Landkreis Hildburghausen bundesweiter Corona-Brennpunkt

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
23.11.2020, 19:21  |  244   |   |   

(durchgehend aktualisiert)

ERFURT/HILDBURGHAUSEN (dpa-AFX) - Nachdem der Südthüringer Landkreis Hildburghausen einen bundesweiten Höchstwert beim Corona-Infektionsgeschehen erreicht hat, werden dort alle Kitas und Schulen geschlossen. Das gelte ab Mittwoch, hieß es am Montag aus dem Gesundheitsministerium. Der Landkreis und die Landesregierung hatten sich auf diesen Schritt verständigt. Für den gesamten Landkreis sind zudem strengere Kontakt- sowie Ausgangsbeschränkungen geplant.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erreichte die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage je 100 000 Einwohner am Montag im Kreis Hildburghausen den Stand von 396. In keinem anderen Landkreis in Deutschland war die Sieben-Tagen-Inzidenz laut RKI höher. Ein Abschwächen ist nach Einschätzung des Landrats Thomas Müller vorerst auch nicht in Sicht: "Wir werden jetzt Richtung 500 marschieren", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz. Er hatte schon länger gefordert, die Schulen und Kitas zu schließen.

Klare Infektionsherde sind Müller zufolge kaum mehr auszumachen. Inzwischen gebe es flächendeckend in allen Institutionen Corona-Fälle. Schulen, Kitas, Verwaltungen, Polizei und auch Altenheime seien massiv betroffen. "Das geht querbeet durch alle Altersschichten", sagte der Landrat. Das örtliche Infektionsgeschehen sei auch deshalb bemerkenswert, weil es sich um einen Flächenlandkreis ohne wirkliche Ballungsgebiete handle. "Das sind 63 000 Einwohner auf einer Fläche von rund 937 Quadratkilometern."

Wie der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur sagte, sei geplant, dass alle Kinder und Schüler sowie das pädagogische Personal nach fünf Tagen mit Hilfe von Schnelltests auf eine Infektion mit dem Corona-Virus getestet werden. Dafür habe das Gesundheitsministerium bereits 11 000 Antigen-Schnelltests organisiert. Für die Testungen habe die Bundeswehr Unterstützung zugesagt, hieß es.

Nach Ministeriumsangaben ist für Kinder im Landkreis die Betreuung abgesichert. Für den gesamten Landkreis sei eine neue Verordnung geplant, die unter anderem auch strengere Kontaktbeschränkungen enthalte, sagte der Sprecher. Zudem werde es Ausgangsbeschränkungen geben. Das Zuhause dürfe nur noch aus triftigen Gründen verlassen werden, etwa für den Weg zur Arbeit oder für Bewegung an der frischen Luft. "Wir müssen vor die Welle kommen und diese brechen", sagte Müller. Er appellierte aber auch an die Menschen, von sich aus Kontakte auf das Notwendigste zu beschränken.

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