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schrieb am 16.02.01 06:31:08
Ich beschäftige mich auch seit einigen Tagen damit, mein Depot
indexbasiert aufzubauen.
Dabei war ich auf das Buch "Indexfonds und Indexzertifikate für
Einsteiger" gestossen. Nach der Lektüre bin ich auf die Website
http://www.indexinvestment.de gelangt, die ich sehr interessant
fand. Doch leider scheint diese gestern Abend vom Netz genommen
worden zu sein. Weiss einer von Euch zufällig warum?
Wenn ich zu Ergebnissen bzgl. meiner Depotaufteilung gekommen bin,
werde ich vielleicht mal einen kleinen Bericht hier posten.
Interessant erscheinen mir die oben angesprochenen
X-Pert-Zertifikate und die von Balzac angebotenen indexbasierenden
Fonds für verschiedene Länder und Regionen.
Tschüss
Denki
schrieb am 16.02.01 10:21:16
@Denki,
das ist ja wohl echt der Hammer - ich fand die Seite so
interessant, dass ich sie mir komplett herunterladen wollte, jetzt
ist sie futsch!? EMail-Anfragen werden nicht beantwortet?
Die Macher der Seite haben ja auch ein Buch geschrieben, ist es das
von dir zitierte? Dass alle Privatanleger nur noch Buy-and-Hold mit
Endlos-Zertifikaten machen, kann natürlich nicht im Interesse der
Banken und Finanzdienstleister sein.
Gruß J

e - der mal versuchen wird, mit einem Trick ein paar
interessante Seiten von dem geschlossenen Index-Portal für das
Forum zu retten
schrieb am 16.02.01 10:56:59
II.25 Was uns BehavioralFinance lehrt
Seit Anfang 1999 erregt eine aus den USA kommende neue Fachrichtung
der Betriebswirtschaftslehre auch in Deutschland Aufsehen. Diese
Fachrichtung nennt sich Behavioral Finance und ist ein
finanzwissenschaftlicher Ansatz, der traditionelle
wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungsmethoden mit Methoden der
Psychologie verbindet. Behavioral Finance könnte man; wenig
anschaulich; mit „Verhaltensökonomie“ übersetzten. Die Disziplin
entstand Anfang der 80er Jahre und ist inzwischen eine regelrechte
Modeerscheinung in der BWL.
Behavioral Finance unterscheidet sich von anderen Fachrichtungen
und methodischen Ansätzen in der Ökonomie dahingehend, dass die
Forscher nicht mehr grundsätzlich von rationalen, also
„nutzenmaximierendem“ Wirtschaftsakteuren ausgehen. Was das
Vermögensanlagegeschäft angeht, liefert Behavioral Finance einige
extrem interessante Einsichten, die zusammengenommen eine neue,
zusätzliche „Argumentsammlung“ für Indexanlagen darstellen. Diese
Argumente fügen sich harmonisch zu den übrigen Gründen, die für
Indexanlagen (wissenschaftlich „passives Portfoliomanagement“)
sprechen. In wenigen Sätzen könnte man die Erkenntnisse der
Behavioral Finance in bezug auf das Vermögensanlagegeschäft so
beschreiben:
Aufgrund einer ganzen Reihe irrationaler, größtenteils „verdeckter“
Anlegerverhaltensweisen, denen selbst professionelle
Finanzinvestoren wie Fondsmanager, Broker, Aktienhändler und
Finanzprofessoren zum Opfer fallen, ist es „doppelt naiv“
anzunehmen, als Privatanleger könne man den Markt schlagen.
„Doppelt naiv“ deshalb, weil die Finanzwissenschaft bereits vor
Entstehen der Behavioral Finance viele andere Gründe
identifizierte, die eine langfristige Überrendite
(Index-Outperformance) einzelner Investoren unwahrscheinlich
machen. (Auf diese anderen Argumente gehen wir in mehreren
Abschnitten in der Rubrik „Fortgeschrittene“ näher ein.) Die
Behavioral Finance bestätigt mithin aus einem neuen Blickwinkel,
was die Finanzwissenschaft schon seit den 50er Jahren immer und
immer wieder herausgefunden hat: Die Chancen, den Markt
langfristig, nach Kosten und Risiko zu schlagen sind deprimierend
gering und die Risiken beim Versuch dazu, deutlich unter dem
Marktergebnis zu landen, deprimierend hoch.
Im folgenden nennen wir im Schnelldurchgang die wichtigsten, von
Ökonomen in hoch wissenschaftlichen Experimenten nachgewiesenen
„Anlegerirrationalitäten“. Über die Gültigkeit dieser Phänomene
(hier stark verkürzt und selektiv dargestellt) besteht in der
Wirtschaftswissenschaft kein Dissens mehr.
Overconfidence Bias (systematische Selbstüberschätzung): Anleger
schätzen ihr Anlage-Know-How konsequent zu hoch ein. Zum Beispiel
geben rund 85% aller befragten Privatanleger an, sie seien
„überdurchschnittliche“ Investoren. Eine Aussage, die schon allein
aus mathematischen Gründen nicht stimmen kann. Eine andere
Ausprägung des Overconfidence Bias besteht darin, dass die
Bandbreite möglicher Ergebnisse für künftige Ereignisse (z.B. die
möglichen Kurse einer bestimmten Aktie am Jahresende) systematisch
unterschätzt wird.
Hindsight Bias (verzerrter Rückblick): Sobald ein Ereignis
abgeschlossen ist (z.B. ein bestimmter Kursanstieg eingetreten
ist), überschätzen Anleger systematisch das Ausmaß, in dem sie
selbst dieses Ereignis hätten vorhersagen können. Auf Befragung
deklarieren sie bestimmte Argumente als ihnen „schon vorher
bekannt“, die sie erste nach Eintritt des Ereignisses formuliert
oder kennengelernt haben.
Verlustaversion (auch Dispositionseffekt genannt): Anleger bewerten
Gewinne und Verluste identischer Größenordnung unterschiedlich,
ebenso die Wahrscheinlichkeiten identischer Gewinne und Verluste.
Verluste werden gefühlsmäßig als „gravierender“ eingestuft als
Gewinne gleicher Höhe. Im Ergebnis verkaufen Anleger, gemessen am
optimalen Verhalten, Wertpapiere mit sinkenden Kursen systematisch
zu spät (um Verlustrealisierung zu vermeiden) und Wertpapiere mit
steigenden Kursen zu früh. (Die bahnbrechenden Untersuchungen des
amerikanischen Finanzprofessors Terrance Odean zu diesem Thema, der
78.000 Anlegerdepots über einen Zeitraum von drei Jahren
analysierte, können Sie von der folgenden Website der University of
California herunterladen:
http://www.gsm.ucdavis.edu/faculty/directory.html).
Kognitive Dissonanz (mentale Nichtübereinstimmung): Eine einmal
gefaßte Einschätzung über den „richtigen“ Kurs eines Wertpapiers
wird unangemessen gering an neue Informationen angepaßt, wenn diese
Informationen gegen die Richtigkeit dieser Kursschätzung
sprechen.
Anchoring und Short Term Bias (inflexible Verankerung und
Ungleichgewicht zur jüngsten Vergangenheit): Objektiv identische
bzw. gleich bedeutsame Ereignisse werden in ihrer Wichtigkeit
unterschiedlich gewertet, je nachdem wie lange sie zurückliegen.
Anders formuliert: Die verhaltenssteuernde Wirkung von
Informationen verfällt im Zeitablauf, unabhängig von ihrer
tatsächlichen Bedeutung zu Gunsten weniger bedeutender aber
jüngerer Ereignisse.
Magical Thinking (magisches Denken): Anleger rechnen sich die
Ursachen eines Anlageerfolges oder -misserfolges persönlich zu,
auch wenn andere Umstände ganz oder überwiegend dafür
verantwortlich sind. So ist z.B. wissenschaftlich geklärt, dass 80
bis 95% des Anlageergebnisses eines Portfolios auf die in ihm
enthaltenen Asset-Klassen (siehe Lexikon) zurückgeht, und eben
gerade nicht auf die Auswahl einzelner Wertpapiere innerhalb der
Asset-Klassen. Dennoch schreiben sich Anleger ihr Anlageergebnis in
einer bestimmen Zeitspanne vollständig zu, selbst wenn sich die
Asset-Klasse nie geändert hat oder eine andere Person die
Asset-Klassen bestimmte.
Compartmentalisation (Denken in unangemessen isolierten
Zusammenhängen): Das „big picture“ (große Bild), das zur
Beurteilung von Sachverhalten notwendig wäre, wird selbst, wenn der
Anleger es kennt, zugunsten isolierter Betrachtung einzelner Daten
und Argumente vernachlässigt. Die Vorteile von Indexanlagen sind
hierfür ein gutes Beispiel. Obwohl ihre Überlegenheit gegenüber
aktiv gemanagten Anlageprodukten auf der Basis Tausender Studien
und mehrere zusammenlaufender Argumentationsketten bewiesen ist,
stufen die meisten Anleger die Renditeerfolge einzelner Investoren
oder die Aussagen einzelner „Experten“ höher ein als die
gesammelten Forschungsergebnisse der Finanzwissenschaft über einen
Zeitraum von mehr als 30 Jahren.
Neben den hier genannten psychologischen Ungleichgewichten bzw.
Irrationalitäten hat die Behavioral Finance noch viele weitere
entdeckt. Schon wurden mehrere Investmentfonds aufgelegt, die durch
Ausnutzung dieser Forschungsergebnisse versuchen, den Markt zu
outperformen (die Ergebnisse waren bislang gemischt, zuverlässige
Schlussfolgerungen dürften erst in einigen Jahren möglich sein).
Mancher Leser, dieser Ausführungen wird sich jetzt denken: „OK,
andere Anleger mögen in diese „Rationalitätsfallen“ tappen, ich
aber nicht.“ Doch genau das, wäre ein klassischer Fall von
Overconfidence Bias. Wie kann jemand so etwas ernsthaft behaupten,
wenn er seinen Investment-Track Record (vergangene
Anlageergebnisse) nicht methodisch korrekt und über einen Zeitraum
von mindestens drei Jahren detailliert analysiert hat?
Viel schlauer ist es da, dem Ratschlag von Terrance Odean, dem oben
erwähnten Behavioral Finance-Eperten, zu folgen. Er äußerte in
einem Interview, dass, obwohl man theoretisch mit diesen
Erkenntnissen die Fehler anderer Anleger ausbeuten und so den Markt
outperformen könne, er von diesem Versuch abrate. Ihn selbst habe
seine Arbeit darin bestärkt, diejenige Anlagephilosophie weiter zu
verfolgen, die er schon immer favorisiert habe: Buy and hold mit
Indexfonds.
Zum Schluss noch eine ergänzende Bemerkung: Immer wieder ist zu
lesen, dass Behavioral Finance der sogenannten
Efficient-Market-Hypothese widerspräche (diese Hypothese ist ein
wichtiges Element in der Modernen Portfoliotheorie, auf der
wiederum viele Argumente für Indexanlagen basieren). Die Behauptung
eines solchen Widerspruches , jedenfalls in dieser Form , ist
Unsinn. Ein effizienter Markt, wie ihn die Ökonomen definieren,
funktioniert bereits, wenn wenige Anleger (vermutlich weniger als
20%) rational handeln. Und diese wenigen rationalen Anleger müssen
zudem nicht stets dieselben sein. Warum das so ist, behandelt jede
„Einführung in die Microökonomie-Vorlesung“. Dennoch ist in der
Wirtschaftspresse im Zusammenhang mit Behavioral Finance immer
wieder von der „neuesten Attacke gegen die
Efficient-Market-Hypothese“ (Handelsblatt) zu lesen. Wie so oft,
wenn es um Kapitalanlagen geht, scheint Sensationsmache vor Fakten
zu gehen.
Wer sich genauer mit dem hoch interessanten Thema Behavioral
Finance beschäftigen möchte, kann dies mit dem folgenden Buch tun:
Joachim Goldberg / Rüdiger von Nitzsch : Behavioral Finance.
Gewinnen mit Kompetenz. Überlegenes Wissen für Ihre
Anlageentscheidung. München 1999.
schrieb am 16.02.01 12:31:31
Über die Wertlosigkeit von Kursprognosen
Die Medien sind voll davon: Kursprognosen. Eine geradezu
verwirrende Fülle solcher Prognosen für einzelne Aktien, ganze
Marktsegmente aber auch für Zinsen und Devisenkurse ergießt sich
tagtäglich über die Anlegerschaft. Viele dieser Prognosen stammen
von den renommiertesten Anlageexperten, weltweit bekannten
Analysten oder großen, ehrwürdigen Banken. Die meisten Anleger
orientieren sich an den Prognosen, in der an sich plausiblen
Annahme, dass die Experten "es ja wissen müssen".
So überraschend es klingen mag. Die Finanzwissenschaft ist sich
darüber einig, dass "systematisch ausbeutbare" Prognosen nicht
möglich sind. Was heißt "systematisch ausbeutbar": Solche Prognosen
(für einzelne Wertpapiere oder für ganz Marktsegmente) haben eine
Trefferquote, die über einen längeren Zeitraum hinweg nachweislich
(a) über der statistischen Zufallstrefferquote liegt und (b) nach
Transaktionskosten und bei Berücksichtigung des einzugehenden
Risikos im Rahmen einer aktiven Anlagestrategie profitabel
ausgebeutet werden könnten – also zu einer risikoadjustierten
(risikogewichteten) langfristigen Überrendite führt. Diese
Unmöglichkeit gilt übrigens auch für sogenannte Konsensusprognosen
– also Durchschnitte mehrerer voneinander unabhängiger Prognosen.
Das haben viele hundert wissenschaftliche Studien bestätigt.
Zunächst zur naheliegenden Frage: Wenn systematisch ausbeutbare
Prognosen unmöglich sind, warum ist dieser Umstand in der
Anlegerschaft nicht allgemein bekannt? Dafür gibt es eine Reihe von
Gründen, darunter die folgenden: Praktisch alle Prognostiker
vermarkten ihre richtigen Prognosen weithin, lassen aber die
falschen "klammheimlich" unter den Tisch fallen lassen; ferner,
viele Prognosen sind so "verwaschen" sind, dass sie zwar irgendwann
eintreffen aber von vorneherein nicht zur Grundlage einer
Investitionsentscheidung taugen (z.B. vorhergesagte Kursziele ohne
genau Angabe eines Zeitpunktes). Schließlich: die kuriose
Bezeichnung der "revidierten" Prognosen oder "neuen" Kursziele. Sie
sind in Wirklichkeit nichts anderes als das Eingeständnis der
Falschheit der vorhergehenden Prognose. Und natürlich die
unrichtige aber verständliche Grundannahme der Anleger, die
Experten müssten doch ganz einfach einen Vorsprung vor den
Nicht-Experten haben, da dies ja auf den meisten anderen
Fachgebieten des Lebens auch der Fall ist.
Übrigens beweist auch die Tatsache, dass einige Kursprognosen
richtig sind, noch überhaupt nichts. Genauso wenig wie sechs
Richtige im Lotto beweisen, dass der Tipper Lottozahlen richtig
vorhersagen kann. Glück (Zufall) ist nicht gleich Prognosefähigket.
Wirtschaftlich verwertbare Prognosen setzen voraus, dass der
Prognostiker seriös nachprüfbar das wiederholte Eintreffen seiner
Prognosen in der Vergangenheit beweisen kann. Hinzukommt: Bei einer
konstanten Überrendite von zwei Prozentpunkten gegenüber der
durchschnittlichen Aktienmarktrendite von 12% p.a. dauert es rund
70 Jahre, bis mit statistischen Methoden zweifelsfrei bewiesen
werden könnte, dass diese Überrendite nicht auf Glück/Zufall zurück
zu führen ist. Zwei Prozentpunkte Vorsprung über einen Zeitraum
von "nur" zehn Jahren schaffen aber nicht einmal drei Prozent aller
Investmentfonds.
Warum systematisch ausbeutbare Kursprognosen unmöglich sind, hängt
mit der sogenannten "Effizienz" der Wertpapiermärkte
verantwortlich. Effizienz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die
Preise (Kurse) am Wertpapiermarkt jederzeit "korrekte" (im
Börsenslang "faire) Preise sind, das heißt sie spiegeln den
tatsächlichen Markwert des Wertpapiers korrekt wieder. Alle am
Markt verfügbaren Informationen (auch Informationen über Trends,
Vermutungen etc.) sind bereits im Preis des Wertpapiers enthalten.
Dieses "Informationseffizienz" und ist das Kernelement in der
berühmten Efficient-Markt-Theorie. Die Wurzeln dieser Theorie gehen
im Grunde genommen auf Adam Smith und vielleicht noch weiter
zurück, aber im engeren Sinne hat der amerikanische Ökonom und
Nobelpreisanwärter Eugene Fama (Universität Chicago) seit Mitte der
sechziger Jahre am meisten zu ihrer Weiterentwicklung
beigetragen.
Ein Beispiel: Angenommen Die Aktie der Tango AG notiert heute bei
genau 100 Euro. Morgen werden die Quartalszahlen zusammen mit einer
Einschätzung des Managements über den erwarteten Geschäftsgang für
die kommenden 12 Monate einschließlich des Verhandlungsstandes über
einen sehr lukrativen Großauftrag für die nächsten 24 Monate
bekanntgemacht. Im einzelnen sind diese Informationen aber heute
noch nicht bekannt. Allgemein besteht kein Zweifel – so auch in der
Presse nachzulesen – dass die morgigen Neuigkeiten "sehr
erfreulich" sein werden, es werden sogar erwartete Werte zu den
wesentlichen Ertragskennzahlen beziffert. Bestätigt sich nun am
nächsten Tag diese Annahme wird sich der Kurs nicht ändern, denn
das Erwartete ist eingetroffen.
Anders formuliert: Wüsste man mit Sicherheit, dass der Preis der
Tango-Aktie morgen von 100 auf 110 stiege, würde man die Aktie
schon heute kaufen und zwar so lange bis der Preis auf 110
gestiegen wäre. Es ist somit logisch und faktisch unmöglich, dass
am Markt verfügbare Information nicht bereits im aktuellen Kurs
enthalten (Börsendeutsch "eskomptiert") sind. Louis Bachelier, der
Begründer der Modernen Portfoliotheorie stellte schon im Jahr 1900
fest: "Ganz klar ist der vom Markt als am wahrscheinlichsten
angenommene Preis der wahre, korrekte Preis; wäre der Markt anderer
Meinung, wäre der Marktpreis entweder höher oder niedriger." In
einem effizienten Markt ändern sich Preise nicht, wenn das
Erwartete eintritt. Ändern sich die Preise, dann nur aufgrund neuer
Informationen. Neu sind Informationen aber nur, wenn sich nicht
vorhersehbar waren. Wenn sie vorhersagbar sind, sind sie nicht neu
und haben den Preis bereits beeinflusst. Jede neue Information wird
und muss jedoch – weil sie nicht systematisch erahn- oder
vorhersagbar ist – zufälligen Inhalt haben (Börsendeutsch
"random"). Zufällig nicht im Sinne von gut oder schlecht, sondern
dahingehend, ob die Information die Markterwartungen bestätigt oder
nicht. Da der Zufall nicht vorhersagbar ist, ist auch der
Wertpapierkurs nicht vorhersagbar.
Weil also alle verfügbaren Informationen bereits im Preis eines
Wertpapiers enthalten sind und ein Prognostiker all jene
Informationen, die noch nicht im Preis reflektiert sind, nicht
kennen kann, sind auch systematisch ausbeutbare Kursprognosen nicht
möglich. So einfach ist das.
Ein bekanntes Element in der Efficient Market-Theorie ist die
sogenannte Random Walk-Hypothese (englisch für "Zufalls(ver)lauf").
Random Walk ist ein Begriff aus der Statistiktheorie, der in diesem
Zusammenhang den Verlauf von Aktienkursen im Zeitablauf beschreibt.
Tatsächlich läßt sich nachweisen, dass der Verlauf von
Wertpapierkursen – nach Korrektur um die natürliche Aufwärtsdrift
von rund 0,052% pro Trading-Tag, den die meisten Aktienmärkte
besitzen – keinerlei Muster enthält, das nicht auch durch Zufall
entstanden sein könnte. Dementsprechend sind selbst Experten oder
Computer nicht in der Tat in der Lage, Kursdiagramme, die per
Zufallsgenerator (mit einprogrammierter Aufwärtsdrift) erzeugt
wurden, von echten Kursdiagrammen zu unterscheiden. Salopp
formuliert: "Der Wertpapiermarkt hat kein Gedächtnis". Es tauchen
zwar laufend gegenteilige Pressemeldungen über irgendwelche "neu
entwickelten funktionierenden" Prognosemodelle auf, aber die
betreffenden Institutionen sind den entsprechenden Beweis bisher
schuldig geblieben. Die Random Walk-Hypothese gilt in der
Finanzwissenschaft jedenfalls als bisher nicht widerlegt.
Trifft nun tatsächlich neue Information (also unerwartete
Erkenntnisse) im Markt ein, passt sich der Marktpreis rasend
schnell, buchstäblich innerhalb von Sekunden an. (Viele
Untersuchungen habe für die meisten Börsen Zeiträume zwischen fünf
Sekunden und wenigen Minuten festgestellt.) Für das Bekanntwerden
der neuen Information im Markt braucht es keine spezielle
Verlautbarung; das Reagieren der einzelnen Marktteilnehmer auf die
Information selbst sorgt bereits für ihre Übertragung.
Sollte es doch einmal länger dauern bis neue Information im Kurs
einfließt, werden gewiss nicht Privatanleger davon profitieren.
Fast 90% des weltweiten Wertpapierhandels geht von sogenannten
institutionellen Marktteilnehmern aus (das sind Banken,
Investmentfonds, Broker, Versicherungen, staatliche
Kapitalsammelstellen wie die Sozialkassen, Großunternehmen etc.).
Kein Privatanleger – auch nicht im Zeitalter des Internets – hat
eine echte Chance in diesem "Rennen" mitzuhalten, genau so wenig
wie er mit einem VW Golf in der Formel 1 gewinnen könnte.
Ungeachtet der praktischen Unmöglichkeit systematisch ausbeutbarer
Kursprognosen, wird niemand bestreiten, dass es nicht doch
"irgendwo da draußen" oder irgendwann in der Zukunft eine
Anlagestrategie gibt oder geben wird, mit der man konsistent
Überrenditen erzielen kann. In der Tat wurden in der Vergangenheit
immer wieder einfache und komplexe Strategien bekannt, die genau
das taten. Überwiegend basieren diese Strategien auf der Ausbeutung
sogenannter "Marktanomalien" (miss pricings). Indes wiederholte
sich bei all diesen vermeintlichen Erfolgsstrategien das folgende
Muster: Sobald die Strategien bekannt wurden, verpuffte ihre
Wirksamkeit. Wie das?, Nun, wenn jemand quasi mit dem Finger auf
ausbeutbare Marktanomalien zeigt, indem er sie laufend mit Gewinn
ausbeutet, wird die ganze Anlegergemeinschaft darauf aufmerksam,
und alle "steigen ein". Damit treibt die "Herde" den Preis für
diese Investmentchance nach oben, und die Strategie verliert ihre
Wirkung. Dieses blitzschnelle "Wegarbitrieren" von Gelegenheiten
zur Erzielung von Überrenditen, ist ein Hauptmerkmal effizienter
Märkte, zu denen die Wertpapiermärkte zweifellos gehören.
Ein weiteres Argument: Wer systematisch richtige Prognosen (nach
der oben genannten Definition) abgeben könnte, wäre in kürzester
Zeit Mulitmilliardär. Warum: Nun? Er könnte leicht zeigen, dass er
immer oder jedenfalls in mehr als der Hälfte der Fälle richtig
liegt. Damit könnte er – sofern er die Finanzmittel nicht selber
besäße – problemlos Anlagegelder bei Investoren und Kreditgebern
einsammeln. Durch entsprechend großvolumige Anlagen könnte er,
selbst, wenn seine Trefferquote nur geringfügig über der
statistischen Zufallswahrscheinlichkeit läge, in wenigen Monaten
einen nach oben hin praktisch unbegrenzten Gewinn erzielen.
John Kenneth Gailbraith, ein bekannte Wirtschaftswissenschaftler,
bemerkte einmal zum Thema Wirtschaftsprognosen sarkastisch: "Wir
haben zwei Klassen von Prognostikern: die, die nichts wissen, und
jene, die nicht wissen, dass Sie nichts wissen."
schrieb am 16.02.01 12:45:14
Über die Wertlosigkeit von Kursprognosen
G`rad` deshalb bin ich persönlich von diesem Moneybee-Projekt
(
http://www.moneybee.de) so begeistert...
Dort wird ja - so mancher hat hier Getri`s Beitrag gelesen - mit
wissenschaftlich überprüfbaren Formeln eine statistische
Wahrscheinlichkeit ermittelt, anhand der man das
Kursverhalten
mit relativer(!) Genauigkeit vorhersagen kann. Mittlerweile ist
auch die Trefferwahrscheinlichkeit annehmbar!
Gruß aus dem Norden
Loafer
IIIII III
schrieb am 16.02.01 16:31:53
@Joe_Cool:
Genau, die Autoren von dem Buch, das ich genannt habe, mach(t)en
diese Webpage. Vielleicht hast Du ja noch etwas im Cache?
Gerade nach den heutigen NASDAQ/Nemax-Erfahrungen bin ich, so hoffe
ich, ready, mein Depot indexbasiert aufzubauen. Zocken ist nicht
meine Welt - habe ich leidvoll erfahren müssen.
Tschüss
Ulrich
schrieb am 18.02.01 15:34:26
@Denki, ja - hab` ich, J

e
II.19 Renditevergleiche, die Indexfonds benachteiligen
Vergleichen zwischen aktiven Anlagefonds und Indexfonds (bzw.
Indizes selbst) wird von den Finanzmedien und Anlegern hohe
Bedeutung beigemessen, da diese Vergleiche die "ewige Frage"
beantworten sollen, ob aktive Fonds oder Indexfonds "besser" sind.
Abgesehen von der schlichten, Tatsache, dass die durchschnittliche
aktive gemanagte Geldeinheit aus schierer mathematische
Notwendigkeit unter dem Index liegen MUSS, kranken fast alle diese
Vergleiche an krassen methodischen Unzulänglichkeiten. Diese Mängel
wirken sich durchweg zugunsten aktiver gemanagter Fonds aus. Man
kann deswegen mit Fug und Recht von unfairen Vergleichen sprechen.
In den wenigen Studien ohne diese methodischen Fehler, ist die
Quote der aktiv gemanagter Fonds, die an ihrem Vergleichsindex bzw.
einem vergleichbaren Indexfonds scheitern, noch höher als die
üblichen 50 bis 80%.
Bevor wir zu den eigentlichen Untersuchungsfehlern kommen, noch
kurz die Antwort auf die Frage, warum die durchschnittliche aktiv
gemanagte Geldeinheit mathematisch zwingend unter dem Index liegen
muss. Nun der Marktindex ist ein geldeinheitengewichteter
Renditedurchschnitt aller in diesem Markt investierten Gelder.
Folglich liegt in jeder Periode die eine Hälfte aller Gelder (vor
Kosten) über, die andere Hälfte unter dem Marktdurchschnitt
(Index). Das war vor 1000 Jahren so und wird in 1000 Jahren so
sein. Die Efficient Market Theorie erklärt darüber hinaus, warum
die eine Hälfte logisch notwendiger Outperformer (vor Kosten) nicht
ausschließlich Profianleger sind, sondern sich etwa repräsentativ
aus allen Anlegergruppen (auch Privatanlegern) zusammensetzt. Die
Kosten des Anlegens sorgen dann dafür, dass nicht 50% der Anleger
unter dem Index liegen sondern bis zu 95%, und zwar mit
durchschnittlich etwa 2,2%-Punkten (das sind die statistischen
Anlagekosten pro aktiver investierter Geldeinheit, die clevere
Buy-and-Hold-Indexanleger aber problemlos auf 0,5% senken
können).
Doch von dieser ebenso grundsätzlichen wie oft übersehenen
Feststellung, dass in methodisch korrekten Vergleichen praktisch
niemals mehr als die Hälfte aller Fonds über ihrer Benchmark liegen
können, abgesehen: Worin bestehen die unfairen Fehler in den
meisten Vergleichen und Rankings zwischen aktiven Fonds und
Indexfonds?
Die Mehrzahl der Vergleiche/Studien ignoriert das jeweilige Risiko
der untersuchten Fonds und vergleicht eindimensional nur die
Rendite. Im Durchschnitt weisen jedoch aktive Fonds höhere
Risikograde (Volatilitäten) aus als Index-Fonds. Ein Vergleich auf
der Basis risikoadjustierter Renditen (z.B. Sharpe Ratio) oder
andere Formen der gleichzeitigen Berücksichtigung von Rendite und
Risiko würden dieses Problem lösen.
Die Mehrzahl der Vergleiche/Studien vergleicht unsinnigerweise
Bruttorenditen, das heißt, diese Studien ignorieren die für den
einzelnen Anleger tatsächlich anfallenden Transaktionskosten (vor
allem Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühr und Depotbankvergütung).
Diese Transaktionskosten sind jedoch bei aktive gemanagten
Fonds/Portfolios bis zu fünfmal höher als bei passiv gemanagten
Indexportfolios.
Fast alle Vergleiche/Studien ignorieren den so genannten
Survivorship bias (dt. "Ungleichgewicht in Richtung Überlebende").
Etwa drei bis fünf Prozent aller aktiv gemanagten Fonds werden
jährlich aufgrund mangelhafter Performance aufgelöst. Dies führt
dazu, dass die kollektive Performance der Gruppe der aktiv
gemanagten Fonds als ganze besser ausgewiesen wird als in
Wirklichkeit gerechtfertigt, da die "Pleitefonds" laufend aus der
Kalkulation herausfallen. Der Survivorship Bias verbessert die
durchschnittliche Jahresrendite aller aktiv gemanagten Fonds in der
Statistik um einen bis zwei Prozentpunkte, je nach Fondssegment und
betrachteter Zeitperiode.
Die Mehrzahl der Vergleiche/Studien erfolgt auf der Basis absurd
kurzer Anlageintervalle von einem Jahr oder sogar weniger. Dabei
ist es geradezu ein Branchen-Mantra (und ein gerechtfertigtes in
diesem Fall), dass niemand in Aktienfonds investieren solle, der
nicht mindestens einen Anlagehorizont von drei Jahren hat. Welchen
Sinn machen dann Fonds-Rankings auf 6- oder 12-Monatsbasis, wie sie
laufend in der Presse durchgeführt werden? Auf alle Fälle gilt: Je
länger das Vergleichsintervall, desto höher die Quote der aktiven
Fonds, die an ihrem Vergleichsindex scheitern.
Obwohl es mathematisch praktisch unmöglich ist, dass mehr als die
Hälfte aller Fonds über dem Marktindex liegen, geht genau das aus
vielen publizierten Tabellen hervor. Die Ursache für dieses
Paradoxon hängt stets mit dem Äpfel-Birnen-Vergleichsproblem
zusammen. Die entsprechenden Fonds repräsentieren nicht genau
dieselbe Asset-Klasse wie der Vergleichsindex. Beispielsweise gibt
es wohl keinen deutschen (aktiven) Blue-Chip-Fonds der nicht auch
außerhalb der 30-Dax-Aktien investiert. Trotzdem wird so gut wie
nie der H-Dax – die in diesem Fall korrektere Benchmark verwendet –
sondern eben der Dax, weil den alle kennen. Strenggenommen ist das
zwar irreführend, aber eben üblich. Um den Charakter dieses
unscheinbaren, allgegenwärtigen Fehlers nur geringfügig überspitzt
zu illustrieren: Wenn man Emerging Market-Fonds mit dem Dax
vergleicht, ist es nicht verwunderlich, wenn 99% und mehr aller
aktiven Fonds besser als der Index sind.
Tatsache ist und bleibt: Bei den weltweit seriösesten,
wissenschaftlichen Untersuchungen zur langfristigen Performance
aktiv gemanagter Fonds bestätigt sich immer und immer wieder das
folgende Ergebnis: (a) Nach Berücksichtigung von Kosten und Risiko
liegen bis zu 90% und mehr aller aktiv gemanagten Fonds unter ihrem
Vergleichsindex oder einem preisgünstigen Indexfonds. (b) Die
wenigen aktiven Outperformer-Fonds sind nicht im vorhinein
identifizierbar und wechseln von Periode zu Periode. Mehr als ein
Dutzend der renommiertesten Studien, die dies belegen, nennen wir
im Abschnitt "Studien zur Überlegenheit von Indexing".
schrieb am 19.02.01 05:09:56
@Joe_Cool:
Der letzte Abschnitt Deines Postings müsste doch allen, aber auch
allen Fonds-Investoren zu denken geben. Warum dann noch über
"Dividendenstrategie" oder Biotech-Fonds nachdenken? Weil es Spass
macht, aber nicht, weil es vernünftig ist.
Denki, der kurz davor ist, zum Indexer Denki zu werden
schrieb am 19.02.01 15:14:35
@Denki,
diese Texte entsprechen ja nicht unbedingt meiner Meinung, ich
stelle die einfach mal zur Diskussion. Je langfristiger man das
Ganze betrachtet, desto weniger scheint man mit Indexanlagen falsch
machen zu können. Allerdings weiß ich nicht, ob es hier noch
irgendwelche "Langfrist-Investoren" gibt

.
Mir selbst ist die langfristige Denkweise letztes Jahr auch nicht
so gut bekommen, obwohl ich "meinen" Index geschlagen habe.
Allerdings war das der Nasdaq-100 und nicht der MSCI-World-Index,
entscheidend ist also auch, welchen Index man nimmt.
J

e
Hier noch ein Vergleich zwischen den einzelnen Index-Anlagen,
wichtig:
Zertifikate beinhalten ein Bonitätsrisiko des
Emittenten.
schrieb am 19.02.01 15:24:41
@Joe Cool
Was soll Ich machen, wenn Ich seit 1996 im DWS
Vermögensbildungsfonds I investiert bin? 400% Plus sind nicht von
schlechten Eltern, und mit Indexzertifikaten hätte Ich nicht halb
soviel an Performance gewonnen. Nun ist es müßig, eine Wette
einzugehen, wie die nächsten Jahre verlaufen werden. Aber die
Gewißheit, daß hier ein ausgezeichneter Manager namens Kaldermorgen
diesen Fonds noch Jahre begleiten wird, läßt mich ruhigen Gewissens
investiert bleiben, Statistiken hin oder her. Ich bin sicher, auch
bei der nächsten "Fünf-Jahres-Bilanz" Ende 2005 deutlich besser
dazustehen als mit einem Indexzertifikat, unabhängig davon, ob es
bis dorthin noch bessere Fonds geben sollte. Solange der Index
deutlich geschlagen wird, sollte man ruhig in diesen Fonds
investiert bleiben.
Gruß Warren