ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ECUADOR
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Wirtschaftspolitik: Das Ringen um die Gunst des IWF
Mit dem Gerichtsurteil, das die Mehrwertsteuererhöhung von 12 %
auf
14 %, Kernstück einer Steuerreform, für verfassungswidrig erklärte,
hat
die Regierung einen monatelangen Nervenkrieg verloren. Dies
stellte
erneut das IWF-Beistandsprogramm in Frage, dessen Fortsetzung
der
Fonds von der Umsetzung der Steuerreform abhängig gemacht
hatte.
Aber Ecuador konnte den IWF überzeugen: der Staatshaushalt
dürfte
trotz des Debakels um die Mehrwertsteuer auch in diesem Jahr
einen
Überschuss aufweisen, denn die Staatseinnahmen entwickeln sich,
unter anderem infolge des hohen BIP-Wachstums, überraschend
gut.
Doch das Ringen um die Gunst des IWF setzt sich fort. Um
weitere
Mittel - und damit auch dringend benötigte Kredite anderer
multilatera-
ler Gläubiger - zu erhalten, muss Ecuador unter anderem den
Banco
del Pacífico stärken, der in einem Jahr reprivatisiert werden soll,
und
überfällige Schuldendienstzahlungen an den Pariser Club
leisten.
(Anmerkung K1 Zahlun an Pais C. ist mittlerweile erfolgt,
s.Post#2). Wir
gehen von der Fortsetzung der IWF-Hilfe aus, wobei es in Ecuador
bei
der Schaffung der Voraussetzungen jedoch zu weiteren
Verzögerun-
gen kommen kann. Allen Problemen zum Trotz gibt es aber auch
einen
wichtigen strukturpolitischen Fortschritt: Anfang November billigte
der
Kongress die Zulassung privater Pensionsfonds.
Konjunktur: Pipelinebau treibtWachstum
Das Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr deutlich höher
ausfal-
len als bisher erwartet. Hauptwachstumsmotor ist der Bau der
OCP-
Erdölpipeline, der gut zwei Jahre andauern soll und ein
Investitionsvo-
lumen von über 1 Mrd. US$ umfasst. Im ersten Halbjahr stieg das BIP
im
Vorjahresvergleich um 7,3 %. Wir rechnen 2001 und 2002 mit
Zuwäch-
sen von 6 % bzw. 3,5 %. Aber zu bedenken bleibt, dass Ecuadors
Wirt-
schaft, die vor drei Jahren in eine schwere Krise geraten war, in
diesem
Jahr damit nur wieder ungefähr das Niveau des Jahres 1998
erreicht.
Zahlungsbilanz: Leistungsbilanz fällt ins Defizit
Die Außenwirtschaftsbilanzen verschlechtern sich. Die
Erdölexporte
dürften 2001 infolge der niedrigeren Preise um ca. 0,5 Mrd. auf
unter
2 Mrd. US$ fallen, die Importe aufgrund der Einfuhren im
Zusammen-
hang mit dem Bau der Ölpipeline stark steigen. Wir rechnen im
Gesamt-
jahr 2001 mit einem Leistungsbilanzdefizit von ca. 0,7 Mrd. US$;
2002
dürfte es sich, durch einen preisbedingten weiteren Rückgang
des
Ölexports und zunehmende Importe, noch ausweiten. Obwohl die
Aus-
landsinvestitionen im Zuge des Pipelinebaus 2001 merklich zu
steigen
begannen, bleibt Ecuador, um die ohnehin niedrigen
Devisenreserven
(Importdeckung nur gut 1 Monat) zu halten, auf multilaterale
Kredite
angewiesen.
Luz Knees 040 3595 3488
Quelle: Dresdner Bank Lateinamerika Perspektiven 12/2001
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