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Zertifikate ( Seite 4)

Diskussionsstatistik
eröffnet am 06.01.01 14:04:09
von
neuster Beitrag 29.04.02 19:09:21
von

Anzahl Beiträge: 144
Aufrufe gesamt: 4.839
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Diskussionsnr.: 324.791
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[ Seite: 12345131415neuster Beitrag ]

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schrieb am 16.02.01 06:31:08
Beitrag Nr.31 
(2.920.018)
Antwort
Zitat
Ich beschäftige mich auch seit einigen Tagen damit, mein Depot indexbasiert aufzubauen.

Dabei war ich auf das Buch "Indexfonds und Indexzertifikate für Einsteiger" gestossen. Nach der Lektüre bin ich auf die Website http://www.indexinvestment.de gelangt, die ich sehr interessant fand. Doch leider scheint diese gestern Abend vom Netz genommen worden zu sein. Weiss einer von Euch zufällig warum?

Wenn ich zu Ergebnissen bzgl. meiner Depotaufteilung gekommen bin, werde ich vielleicht mal einen kleinen Bericht hier posten. Interessant erscheinen mir die oben angesprochenen X-Pert-Zertifikate und die von Balzac angebotenen indexbasierenden Fonds für verschiedene Länder und Regionen.

Tschüss



Denki
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schrieb am 16.02.01 10:21:16
Beitrag Nr.32 
(2.921.057)
Antwort
Zitat
@Denki,

das ist ja wohl echt der Hammer - ich fand die Seite so interessant, dass ich sie mir komplett herunterladen wollte, jetzt ist sie futsch!? EMail-Anfragen werden nicht beantwortet?

Die Macher der Seite haben ja auch ein Buch geschrieben, ist es das von dir zitierte? Dass alle Privatanleger nur noch Buy-and-Hold mit Endlos-Zertifikaten machen, kann natürlich nicht im Interesse der Banken und Finanzdienstleister sein.

Gruß J:cool:e - der mal versuchen wird, mit einem Trick ein paar interessante Seiten von dem geschlossenen Index-Portal für das Forum zu retten
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schrieb am 16.02.01 10:56:59
Beitrag Nr.33 
(2.921.378)
Antwort
Zitat
II.25 Was uns BehavioralFinance lehrt

Seit Anfang 1999 erregt eine aus den USA kommende neue Fachrichtung der Betriebswirtschaftslehre auch in Deutschland Aufsehen. Diese Fachrichtung nennt sich Behavioral Finance und ist ein finanzwissenschaftlicher Ansatz, der traditionelle wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungsmethoden mit Methoden der Psychologie verbindet. Behavioral Finance könnte man; wenig anschaulich; mit „Verhaltensökonomie“ übersetzten. Die Disziplin entstand Anfang der 80er Jahre und ist inzwischen eine regelrechte Modeerscheinung in der BWL.

Behavioral Finance unterscheidet sich von anderen Fachrichtungen und methodischen Ansätzen in der Ökonomie dahingehend, dass die Forscher nicht mehr grundsätzlich von rationalen, also „nutzenmaximierendem“ Wirtschaftsakteuren ausgehen. Was das Vermögensanlagegeschäft angeht, liefert Behavioral Finance einige extrem interessante Einsichten, die zusammengenommen eine neue, zusätzliche „Argumentsammlung“ für Indexanlagen darstellen. Diese Argumente fügen sich harmonisch zu den übrigen Gründen, die für Indexanlagen (wissenschaftlich „passives Portfoliomanagement“) sprechen. In wenigen Sätzen könnte man die Erkenntnisse der Behavioral Finance in bezug auf das Vermögensanlagegeschäft so beschreiben:

Aufgrund einer ganzen Reihe irrationaler, größtenteils „verdeckter“ Anlegerverhaltensweisen, denen selbst professionelle Finanzinvestoren wie Fondsmanager, Broker, Aktienhändler und Finanzprofessoren zum Opfer fallen, ist es „doppelt naiv“ anzunehmen, als Privatanleger könne man den Markt schlagen. „Doppelt naiv“ deshalb, weil die Finanzwissenschaft bereits vor Entstehen der Behavioral Finance viele andere Gründe identifizierte, die eine langfristige Überrendite (Index-Outperformance) einzelner Investoren unwahrscheinlich machen. (Auf diese anderen Argumente gehen wir in mehreren Abschnitten in der Rubrik „Fortgeschrittene“ näher ein.) Die Behavioral Finance bestätigt mithin aus einem neuen Blickwinkel, was die Finanzwissenschaft schon seit den 50er Jahren immer und immer wieder herausgefunden hat: Die Chancen, den Markt langfristig, nach Kosten und Risiko zu schlagen sind deprimierend gering und die Risiken beim Versuch dazu, deutlich unter dem Marktergebnis zu landen, deprimierend hoch.

Im folgenden nennen wir im Schnelldurchgang die wichtigsten, von Ökonomen in hoch wissenschaftlichen Experimenten nachgewiesenen „Anlegerirrationalitäten“. Über die Gültigkeit dieser Phänomene (hier stark verkürzt und selektiv dargestellt) besteht in der Wirtschaftswissenschaft kein Dissens mehr.

Overconfidence Bias (systematische Selbstüberschätzung): Anleger schätzen ihr Anlage-Know-How konsequent zu hoch ein. Zum Beispiel geben rund 85% aller befragten Privatanleger an, sie seien „überdurchschnittliche“ Investoren. Eine Aussage, die schon allein aus mathematischen Gründen nicht stimmen kann. Eine andere Ausprägung des Overconfidence Bias besteht darin, dass die Bandbreite möglicher Ergebnisse für künftige Ereignisse (z.B. die möglichen Kurse einer bestimmten Aktie am Jahresende) systematisch unterschätzt wird.

Hindsight Bias (verzerrter Rückblick): Sobald ein Ereignis abgeschlossen ist (z.B. ein bestimmter Kursanstieg eingetreten ist), überschätzen Anleger systematisch das Ausmaß, in dem sie selbst dieses Ereignis hätten vorhersagen können. Auf Befragung deklarieren sie bestimmte Argumente als ihnen „schon vorher bekannt“, die sie erste nach Eintritt des Ereignisses formuliert oder kennengelernt haben.

Verlustaversion (auch Dispositionseffekt genannt): Anleger bewerten Gewinne und Verluste identischer Größenordnung unterschiedlich, ebenso die Wahrscheinlichkeiten identischer Gewinne und Verluste. Verluste werden gefühlsmäßig als „gravierender“ eingestuft als Gewinne gleicher Höhe. Im Ergebnis verkaufen Anleger, gemessen am optimalen Verhalten, Wertpapiere mit sinkenden Kursen systematisch zu spät (um Verlustrealisierung zu vermeiden) und Wertpapiere mit steigenden Kursen zu früh. (Die bahnbrechenden Untersuchungen des amerikanischen Finanzprofessors Terrance Odean zu diesem Thema, der 78.000 Anlegerdepots über einen Zeitraum von drei Jahren analysierte, können Sie von der folgenden Website der University of California herunterladen: http://www.gsm.ucdavis.edu/faculty/directory.html).

Kognitive Dissonanz (mentale Nichtübereinstimmung): Eine einmal gefaßte Einschätzung über den „richtigen“ Kurs eines Wertpapiers wird unangemessen gering an neue Informationen angepaßt, wenn diese Informationen gegen die Richtigkeit dieser Kursschätzung sprechen.

Anchoring und Short Term Bias (inflexible Verankerung und Ungleichgewicht zur jüngsten Vergangenheit): Objektiv identische bzw. gleich bedeutsame Ereignisse werden in ihrer Wichtigkeit unterschiedlich gewertet, je nachdem wie lange sie zurückliegen. Anders formuliert: Die verhaltenssteuernde Wirkung von Informationen verfällt im Zeitablauf, unabhängig von ihrer tatsächlichen Bedeutung zu Gunsten weniger bedeutender aber jüngerer Ereignisse.

Magical Thinking (magisches Denken): Anleger rechnen sich die Ursachen eines Anlageerfolges oder -misserfolges persönlich zu, auch wenn andere Umstände ganz oder überwiegend dafür verantwortlich sind. So ist z.B. wissenschaftlich geklärt, dass 80 bis 95% des Anlageergebnisses eines Portfolios auf die in ihm enthaltenen Asset-Klassen (siehe Lexikon) zurückgeht, und eben gerade nicht auf die Auswahl einzelner Wertpapiere innerhalb der Asset-Klassen. Dennoch schreiben sich Anleger ihr Anlageergebnis in einer bestimmen Zeitspanne vollständig zu, selbst wenn sich die Asset-Klasse nie geändert hat oder eine andere Person die Asset-Klassen bestimmte.

Compartmentalisation (Denken in unangemessen isolierten Zusammenhängen): Das „big picture“ (große Bild), das zur Beurteilung von Sachverhalten notwendig wäre, wird selbst, wenn der Anleger es kennt, zugunsten isolierter Betrachtung einzelner Daten und Argumente vernachlässigt. Die Vorteile von Indexanlagen sind hierfür ein gutes Beispiel. Obwohl ihre Überlegenheit gegenüber aktiv gemanagten Anlageprodukten auf der Basis Tausender Studien und mehrere zusammenlaufender Argumentationsketten bewiesen ist, stufen die meisten Anleger die Renditeerfolge einzelner Investoren oder die Aussagen einzelner „Experten“ höher ein als die gesammelten Forschungsergebnisse der Finanzwissenschaft über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren.

Neben den hier genannten psychologischen Ungleichgewichten bzw. Irrationalitäten hat die Behavioral Finance noch viele weitere entdeckt. Schon wurden mehrere Investmentfonds aufgelegt, die durch Ausnutzung dieser Forschungsergebnisse versuchen, den Markt zu outperformen (die Ergebnisse waren bislang gemischt, zuverlässige Schlussfolgerungen dürften erst in einigen Jahren möglich sein). Mancher Leser, dieser Ausführungen wird sich jetzt denken: „OK, andere Anleger mögen in diese „Rationalitätsfallen“ tappen, ich aber nicht.“ Doch genau das, wäre ein klassischer Fall von Overconfidence Bias. Wie kann jemand so etwas ernsthaft behaupten, wenn er seinen Investment-Track Record (vergangene Anlageergebnisse) nicht methodisch korrekt und über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren detailliert analysiert hat?

Viel schlauer ist es da, dem Ratschlag von Terrance Odean, dem oben erwähnten Behavioral Finance-Eperten, zu folgen. Er äußerte in einem Interview, dass, obwohl man theoretisch mit diesen Erkenntnissen die Fehler anderer Anleger ausbeuten und so den Markt outperformen könne, er von diesem Versuch abrate. Ihn selbst habe seine Arbeit darin bestärkt, diejenige Anlagephilosophie weiter zu verfolgen, die er schon immer favorisiert habe: Buy and hold mit Indexfonds.

Zum Schluss noch eine ergänzende Bemerkung: Immer wieder ist zu lesen, dass Behavioral Finance der sogenannten Efficient-Market-Hypothese widerspräche (diese Hypothese ist ein wichtiges Element in der Modernen Portfoliotheorie, auf der wiederum viele Argumente für Indexanlagen basieren). Die Behauptung eines solchen Widerspruches , jedenfalls in dieser Form , ist Unsinn. Ein effizienter Markt, wie ihn die Ökonomen definieren, funktioniert bereits, wenn wenige Anleger (vermutlich weniger als 20%) rational handeln. Und diese wenigen rationalen Anleger müssen zudem nicht stets dieselben sein. Warum das so ist, behandelt jede „Einführung in die Microökonomie-Vorlesung“. Dennoch ist in der Wirtschaftspresse im Zusammenhang mit Behavioral Finance immer wieder von der „neuesten Attacke gegen die Efficient-Market-Hypothese“ (Handelsblatt) zu lesen. Wie so oft, wenn es um Kapitalanlagen geht, scheint Sensationsmache vor Fakten zu gehen.

Wer sich genauer mit dem hoch interessanten Thema Behavioral Finance beschäftigen möchte, kann dies mit dem folgenden Buch tun: Joachim Goldberg / Rüdiger von Nitzsch : Behavioral Finance. Gewinnen mit Kompetenz. Überlegenes Wissen für Ihre Anlageentscheidung. München 1999.
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schrieb am 16.02.01 12:31:31
Beitrag Nr.34 
(2.922.158)
Antwort
Zitat
Über die Wertlosigkeit von Kursprognosen

Die Medien sind voll davon: Kursprognosen. Eine geradezu verwirrende Fülle solcher Prognosen für einzelne Aktien, ganze Marktsegmente aber auch für Zinsen und Devisenkurse ergießt sich tagtäglich über die Anlegerschaft. Viele dieser Prognosen stammen von den renommiertesten Anlageexperten, weltweit bekannten Analysten oder großen, ehrwürdigen Banken. Die meisten Anleger orientieren sich an den Prognosen, in der an sich plausiblen Annahme, dass die Experten "es ja wissen müssen".

So überraschend es klingen mag. Die Finanzwissenschaft ist sich darüber einig, dass "systematisch ausbeutbare" Prognosen nicht möglich sind. Was heißt "systematisch ausbeutbar": Solche Prognosen (für einzelne Wertpapiere oder für ganz Marktsegmente) haben eine Trefferquote, die über einen längeren Zeitraum hinweg nachweislich (a) über der statistischen Zufallstrefferquote liegt und (b) nach Transaktionskosten und bei Berücksichtigung des einzugehenden Risikos im Rahmen einer aktiven Anlagestrategie profitabel ausgebeutet werden könnten – also zu einer risikoadjustierten (risikogewichteten) langfristigen Überrendite führt. Diese Unmöglichkeit gilt übrigens auch für sogenannte Konsensusprognosen – also Durchschnitte mehrerer voneinander unabhängiger Prognosen. Das haben viele hundert wissenschaftliche Studien bestätigt.

Zunächst zur naheliegenden Frage: Wenn systematisch ausbeutbare Prognosen unmöglich sind, warum ist dieser Umstand in der Anlegerschaft nicht allgemein bekannt? Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, darunter die folgenden: Praktisch alle Prognostiker vermarkten ihre richtigen Prognosen weithin, lassen aber die falschen "klammheimlich" unter den Tisch fallen lassen; ferner, viele Prognosen sind so "verwaschen" sind, dass sie zwar irgendwann eintreffen aber von vorneherein nicht zur Grundlage einer Investitionsentscheidung taugen (z.B. vorhergesagte Kursziele ohne genau Angabe eines Zeitpunktes). Schließlich: die kuriose Bezeichnung der "revidierten" Prognosen oder "neuen" Kursziele. Sie sind in Wirklichkeit nichts anderes als das Eingeständnis der Falschheit der vorhergehenden Prognose. Und natürlich die unrichtige aber verständliche Grundannahme der Anleger, die Experten müssten doch ganz einfach einen Vorsprung vor den Nicht-Experten haben, da dies ja auf den meisten anderen Fachgebieten des Lebens auch der Fall ist.

Übrigens beweist auch die Tatsache, dass einige Kursprognosen richtig sind, noch überhaupt nichts. Genauso wenig wie sechs Richtige im Lotto beweisen, dass der Tipper Lottozahlen richtig vorhersagen kann. Glück (Zufall) ist nicht gleich Prognosefähigket. Wirtschaftlich verwertbare Prognosen setzen voraus, dass der Prognostiker seriös nachprüfbar das wiederholte Eintreffen seiner Prognosen in der Vergangenheit beweisen kann. Hinzukommt: Bei einer konstanten Überrendite von zwei Prozentpunkten gegenüber der durchschnittlichen Aktienmarktrendite von 12% p.a. dauert es rund 70 Jahre, bis mit statistischen Methoden zweifelsfrei bewiesen werden könnte, dass diese Überrendite nicht auf Glück/Zufall zurück zu führen ist. Zwei Prozentpunkte Vorsprung über einen Zeitraum von "nur" zehn Jahren schaffen aber nicht einmal drei Prozent aller Investmentfonds.

Warum systematisch ausbeutbare Kursprognosen unmöglich sind, hängt mit der sogenannten "Effizienz" der Wertpapiermärkte verantwortlich. Effizienz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Preise (Kurse) am Wertpapiermarkt jederzeit "korrekte" (im Börsenslang "faire) Preise sind, das heißt sie spiegeln den tatsächlichen Markwert des Wertpapiers korrekt wieder. Alle am Markt verfügbaren Informationen (auch Informationen über Trends, Vermutungen etc.) sind bereits im Preis des Wertpapiers enthalten. Dieses "Informationseffizienz" und ist das Kernelement in der berühmten Efficient-Markt-Theorie. Die Wurzeln dieser Theorie gehen im Grunde genommen auf Adam Smith und vielleicht noch weiter zurück, aber im engeren Sinne hat der amerikanische Ökonom und Nobelpreisanwärter Eugene Fama (Universität Chicago) seit Mitte der sechziger Jahre am meisten zu ihrer Weiterentwicklung beigetragen.

Ein Beispiel: Angenommen Die Aktie der Tango AG notiert heute bei genau 100 Euro. Morgen werden die Quartalszahlen zusammen mit einer Einschätzung des Managements über den erwarteten Geschäftsgang für die kommenden 12 Monate einschließlich des Verhandlungsstandes über einen sehr lukrativen Großauftrag für die nächsten 24 Monate bekanntgemacht. Im einzelnen sind diese Informationen aber heute noch nicht bekannt. Allgemein besteht kein Zweifel – so auch in der Presse nachzulesen – dass die morgigen Neuigkeiten "sehr erfreulich" sein werden, es werden sogar erwartete Werte zu den wesentlichen Ertragskennzahlen beziffert. Bestätigt sich nun am nächsten Tag diese Annahme wird sich der Kurs nicht ändern, denn das Erwartete ist eingetroffen.

Anders formuliert: Wüsste man mit Sicherheit, dass der Preis der Tango-Aktie morgen von 100 auf 110 stiege, würde man die Aktie schon heute kaufen und zwar so lange bis der Preis auf 110 gestiegen wäre. Es ist somit logisch und faktisch unmöglich, dass am Markt verfügbare Information nicht bereits im aktuellen Kurs enthalten (Börsendeutsch "eskomptiert") sind. Louis Bachelier, der Begründer der Modernen Portfoliotheorie stellte schon im Jahr 1900 fest: "Ganz klar ist der vom Markt als am wahrscheinlichsten angenommene Preis der wahre, korrekte Preis; wäre der Markt anderer Meinung, wäre der Marktpreis entweder höher oder niedriger." In einem effizienten Markt ändern sich Preise nicht, wenn das Erwartete eintritt. Ändern sich die Preise, dann nur aufgrund neuer Informationen. Neu sind Informationen aber nur, wenn sich nicht vorhersehbar waren. Wenn sie vorhersagbar sind, sind sie nicht neu und haben den Preis bereits beeinflusst. Jede neue Information wird und muss jedoch – weil sie nicht systematisch erahn- oder vorhersagbar ist – zufälligen Inhalt haben (Börsendeutsch "random"). Zufällig nicht im Sinne von gut oder schlecht, sondern dahingehend, ob die Information die Markterwartungen bestätigt oder nicht. Da der Zufall nicht vorhersagbar ist, ist auch der Wertpapierkurs nicht vorhersagbar.

Weil also alle verfügbaren Informationen bereits im Preis eines Wertpapiers enthalten sind und ein Prognostiker all jene Informationen, die noch nicht im Preis reflektiert sind, nicht kennen kann, sind auch systematisch ausbeutbare Kursprognosen nicht möglich. So einfach ist das.

Ein bekanntes Element in der Efficient Market-Theorie ist die sogenannte Random Walk-Hypothese (englisch für "Zufalls(ver)lauf"). Random Walk ist ein Begriff aus der Statistiktheorie, der in diesem Zusammenhang den Verlauf von Aktienkursen im Zeitablauf beschreibt. Tatsächlich läßt sich nachweisen, dass der Verlauf von Wertpapierkursen – nach Korrektur um die natürliche Aufwärtsdrift von rund 0,052% pro Trading-Tag, den die meisten Aktienmärkte besitzen – keinerlei Muster enthält, das nicht auch durch Zufall entstanden sein könnte. Dementsprechend sind selbst Experten oder Computer nicht in der Tat in der Lage, Kursdiagramme, die per Zufallsgenerator (mit einprogrammierter Aufwärtsdrift) erzeugt wurden, von echten Kursdiagrammen zu unterscheiden. Salopp formuliert: "Der Wertpapiermarkt hat kein Gedächtnis". Es tauchen zwar laufend gegenteilige Pressemeldungen über irgendwelche "neu entwickelten funktionierenden" Prognosemodelle auf, aber die betreffenden Institutionen sind den entsprechenden Beweis bisher schuldig geblieben. Die Random Walk-Hypothese gilt in der Finanzwissenschaft jedenfalls als bisher nicht widerlegt.

Trifft nun tatsächlich neue Information (also unerwartete Erkenntnisse) im Markt ein, passt sich der Marktpreis rasend schnell, buchstäblich innerhalb von Sekunden an. (Viele Untersuchungen habe für die meisten Börsen Zeiträume zwischen fünf Sekunden und wenigen Minuten festgestellt.) Für das Bekanntwerden der neuen Information im Markt braucht es keine spezielle Verlautbarung; das Reagieren der einzelnen Marktteilnehmer auf die Information selbst sorgt bereits für ihre Übertragung.

Sollte es doch einmal länger dauern bis neue Information im Kurs einfließt, werden gewiss nicht Privatanleger davon profitieren. Fast 90% des weltweiten Wertpapierhandels geht von sogenannten institutionellen Marktteilnehmern aus (das sind Banken, Investmentfonds, Broker, Versicherungen, staatliche Kapitalsammelstellen wie die Sozialkassen, Großunternehmen etc.). Kein Privatanleger – auch nicht im Zeitalter des Internets – hat eine echte Chance in diesem "Rennen" mitzuhalten, genau so wenig wie er mit einem VW Golf in der Formel 1 gewinnen könnte.

Ungeachtet der praktischen Unmöglichkeit systematisch ausbeutbarer Kursprognosen, wird niemand bestreiten, dass es nicht doch "irgendwo da draußen" oder irgendwann in der Zukunft eine Anlagestrategie gibt oder geben wird, mit der man konsistent Überrenditen erzielen kann. In der Tat wurden in der Vergangenheit immer wieder einfache und komplexe Strategien bekannt, die genau das taten. Überwiegend basieren diese Strategien auf der Ausbeutung sogenannter "Marktanomalien" (miss pricings). Indes wiederholte sich bei all diesen vermeintlichen Erfolgsstrategien das folgende Muster: Sobald die Strategien bekannt wurden, verpuffte ihre Wirksamkeit. Wie das?, Nun, wenn jemand quasi mit dem Finger auf ausbeutbare Marktanomalien zeigt, indem er sie laufend mit Gewinn ausbeutet, wird die ganze Anlegergemeinschaft darauf aufmerksam, und alle "steigen ein". Damit treibt die "Herde" den Preis für diese Investmentchance nach oben, und die Strategie verliert ihre Wirkung. Dieses blitzschnelle "Wegarbitrieren" von Gelegenheiten zur Erzielung von Überrenditen, ist ein Hauptmerkmal effizienter Märkte, zu denen die Wertpapiermärkte zweifellos gehören.

Ein weiteres Argument: Wer systematisch richtige Prognosen (nach der oben genannten Definition) abgeben könnte, wäre in kürzester Zeit Mulitmilliardär. Warum: Nun? Er könnte leicht zeigen, dass er immer oder jedenfalls in mehr als der Hälfte der Fälle richtig liegt. Damit könnte er – sofern er die Finanzmittel nicht selber besäße – problemlos Anlagegelder bei Investoren und Kreditgebern einsammeln. Durch entsprechend großvolumige Anlagen könnte er, selbst, wenn seine Trefferquote nur geringfügig über der statistischen Zufallswahrscheinlichkeit läge, in wenigen Monaten einen nach oben hin praktisch unbegrenzten Gewinn erzielen.

John Kenneth Gailbraith, ein bekannte Wirtschaftswissenschaftler, bemerkte einmal zum Thema Wirtschaftsprognosen sarkastisch: "Wir haben zwei Klassen von Prognostikern: die, die nichts wissen, und jene, die nicht wissen, dass Sie nichts wissen."
Avatar
schrieb am 16.02.01 12:45:14
Beitrag Nr.35 
(2.922.273)
Antwort
Zitat
Über die Wertlosigkeit von Kursprognosen

G`rad` deshalb bin ich persönlich von diesem Moneybee-Projekt (http://www.moneybee.de) so begeistert... ;)

Dort wird ja - so mancher hat hier Getri`s Beitrag gelesen - mit wissenschaftlich überprüfbaren Formeln eine statistische Wahrscheinlichkeit ermittelt, anhand der man das Kursverhalten mit relativer(!) Genauigkeit vorhersagen kann. Mittlerweile ist auch die Trefferwahrscheinlichkeit annehmbar!

Gruß aus dem Norden


Loafer

IIIII III
Avatar
schrieb am 16.02.01 16:31:53
Beitrag Nr.36 
(2.924.210)
Antwort
Zitat
@Joe_Cool:
Genau, die Autoren von dem Buch, das ich genannt habe, mach(t)en diese Webpage. Vielleicht hast Du ja noch etwas im Cache?

Gerade nach den heutigen NASDAQ/Nemax-Erfahrungen bin ich, so hoffe ich, ready, mein Depot indexbasiert aufzubauen. Zocken ist nicht meine Welt - habe ich leidvoll erfahren müssen. :)

Tschüss




Ulrich
Avatar
schrieb am 18.02.01 15:34:26
Beitrag Nr.37 
(2.931.935)
Antwort
Zitat
@Denki, ja - hab` ich, J:cool:e

II.19 Renditevergleiche, die Indexfonds benachteiligen

Vergleichen zwischen aktiven Anlagefonds und Indexfonds (bzw. Indizes selbst) wird von den Finanzmedien und Anlegern hohe Bedeutung beigemessen, da diese Vergleiche die "ewige Frage" beantworten sollen, ob aktive Fonds oder Indexfonds "besser" sind. Abgesehen von der schlichten, Tatsache, dass die durchschnittliche aktive gemanagte Geldeinheit aus schierer mathematische Notwendigkeit unter dem Index liegen MUSS, kranken fast alle diese Vergleiche an krassen methodischen Unzulänglichkeiten. Diese Mängel wirken sich durchweg zugunsten aktiver gemanagter Fonds aus. Man kann deswegen mit Fug und Recht von unfairen Vergleichen sprechen. In den wenigen Studien ohne diese methodischen Fehler, ist die Quote der aktiv gemanagter Fonds, die an ihrem Vergleichsindex bzw. einem vergleichbaren Indexfonds scheitern, noch höher als die üblichen 50 bis 80%.

Bevor wir zu den eigentlichen Untersuchungsfehlern kommen, noch kurz die Antwort auf die Frage, warum die durchschnittliche aktiv gemanagte Geldeinheit mathematisch zwingend unter dem Index liegen muss. Nun der Marktindex ist ein geldeinheitengewichteter Renditedurchschnitt aller in diesem Markt investierten Gelder. Folglich liegt in jeder Periode die eine Hälfte aller Gelder (vor Kosten) über, die andere Hälfte unter dem Marktdurchschnitt (Index). Das war vor 1000 Jahren so und wird in 1000 Jahren so sein. Die Efficient Market Theorie erklärt darüber hinaus, warum die eine Hälfte logisch notwendiger Outperformer (vor Kosten) nicht ausschließlich Profianleger sind, sondern sich etwa repräsentativ aus allen Anlegergruppen (auch Privatanlegern) zusammensetzt. Die Kosten des Anlegens sorgen dann dafür, dass nicht 50% der Anleger unter dem Index liegen sondern bis zu 95%, und zwar mit durchschnittlich etwa 2,2%-Punkten (das sind die statistischen Anlagekosten pro aktiver investierter Geldeinheit, die clevere Buy-and-Hold-Indexanleger aber problemlos auf 0,5% senken können).

Doch von dieser ebenso grundsätzlichen wie oft übersehenen Feststellung, dass in methodisch korrekten Vergleichen praktisch niemals mehr als die Hälfte aller Fonds über ihrer Benchmark liegen können, abgesehen: Worin bestehen die unfairen Fehler in den meisten Vergleichen und Rankings zwischen aktiven Fonds und Indexfonds?

Die Mehrzahl der Vergleiche/Studien ignoriert das jeweilige Risiko der untersuchten Fonds und vergleicht eindimensional nur die Rendite. Im Durchschnitt weisen jedoch aktive Fonds höhere Risikograde (Volatilitäten) aus als Index-Fonds. Ein Vergleich auf der Basis risikoadjustierter Renditen (z.B. Sharpe Ratio) oder andere Formen der gleichzeitigen Berücksichtigung von Rendite und Risiko würden dieses Problem lösen.

Die Mehrzahl der Vergleiche/Studien vergleicht unsinnigerweise Bruttorenditen, das heißt, diese Studien ignorieren die für den einzelnen Anleger tatsächlich anfallenden Transaktionskosten (vor allem Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühr und Depotbankvergütung). Diese Transaktionskosten sind jedoch bei aktive gemanagten Fonds/Portfolios bis zu fünfmal höher als bei passiv gemanagten Indexportfolios.

Fast alle Vergleiche/Studien ignorieren den so genannten Survivorship bias (dt. "Ungleichgewicht in Richtung Überlebende"). Etwa drei bis fünf Prozent aller aktiv gemanagten Fonds werden jährlich aufgrund mangelhafter Performance aufgelöst. Dies führt dazu, dass die kollektive Performance der Gruppe der aktiv gemanagten Fonds als ganze besser ausgewiesen wird als in Wirklichkeit gerechtfertigt, da die "Pleitefonds" laufend aus der Kalkulation herausfallen. Der Survivorship Bias verbessert die durchschnittliche Jahresrendite aller aktiv gemanagten Fonds in der Statistik um einen bis zwei Prozentpunkte, je nach Fondssegment und betrachteter Zeitperiode.

Die Mehrzahl der Vergleiche/Studien erfolgt auf der Basis absurd kurzer Anlageintervalle von einem Jahr oder sogar weniger. Dabei ist es geradezu ein Branchen-Mantra (und ein gerechtfertigtes in diesem Fall), dass niemand in Aktienfonds investieren solle, der nicht mindestens einen Anlagehorizont von drei Jahren hat. Welchen Sinn machen dann Fonds-Rankings auf 6- oder 12-Monatsbasis, wie sie laufend in der Presse durchgeführt werden? Auf alle Fälle gilt: Je länger das Vergleichsintervall, desto höher die Quote der aktiven Fonds, die an ihrem Vergleichsindex scheitern.

Obwohl es mathematisch praktisch unmöglich ist, dass mehr als die Hälfte aller Fonds über dem Marktindex liegen, geht genau das aus vielen publizierten Tabellen hervor. Die Ursache für dieses Paradoxon hängt stets mit dem Äpfel-Birnen-Vergleichsproblem zusammen. Die entsprechenden Fonds repräsentieren nicht genau dieselbe Asset-Klasse wie der Vergleichsindex. Beispielsweise gibt es wohl keinen deutschen (aktiven) Blue-Chip-Fonds der nicht auch außerhalb der 30-Dax-Aktien investiert. Trotzdem wird so gut wie nie der H-Dax – die in diesem Fall korrektere Benchmark verwendet – sondern eben der Dax, weil den alle kennen. Strenggenommen ist das zwar irreführend, aber eben üblich. Um den Charakter dieses unscheinbaren, allgegenwärtigen Fehlers nur geringfügig überspitzt zu illustrieren: Wenn man Emerging Market-Fonds mit dem Dax vergleicht, ist es nicht verwunderlich, wenn 99% und mehr aller aktiven Fonds besser als der Index sind.

Tatsache ist und bleibt: Bei den weltweit seriösesten, wissenschaftlichen Untersuchungen zur langfristigen Performance aktiv gemanagter Fonds bestätigt sich immer und immer wieder das folgende Ergebnis: (a) Nach Berücksichtigung von Kosten und Risiko liegen bis zu 90% und mehr aller aktiv gemanagten Fonds unter ihrem Vergleichsindex oder einem preisgünstigen Indexfonds. (b) Die wenigen aktiven Outperformer-Fonds sind nicht im vorhinein identifizierbar und wechseln von Periode zu Periode. Mehr als ein Dutzend der renommiertesten Studien, die dies belegen, nennen wir im Abschnitt "Studien zur Überlegenheit von Indexing".
Avatar
schrieb am 19.02.01 05:09:56
Beitrag Nr.38 
(2.934.272)
Antwort
Zitat
@Joe_Cool:

Der letzte Abschnitt Deines Postings müsste doch allen, aber auch allen Fonds-Investoren zu denken geben. Warum dann noch über "Dividendenstrategie" oder Biotech-Fonds nachdenken? Weil es Spass macht, aber nicht, weil es vernünftig ist.


Denki, der kurz davor ist, zum Indexer Denki zu werden
Avatar
schrieb am 19.02.01 15:14:35
Beitrag Nr.39 
(2.937.329)
Antwort
Zitat
@Denki,

diese Texte entsprechen ja nicht unbedingt meiner Meinung, ich stelle die einfach mal zur Diskussion. Je langfristiger man das Ganze betrachtet, desto weniger scheint man mit Indexanlagen falsch machen zu können. Allerdings weiß ich nicht, ob es hier noch irgendwelche "Langfrist-Investoren" gibt :D . Mir selbst ist die langfristige Denkweise letztes Jahr auch nicht so gut bekommen, obwohl ich "meinen" Index geschlagen habe. Allerdings war das der Nasdaq-100 und nicht der MSCI-World-Index, entscheidend ist also auch, welchen Index man nimmt.

J:cool:e

Hier noch ein Vergleich zwischen den einzelnen Index-Anlagen, wichtig:
Zertifikate beinhalten ein Bonitätsrisiko des Emittenten.

Avatar
WarrenFruehstuecksBuffet
schrieb am 19.02.01 15:24:41
Beitrag Nr.40 
(2.937.401)
Antwort
Zitat
@Joe Cool
Was soll Ich machen, wenn Ich seit 1996 im DWS Vermögensbildungsfonds I investiert bin? 400% Plus sind nicht von schlechten Eltern, und mit Indexzertifikaten hätte Ich nicht halb soviel an Performance gewonnen. Nun ist es müßig, eine Wette einzugehen, wie die nächsten Jahre verlaufen werden. Aber die Gewißheit, daß hier ein ausgezeichneter Manager namens Kaldermorgen diesen Fonds noch Jahre begleiten wird, läßt mich ruhigen Gewissens investiert bleiben, Statistiken hin oder her. Ich bin sicher, auch bei der nächsten "Fünf-Jahres-Bilanz" Ende 2005 deutlich besser dazustehen als mit einem Indexzertifikat, unabhängig davon, ob es bis dorthin noch bessere Fonds geben sollte. Solange der Index deutlich geschlagen wird, sollte man ruhig in diesen Fonds investiert bleiben.
Gruß Warren :)

[ Seite: 12345131415neuster Beitrag ]

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