Durchschnittspreis von
119,11 Euro hat E.on bereits eingezogen. In diesem Jahr wird das
Unternehmen auf 30 Millionen Papiere kommen, erwarten Experten. Der
Rest folgt im kommenden Jahr. Damit sinkt die Gesamtzahl der Aktien
im kommenden Jahr auf rund 600 Millionen. Erwirtschaftete das
Unternehmen 2008 das erwartete Ergebnis von 5,37 Milliarden Euro,
erhöht sich durch das Rückkaufprogramm der Gewinn je Aktie um fünf
Prozent. Experten loben die Korrekturen an der Bilanz. Schließlich
bleibt dem Konzern noch genug Spielraum für weitere Zukäufe auf dem
Energiemarkt, etwa in Russland.