Heute erschien in der Stuttgarter Zeitung der Bericht
"Der Finanzplan für die ICE-Trasse
birgt Risiken"
in dem man interessante Details erfährt.
Laut einem Projektdossier der Bahn zur Neubaustrecke
Wendlingen–Ulm, das der Stuttgarter Zeitung vorliegt, rechnen die
Fachleute von DB Netze nicht nur mit einer Verschiebung der
Fertigstellung der ICE-Trasse um zwei Jahre. Aus dem Papier geht
auch hervor, dass der Bund
ab 2018 noch fast 1,3 Milliarden Euro zur Finanzierung der
Neubaustrecke aufbringen muss.
Der Bund soll mit rund
1,8 Milliarden
Euro den Löwenanteil der Kosten von 2016 an bezahlen.
Das Land Baden-Württemberg übernimmt bis dahin weitere
950 Millionen Euro gemäß der Zusage
der früheren CDU-Landesregierung, die so den vorgezogenen Bau der –
im Bedarfsplan eigentlich nachrangigen – Strecke erreichte.
Auf Seite 4 des Dossiers listen die Bahn-Fachleute auf, wie sehr
die ICE-Trasse nach Ulm den ohnehin stark unterfinanzierten
Verkehrsetat des Bundes in Anspruch nehmen wird (siehe Faksimile).
Im Jahr
2016 will der Bund demnach
erstmals
102 Millionen Euro für die
Strecke zahlen. Im Jahr
2017
vervierfacht sich dieser Anteil schon auf
399
Millionen. Das wäre bereits
mehr
als ein Drittel des durchschnittlichen Neubauetats des
Bundes für alle Bahnprojekte.
Für
2018 und die Folgejahre werden
laut Dossier noch
weitere 1269 Millionen
Euro gebraucht. Das wären bei einer – noch bis März
zugesicherten – Fertigstellung Ende 2019 fast 635 Millionen Euro
pro Jahr gewesen. Bei einer – inzwischen offiziell eingeräumten –
Verspätung von einem Jahr bis Ende 2020 müsste der Bund jährlich
immer noch
423 Millionen Euro
finanzieren und damit
vier Jahre lang
einen großen Teil seines Neubauetats allein für die ICE-Strecke im
Südwesten aufwenden, mit Geld aus einem Topf, aus dem alle 16
Bundesländer ihren Anteil verlangen.
Damit ist abzusehen, dass dem Bund
entweder für andere wichtige Schienenprojekte das Geld
fehlen oder die
ICE-Strecke später
fertig werden wird, weil der Bund nicht 1,3 Milliarden
Euro in wenigen Jahren für ein einziges Projekt aufwenden kann.
Das hohe Staatsdefizit, der Spardruck und die
gesetzliche Schuldenbremse werden die Situation noch
verschärfen.