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Wachstumsmarkt Nahrungsergänzungsmittel

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Gastautor: Martin Brosy
13.05.2020, 00:24  |  3616   |   

Der seit Jahren sichtbare Wachstumsmarkt im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel setzte sich auch 2019 weiter fort. Dabei sind Vitamine, Mineralstoffe und allgemeine Nahrungsergänzungsmittel der starke Motor des Trends - Verlierer sind die Probiotika.

Mit fast drei Millionen Packungen mehr als im Vorjahr setzte sich das überdurchschnittliche Wachstum im Bereich der Vitamine und Mineralstoffe fort. Insgesamt wurden mehr als 75 Millionen Einheiten verkauft. Noch deutlicher wird der Vergleich zu 2018 beim Umsatz. Dieser stieg um sieben Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, ein Plus von 240 Millionen Euro.

Die umsatzstärkste Nische bilden hier die Magnesiumpräparate mit 16 Millionen verkauften Packungen und 210 Millionen Euro Umsatz. Aber auch der Bereich der Vitamin-B-Produkte erfreut sich steigender Beliebtheit. Im Vergleich zu den letzten fünf Jahren stieg der Absatz von zwei Millionen Packungen auf über acht Millionen pro Jahr. Im gleichen Zeitraum wuchs der Umsatz von 114 Millionen Euro auf 172 Millionen Euro.

Neben Magnesium sind auch Vitamin-C-Präparate ein wichtiger Umsatztreiber. Hier wurden mehr als 29,2 Millionen Einheiten verkauft. Auch die Multivitamine zeigten sich im vergangenen Jahr äußerst stark, mit 24,7 Millionen abgesetzten Verpackungen.

Die meisten der Packungen, knapp 36 Prozent, werden in Drogerien verkauft, etwas weniger mit 33 Prozent in Apotheken. Der Rest der Käufe verteilt sich auf eigene Bestellungen im Versandhandel, von denen rund 15 Prozent auf Onlineapotheken entfallen. Der Umsatz der Onlineapotheken wuchs dabei im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent.

Mehr als zwei Drittel der deutschen Bevölkerung haben schon einmal Nahrungsergänzungsmittel eingenommen oder können sich dies zukünftig vorstellen. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov, an der mehr als 1.000 Menschen ab 18 Jahren teilnahmen, möchten 61 Prozent der Befragten Ihre allgemeine Gesundheit fördern, 36 Prozent einer Erkältung vorbeugen, 39 Prozent die Körperfunktionen optimieren und 33 Prozent die körperliche Fitness verbessern.

Saisonale Einflüsse auf den Absatz von Nahrungsergänzungsmitteln

Getragen wurde das Wachstum im Jahr 2019 vor allem durch den steigenden Trend der Selbstmedikation. Diese stieg im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent. Die Zahl der Verordnungen hingegen nur um ein Prozent. Der milde Jahresanfang im ersten Quartal 2019 sorgte durch einen geringeren Bedarf an Erkältungs- und Grippemitteln sowie immunstärkende Nahrungsergänzungsmittel für ein schwächeres Wachstum der Verordnungen.

Das zweite Quartal 2019 war wettermäßig durchwachsen und endete mit einem Wärmerekord. Durch die im April und Mai gestiegene Anzahl an Erkältungs- und Grippe-Erkrankungen erhöhte sich die Nachfrage nach immunstärkenden Nahrungsergänzungsmitteln um etwa 15 Prozent gegenüber dem Quartal 2018.

Ein wechselhaftes drittes Quartal mit starken Temperaturschwankungen setzte diesen Trend fort. Die Nachfrage stieg um ebenfalls 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein milder Winter im vierten Quartal sorgte zwar für einen leichten Aufwärtstrend, dieser flachte aber im direkten Vergleich zum Vorjahr im Dezember wieder ab.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Als Nahrungsergänzungsmittel werden Lebensmittel mit Nährstoffen in konzentrierter Form bezeichnet, die als Kapseln, Tabletten oder Ampullen erhältlich sind. Sie sollen die normale Ernährung ergänzen und enthalten Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe die auch in Lebensmitteln vorkommen. Neben Vitaminen oder Mineralien können sie auch pflanzliche Stoffe wie Johanniskraut oder tierische Bestandteile wie Fischöl enthalten.

Nahrungsergänzungsmittel sind freiverkäuflich und nicht nur in Apotheken erhältlich. Laut Gesetz dürfen sie jedoch nicht wie ein Arzneimittel wirken und auch nicht mit gesundheitsbezogenen Versprechen beworben werden.

Trotz Ihrer vermeintlichen Harmlosigkeit stehen Nahrungsergänzungsmittel aber teils auch in der Kritik, denn unter Umständen nimmt der Körper mehr Vitamine, Mineralien und andere Inhaltsstoffe auf, als es durch normale Ernährung üblich wäre. Verbindliche gesetzliche Höchstmengen gibt es kaum, lediglich Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Eine Einführung verbindlicher Höchstmengen soll aber auf europäischer Ebene eingeführt werden.

Nahrungsergänzungsmittel in der Kritik

Obwohl Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich sind, sollte man sie nicht ohne guten Grund einnehmen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. „Das Wissen ist für die Risikokommunikation wichtig, denn eine zu hohe Dosis an Vitaminen und Mineralstoffen kann in einigen Fällen der Gesundheit schaden“, so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Bei einer abwechslungsreichen Ernährung erhält der Körper in der Regel alle Nährstoffe, die er braucht. Es gibt nur wenige Ausnahmen: Beispielsweise Folsäure für Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere.“

So seien Nahrungsergänzungsmittel, für gesunde Menschen mit einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung in der Regel überflüssig. Dagegen können zu hohe Dosen an vermeintlich harmlosen Vitaminen durchaus Nebenwirkungen haben.

Kritisch sieht das BfR auch manche Nahrungsergänzungsmittel aus Pflanzen-, Algen-, Pilzen- oder Flechtenextrakten. Denn dort ist eine Risikobewertung aufgrund der Vielzahl an enthaltenen bioaktiven Substanzen oft nur schwer möglich.

Auch die sehr beliebten CBD-Produkte, deren Inhaltsstoffe aus der Cannabispflanze gewonnen werden, stehen in der Kritik. Laut Verbraucherzentrale hat das enthaltene CBD zwar keine berauschende Wirkung, kann aber durchaus unerwünschte Nebenwirkungen wie Benommenheit, Schläfrigkeit, aber auch Schlaflosigkeit und innere Unruhe mit sich bringen.

Nahrungsergänzungsmittel-Trends 2019

Die 2018 stark im Trend liegenden Probiotika konnten Ihr starkes zweistelliges Wachstum 2019 nicht fortsetzen. Der Absatz von probiotische Nahrungsergänzungsmitteln, die zur Verbesserung des Verdauungstraktes eingesetzt werden, wuchs 2019 nur um sechs Prozent (sechs Millionen Packungen), der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 11 Mio. Euro.

Ein starker Trend zeigte sich bei den CBD-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln. Diese cannabidiol-haltigen Produkte fallen aufgrund ihrer fehlenden berauschenden Wirkung nicht unter das Arzneimittelgesetz und können als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden. Ihr Umsatz stieg 2019 um 16 Millionen Euro, im Vergleich zum Umsatz von einer Million Euro in 2018 ein beachtliches Wachstum.

Das seit Jahren stagnierende Wachstum im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel im Muskel-/Gelenksegment setzte sich auch im vergangenen Jahr fort.

Ausblick auf 2020

Ein Ausblick auf das Jahr 2020 gestaltet sich schwer, denn die Auswirkungen der Corona-Krise sind nur schwer abzusehen. Ein allgemeiner Trend bei den immunstärkenden Nahrungsergänzungsmitteln ist laut Experten zu erwarten. Neben den bekannten Nahrungsergänzungsmitteln könnte sich in diesem Jahr das aus Weizenkeimen gewonnen Polyamin Spermidin, dass einen ähnlichen Effekt auf den Zellreinigungsprozess der Zellen wie Fasten haben soll, als Trend zeigen. Begründet wird das zu erwartende Wachstum durch eine Studie der Charité Berlin und des Universitätsklinikums Bonn, die eine Wirkung des Nahrungsergänzungsmittels auf Covid-19 untersucht.  Auch das Wachstum der CBD-haltigen Mittel wird sich in diesem Jahr voraussichtlich fortsetzen, falls die Extrakte der Cannabispflanze weiterhin als so genanntes “Novel-Food”, ein neuartiges Lebensmittel, gelten. Manche Bundesländer haben einige CBD-Produkte bereits vom Markt genommen, Gerichtsverfahren laufen aktuell noch. Bis dahin werden die Produkte weiter im Handel angeboten. Sollten sich die Zulassungsbedingungen jedoch auf Bundesebene ändern, kann dies auch einen großen Einfluss auf das weitere Wachstum in diesem Segment haben.




Disclaimer

Wachstumsmarkt Nahrungsergänzungsmittel Der seit Jahren sichtbare Wachstumsmarkt im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel setzte sich auch 2019 weiter fort. Dabei sind Vitamine, Mineralstoffe und allgemeine Nahrungsergänzungsmittel der starke Motor des Trends - Verlierer sind die Probiotika.