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Zinswende oder Liquiditätsschwemme? Zinswende oder Liquiditätsschwemme?

Gastautor: Eike Hamer
11.06.2018, 13:34  |  2002   |   |   

Zinswende oder Liquiditätsschwemme?

Können die Zentralbanken überhaupt aus ihren Hilfsprogrammen noch aussteigen oder sind sie zur weiteren, nicht mehr kontrollierbaren Liquiditätsausweitung gezwungen?

Genau diese Fragestellung beschäftigt die institutionellen Anwender im Hinblick auf die weitere Zinsentwicklung. Dies ist für sie wichtiger als alles andere geworden, weil Aufsichtsbehörden wie z.B. das Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen (BaFin), aber auch in den USA die großen Kapitalsammelstellen wie Versicherungen oder Pensionskassen, dazu gezwungen wurden, den weit größten Teil ihrer Anlagen in Anleihen – also Schuldpapieren – anzulegen. Mit dem Zwang glaubten sich verantwortungslose Regierungen automatsich am Kapitalmarkt ihre Haushaltsdefizite finanzieren zu können.

catch (e) {} Zunehmend ist aber dieses automatische Staatsfinanzierungssystem ins Wanken gekommen, weil immer mehr Anleger den Staaten – zu Recht – nicht mehr trauen und besonders riskante Anleihen verkauften.

Um die Zinsen weiter in Richtung null zu manipulieren entschließen sich die Notenbanken mit den Regierungen dazu, mit frisch gedrucktem Geld die nicht mehr erwünschten Anleihen einfach aufzukaufen; also zu monetarisieren (Schuldenfinanzierung mit der Druckerpresse). Im Ergebnis sitzen sowohl die Notenbanken als auch die zur Hilfe der Freunde und Bekannten aus der Finanzindustrie eingerichteten „Hilfstöpfe“ wie z.B. dem EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität), dem ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus = Europäisches Schuldenmonster) auf Billionen zum Teil ausfallbedrohter Anleihen. Nicht nur eigene Staatsanleihen wurden gekauft, sondern die Freude und Bekannte wie z.B. Goldman Sachs, Deutsche Bank etc. wurden auch von ihren unerwünschten ausfallbedrohten übrigen Investments befreit und deren zukünftiger Ausfall dem Steuerzahler zugemutet. Dieser haftet nämlich für die außerhalb jeglicher demokratischer oder rechtlicher Kontrolle agierenden Hilfstöpfe.

Um einerseits Verluste (in den ggf. zum Teil illegal erworbenen Anlagen) zu vermeiden und die Finanzierungskosten der überschuldeten Staaten niedrig zu halten, ist die Notenbank quasi dazu gezwungen, die Zinsen weiterhin niedrig zu halten. Dagegen entwickelt sich nun der Markt – besonders der weltweit dominante US-Markt – mit steigenden Zinsen. Nun zeigt sich, daß die politisch motivierte Klientelpolitik der EZB fatale Folgen hat. Wartet die EZB weiter mit einer Normalisierung der Zinsen, verliert sie das Zepter der Handlungsfähigkeit, muß zukünftig auf weitere Zinssteigerungen aus den USA reagieren und riskiert eine zukünftige unkontrollierbare Inflation. Erhöht sie die Zinsen, weil sie dies ohnehin bald tun muß, riskiert sie den politischen Unmut der Regierungen überschuldeter EU-Staaten.

Die Frage dürfte leicht zu beantworten sein, ob die Liquiditätsschwemme anhält. Allerdings hat die Zinswende außerhalb der Eurozone bereits begonnen, so daß sie von dort aus auch die Entwicklungen in der Eurozone bestimmen wird. Wie sollte man sich auf die Entwicklung einstellen? Gibt es z.B. Lösungen, die in beiden Szenarien richtig wären?

 

Mehr dazu unter www.hamerbrief.de


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