Was ein erotisches Gedicht ausdrücken kann und darf

    Schon die alten Griechen und Römer ließen sich inspirieren und verfassten Gedichte von zeitloser Schönheit, die bis heute jeder verstehen kann. Diese antiken Werke werden gern als Vorbild erotischer Poesie gesehen.

    Fantasien und Sehnsüchte und erotische Träume beflügeln seit alters her den Geist der Menschen. Sie haben sich über die Moralbegriffe einiger Epochen hinweggesetzt und sich den Tugendwächtern widersetzt, die die sogenannten guten Sitten gefährdet sahen. Schon immer hat die Kunst der Erotik gehuldigt und dies in der Dichtung, in Romanen, in der Malerei, in der Fotografie und in Filmen ausgedrückt. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt, dass es Zeitalter gab, in denen man erotische Regungen zu unterdrücken versuchte. In anderen Epochen hingegen wie in der Zeit des Rokoko zwischen 1710 und 1730 ging man mit den Facetten der Erotik spielerisch und zudem öffentlich um. Man befand sich in der Zeit der Frühaufklärung.

    Bereits in der Antike betonten die griechischen Philosophen die Einheit von Körper, Geist und Seele. Bis heute halten viele Menschen das Ideal hoch, das in der Harmonie zwischen körperlicher, geistiger und romantischer Liebe besteht. Damit ist eine ausgewogene Verbindung zwischen Sexualität, Erotik und Liebe gemeint. Nicht jedem fällt es leicht, zwischen diesen drei Ebenen die Balance zu halten. Die Erotik wird durch viele verschiedene, manchmal kaum wahrnehmbare Reize angeregt. Jeder kennt dieses gewisse Prickeln beim Ansehen von Bildern oder Filmen, beim Hören einer bestimmten Musik oder der Stimme seines Schwarms oder auch beim Lesen von Geschichten, in denen es um nicht eingestandene oder noch nicht offenbarte Gefühle geht.

    Aus diesem Zusammenhang erklärt sich auch, dass die Erotik nicht vulgär ist, sondern vorwiegend mit der Fantasie und mit Anspielungen aktiv ist. Dies wird besonders deutlich in erotischen Gedichten, an denen sich jedermann versuchen kann. Dafür gibt es zahlreiche Vorbilder in der Literatur nahezu aller Kulturvölker. Von den vergangenen Jahrhunderten bis heute haben viele bekannte Dichter wie z. B. Heinrich Heine (1797-1856) oder Bertolt Brecht (1898-1956) erotische Lyrik geschrieben, gereimte oder ungereimte Gedichte verfasst, Erotik in kunstvolle oder aber auch volkstümliche und humoristische Verse gekleidet. Wer daran Interesse findet, kann in Antiquariaten stöbern oder zu Hause die Gedichtbände wieder einmal zur Hand nehmen. Auch im Internet finden sich viele Beispiele für gelungene und manchmal auch leicht verunglückte Gedichte mit erotischem Inhalt. Wenn man als Laie also ausprobiert, ob es einem gelingen kann, erotische Gedanken und Gefühle in poetischer Form auszudrücken, ist es empfehlenswert, sich an einige Regeln zu halten. Sonst läuft man möglicherweise Gefahr, dass das Ergebnis etwas platt oder gar pornografisch ausfällt. Falls man beim Dichten beispielsweise eine bestimmte Person vor Augen hat, die man mit dem eigenen Werk zu überraschen gedenkt, sollte man sich wie bei einem Flirt verhalten. Erlaubt sind Andeutungen und frivole Anspielungen, mit denen die Absicht des Gedichtes verdeutlicht werden. Bei der Wortwahl ist Vorsicht geboten, sie sollte elegant und feinfühlig sein, damit ein wirklich als erotisch empfundenes Gedicht entstehen kann. Der Empfänger oder die Empfängerin soll dadurch angeregt oder elektrisiert werden, aber sich nicht abgestoßen fühlen. Man darf Erwartungen und Hoffnungen wecken und eine gewisse Irritation erzeugen. Aber man sollte nie vergessen, dass sich Erotik in erster Linie im Kopf abspielt - genau das macht ihren Reiz und ihren Charme aus.

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