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Attraktive Unternehmensanleihen in der Niedrigzinsphase - ein Musterdepot

Gastautor: Dr. Viktor Heese
15.04.2019, 12:56  |  371   |   |   

Nullzinsen, unerschwingliche Immobilienpreise und 2018 einbrechende Aktienkurse - der deutsche Sparer scheint in eine böse „Anlagefalle“ geraten zu sein. So hoffnungslos ist die Lage für den Risikoaversen, welcher Aktien scheut, jedoch nicht. Vor allen sind die Nullzinsen ein weit verbreiteter Mythos. Wir haben zwar eine Tiefzinsphase. Risikoarme Bundesanleihen, gute EU-Anleihen (kein Griechenland, kein Italien!) und Anleihen solider Großkonzerne werfen jährlich über 4% Renditen ab. Davon wissen die meisten Sparer nichts in Zeiten des „Anlagenotstands“ und investieren primär in Fonds, ETFs oder Zertifikate. Folgender Beitrag richtet sich an Börseneinsteiger und Nicht-Renten-Anleger.  

Negativ- und Nullzinsen gibt es de facto nicht, Fest- und Termingelder bleiben aber unattraktiv

Das Internet ist voll von „Toplisten“ über Sparzinsen, die zeitlich und von der Anlagehöhe oft nur Lockangebote für eine Geschäftsanbahnung der Banken sind. Für sechsmonatige Anlagen liegen die meisten Angebote unter 1%, bei 10J.-Anleihen bis 1,8%. Furore macht seit Jahren das Portal Weltsparen, welches höhere Zinsen im EU-Ausland und eine gleiche Sicherheit (Einlagesicherung bis 100.000 €), wie in Deutschland insinuiert. Die Zuständigkeit ausländischer Gerichte und die fremden AGBs werden hier nur im Kleingedruckten erwähnt https://www.weltsparen.de. Auch ein permanenter Anbieterwechsel in diesem Minizinsbereich ist keine seriöse Strategie. 

Neben Minizinsen werden in Deutschland immer häufiger „gebührenähnliche“ Negativzinsen erhoben https://www.focus.de/finanzen/banken/girokonto/privatkunden-aufgepasst ... und auch die Bargeldhaltung wird immer teurer https://www.n-tv.de/ratgeber/So-steuern-Banken-ihre-Kunden-article2049 .... In diesem negativen Umfeld wären Anleihen mit Renditen von über 4% ein Top-Investment. Wo gibt es diese heute noch?

Anlage in langlaufende Anleihen mit hohen Kupons 

Eine überzeugende Rentenstrategie in heutiger „Notzeit“ kann am Beispiel der 4,625% VW Hybridanleihe 2014/2026/unch (WKN: A1ZE21) demonstriert werden, die am 14.04.2019 bei 107,16% notierte. Auf dieser Kursbasis errechnet sich die laufende Rendite von 4,31%, die von der Aussage der Dividendenrendite gleicht. Am 24.03.2026 wird der Festkupon auf variabel umgestellt und kann zu 100% (Rückzahlungsoption des Emittenten) zurückgezahlt werden. Wer diese Anleihe bis zur Endfälligkeit hält, erzielt eine geringere Engfälligkeitsrendite (Gesamtrendite) von noch 3,60% (Rechnung: 7 Jahre x 4,625% Kupon minus 7,16% Kursverlust geteilt durch 7). Wenn der Emittent nicht insolvent wird, erzielt der Rentenanleger diese Gesamtrendite immer – anders als der Aktienanleger seine Dividendenrendite. 

Aussteigen vor dem Beginn der Endfälligkeitskonvergenz (Umstellungskonvergenz)

Was kurs- und renditemäßig in der Zwischenzeit 14.4.2019 - 23.03.2026 alles passieren kann, bleibt ein süßes Geheimnis der Börsen. Dennoch wäre der Rentenanleger mit 4,31% zufrieden, wenngleich nicht gesagt ist, dass der Kurs über 107,16% nicht steigen und es mehr wird. Umgekehrt wäre es besser vor dem 23.03.20126 auszusteigen, bevor die sukzessive Anpassung an den Rückzahlungskurs 100% erfolgt. Wie lange die Anleihe theoretisch gehalten werden sollte, drei, vier Jahre oder länger und in welche alternativen Titel sie danach getauscht werden sollte, hängt vom Können des Anlegers (Managers) ab. 

Das Universum der Anlagekandidaten ist auf einige Dutzende begrenzt 

Neben den vorgenannten Prämissen hoher Kupon und lange Laufzeit ist bei der Auswahl noch auf weitere Ausschluss- bzw. Aufnahmekriterien (ausreichende Rating, nur in Euro, Stückelung bei Kleinanlagen, keine Zinsänderungsklauseln bei Ratingänderungen) zu achten. Der Anleger setzt die Kriterien selber fest und weiß, dass folgendes gilt: je höher die Renditechance umso höher auch das Risiko. Hier gibt es jedoch eine Ausnahme: ein absoluter Verlust ist ausgeschlossen, wenn von vorne herein Titel mit einer noch positiven Gesamtrendite ins Depot genommen werden. 

In der EU sind viele interessante französische, niederländische und österreichische Anleihen, wie auch Bundes- und Landesanleihen - hier Baden- Württemberg, NRW und Hessen, – mit laufenden Renditen über 4% aber Gesamtrenditen von nur „Null“ zu finden. Bonitätsunbedenkliche Großkonzerne wie Volkswagen, OMV (Österreich), RWE oder die Deutsche Telekom weisen Renditewerte von bis 5% aus. Bei 6% (Italien- Anleihen!) wird es kritische Wer geschickt in langlaufende Anleihen mit einem hohen Kupon investiert und umschichtet, wird seine Altersvorsorge eher aufbauen können als mit den lahmen Riester-Produkten.

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