IPO der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG: Bayerischer
Stahl-Spezialist
JOURNALISTEN Ab dem 1. Dezember soll die ehemalige Tochter der SKW
Trostberg AG im Prime Standard gehandelt werden. Für Anleger ist
das IPO attraktiv, falls am unteren Ende der Preisspanne zugeteilt
wird.
Betrifft: Aktien Deutschland Edelmetalle & Mineralien
Industrie
"They never come back", heißt es bei den Boxern, und meistens
stimmt das auch, wie Axel Schulz in seinem kläglichen Kampf gegen
Brian "The Beast" Minto eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Manchmal gibt es allerdings Ausnahmen von der Regel, zum Beispiel
an der Börse, wo ab dem 1. Dezember die Aktie der SKW
Stahl-Metallurgie Holding AG (ISIN DE000SKWM013 / WKN SKWM01) im
Geregelten Markt (Prime Standard) gehandelt werden soll.
Der Name SKW dürfte dem einen oder anderen Anleger, die schon vor
der Jahrtausendwende an der Börse aktiv war, bekannt vorkommen. Und
in der Tat, das Unternehmen war ursprünglich eine Sparte der
Degussa und der SKW Trostberg AG, die ihrerseits lange an der Börse
notiert war. Zur Eigenständigkeit kam die SKW Stahl-Metallurgie
Holding AG über die vor sechs Jahren vollzogene Fusion der
SKW-Mehrheitseigentümerin VIAG mit Veba; dabei entstand der
Strom-Gigant E.on, und 2001 verschmolzen die Unternehmen ihre
Chemietöchter SKW und Degussa-Hüls zur neuen Degussa AG.
>> AG-Status erst seit Ende Mai 2006
Seither wird der Firmenname SKW nur noch von einigen früheren
Tochtergesellschaften weiter genutzt, zu denen auch die
Metallurgie-Sparte zählt. Im Herbst 2004 veräußerte Degussa sie an
die Starnberger Beteiligungsgesellschaft Arques Industries, die
dabei von der Degussa zugleich die Beteiligung an der Jamshedpur
Injection Powder Ltd in Indien, die Affival-Gruppe sowie die SKW La
Roche de Rame S.A.S. übernahm. Bereits anderthalb Jahre später, am
26. Mai 2006, machte Arques die SKW Stahl-Metallurgie Holding GmbH
zu einer Aktiengesellschaft, um sie nun ihrerseits teilweise wieder
über die Börse weiterzuverkaufen.
Heute ist die SKW Stahl-Metallurgie Holding AG nach eigenen
Marktstudien der Weltmarktführer bei der Sekundärmetallurgie und
bei diversen chemischen Zusatzstoffen für die
Roheisenentschwefelung. Das operative Geschäft gliedert sich in die
zwei Bereiche "Fülldrähte" und "Pulver und Granulate".
>> Gefüllte Drähte für besseren Stahl
Die Fülldrähte produziert das Unternehmen über seine französische
Tochter Affival. Es handelt sich dabei um mit Spezialchemikalien
gefüllte Drähte, die dem Stahl bei der Herstellung spezielle
Eigenschaften verleihen. Die Einbringung von Fülldraht in das
flüssige Metall ist laut SKW die mit Abstand effizienteste und am
weitesten verbreitete Methode, da bei diesem Verfahren der Verlust
an Rohstoffen äußerst gering ist und somit ein hoher Wirkungsgrad
erreicht werden kann. Befüllt werden die Drähte meist mit
Calcium-Mischungen, aber auch mit Schwefel, Blei, Ferrotitan oder
Aluminium. Affival ist hier nach eigenen Angaben mit einem
Marktanteil von mehr als 30 Prozent Weltmarktführer (allerdings
ohne China).
Die Pulver und Granulate dagegen werden von der SKW
Stahl-Metallurgie GmbH geliefert. Neben Lösungen auf
Calcium-Carbid-Basis vertreibt die Gesellschaft Produkte auf der
Grundlage von Magnesium, Turbokalk und Remmos (ein mineralisches
Produkt zur Bindung von Schlacken). Einsatz finden diese Substanzen
bei der Veredelung und Entschwefelung von Roheisen, das zu
hochwertigem Stahl weiterverarbeitet wird. Auch hier ist SKW
Metallurgie nach eigenen Angaben Marktführer, was den
zentraleuropäischen Markt angeht. Über das internationale
Handelsgeschäft hinaus ist die GmbH außerdem an dem Joint Venture
Jamipol beteiligt, das Carbid-basierte Entschwefelungsgemische für
die indische Stahlindustrie herstellt.
>> Nettoergebnis von 11,5 Millionen Euro für 2007
erwartet
Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage im Stahlsektor steht die
SKW Stahl-Metallurgie Holding AG derzeit sehr gut da. Für das
vergangene Geschäftsjahr meldete der Vorstand bei einem Umsatz von
193 Millionen Euro ein Ebit von 11 Millionen Euro, und angesichts
der aktuellen Neunmonatszahlen ist zu erwarten,
dass der positive Trend sich im Jahr 2006 fortsetzt. Der Umsatz
stieg in den ersten drei Quartalen um etwa drei Prozent auf 144,2
Millionen Euro, und der operative Gewinn konnte um rund 5 Prozent
auf 9,3 Millionen Euro erhöht werden. Für 2007 wird laut SES
Research ein Umsatz von 221,7 Millionen Euro und ein Nettoergebnis
von 11,5 Millionen Euro erwartet.
Angeboten werden insgesamt bis zu 1.697.250 Aktien, von denen bis
zu 1.097.250 Stück aus einer Mitte November durchgeführten
Kapitalerhöhung stammen. Der Rest, also maximal 600.000 Aktien,
wird vom Eigentümer Arques Industries beigesteuert. Die Preisspanne
pro Aktie wurde auf 27,50 bis 32,50 Euro festgelegt, das
Emissionsvolumen wird also zwischen 52 und 62 Millionen Euro
liegen. Die exakte Summe wird erst am 29. November feststehen, wenn
die Zeichnungsfrist endet. Begleitet wird der Börsengang von der
Viscardi Securities Wertpapierhandelsbank und der Norddeutschen
Landesbank (NordLB).
>> Großteil der IPO-Einnahmen geht an Arques
Alles in allem macht die Emission einen interessanten Eindruck,
auch wenn ein erheblicher Teil des Emissionserlöse nicht an das
Unternehmen, sondern in die Kassen von Arques fließt. Sollten sich
die optimistischen Ergebnis-Prognosen bestätigen, läge das KGV auf
Basis der Zahlen für 2007 bei rund 10 – wenn man von dem
wahrscheinlichen Fall ausgeht, dass eher am unteren Ende der
Preisspanne zugeteilt wird. Damit ist das IPO zumindest nicht
überteuert. Allerdings sollte der Anleger bedenken, dass die
Stahlbranche zu den klassischen Zyklikern zählt. Sobald der
aktuelle Boom sich abkühlt, werden in diesem Segment viele Karten
wieder neu gemischt.
quelle:
http://www.yeald.de/Yeald/a/53791/article.html
im vorbörslichen handel:
29,75 - 31,00