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Forex-Report Trump unter Druck – Märkte zeigen Nervosität

Gastautor: Folker Hellmeyer
17.05.2017, 09:48  |  1734   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1108 (08.02 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1023 im europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 112.44. In der Folge notiert EUR-JPY bei 124.90. EUR-CHF oszilliert bei 1.0921.

Politik setzt Akzente:
Das Drama um Präsident Trump/Russland will kein Ende nehmen. Das Thema Russland/Trump steht weiter massiv im Raum. Die damit verbundene Thematik eines möglichen Amtsenthebungsverfahrens schürt Unsicherheiten. Unsicherheiten sind die Katalsyatoren der Risikoaversion.
Die Reaktion der Märkte auf dieses politische Konstellation in den USA ist zunächst erhöhte Nervosität.

Als Beobachter der politischen Szene in den USA ergeben sich Auffälligkeiten.
Die vermeintliche Weitergabe von sensiblen Informationen bezüglich Terrorgefahren gegenüber Russland durch Trump wird als Staatsverrat verunglimpft.
Ist nicht der eigentliche Skandal, dass diskretionäre Gespräche auf höchster Ebene durch Lecks öffentlich gemacht werden. Fakt ist, dass dieser massive Rechtsverstoß gar nicht diskutiert wird – das wirft Fragen auf.

Ist es nicht unser aller Interesse, den IS- und Taliban & Co.Terror zu bekämpfen, da er uns alle bedroht? Ist nicht auch anzuerkennen, dass Russland in der Bekämpfung des IS sehr erfolgreich war? War nicht dieser Erfolg, der zu einer Beruhigung der Lage in Syrien führte, wesentlich für den Rückgang der Flüchtlingszahlen aus dieser Region heraus?
Bedeutet diese in den USA im Raum stehende Argumentation der Gegner Trumps, dass IS-Terror gegen Russland aus ihrer Sichtweise heraus tolerierbar ist?

Mehr noch fällt auf, dass die neokonservativen Kreise, die in der demokratischen und republikanischen Partei als auch in der Administration Washingtons fest verankert sind, in den USA ein aggressives Feindbild Russlands pflegen und verschärfen und Trump um jeden Preis loswerden wollen, da er sich diesem ideologischen Weltbild bisher im Grundsatz verweigerte.
Die Neokonservativen in den USA pflegen eine Ideologie. In Deutschland wissen wir aus dem letzten Jahrhundert, dass Ideologien gekoppelt mit Macht hohe Risikopotentiale in sich bergen.

Wer ist das Risiko für die Welt – die neokonservativen Kreise, die für Regime Change Politik der letzten 16 Jahre und deren desaströsen Folgen stehen oder ein Präsident, der die Deeskalation auf seiner Agenda hat und Gespräche führt, nachdem die Vorgängerregierung genau dieses Gesprächsformate eskalierend abgebrochen hatte?
Wir erleben nach meiner Ansicht einen epischen Kampf zwischen diesen Kräften in den USA, der für die Welt je nach Ausgang erhebliche Konsequenzen haben wird.

Es gibt einen Ausspruch: Frieden ernährt – Unfrieden verzehrt!
Das hat man in Afghanistan, im Irak, in Libyen, in Syrien und der Ukraine gespürt. Gibt es daraus Lernkurven (auch in der EU)?

Fakt ist, dass Politik eine weiter bestimmende Rolle für die globale Wirtschaftslage als auch die Entwicklung an den Finanzmärkten hat.

Der deutsche ZEW-Index lieferte per Berichtsmonat Mai zwei Erkenntisse:
Die befragten Finanzanalysten bewerten die aktuelle Lage als extrem gut in einem historischen Kontext. Der Index erklomm mit 83,9 Punkten nach zuvor 80,1 Zählern (Prognose 82,0 Punkte) das dritthöchste Niveau in der bis 1991 im Chart dargestellten Historie.

Der Sentimentindex, der die Erwartungshaltung abbildet, legte per Mai von 19,5 auf 20,6 Punkte zu. Damit verfehlte der Index den bei 22,0 Zählern angesiedelten Prognosewert.

Die Handelsbilanz der Eurozone reüssierte mit einem Aktivsaldo in Höhe von sportlichen 30,9 Mrd. Euro nach zuvor 17,8 Mrd. Euro. Die Prognose lag bei 26,5 Mrd. Euro.
Der Chart illustriert eindrucksvoll die wiedererlangte Konkurrenzfähigkeit der Reformländer der Eurozone als auch die Tatsache, dass das Produktangebot aus der Eurozone attraktiv am Weltmarkt ist.

Das BIP der Eurozone lieferte den Erwartungen entsprechend per 1. Quartal 2017 einen Anstieg im Quartalsvergleich um 0,5%, im Jahresvergleich um 1,7% und in der annualisierten Fassung von 2,0%.

Fazit Eurozone: Die Konjunktur läuft rund!

Der Datenpotpourri der USA lieferte Licht und Schatten:
Die Industrieproduktion in den USA lieferte per Berichtsmonat April mit einem unerwarteten Anstieg um 1,0% (Prognose 0,4%) eine markante Überraschung im Monatsvergleich. Damit kam es zum stärksten Anstieg seit Februar 2014.
Im Jahresvergleich stieg die Produktion damit um circa 2,2% per April.
Bemerkenswert ist der Beitrag der US-Automobilindustrie. Dort kam es zu einem Anstieg um 5,1%. Ohne diesen Sektor lag die Zunahme der Gesamtproduktion bei nur 0,6%.
Weil sich zuletzt im Automobilsektor ein deutlicher Absatzrückgang einstellte, stellt sich die Frage, wie trendfähig dieses Produktionsvolumen im Automobilsektor vor diesem kritischen Hintergrund ist?

Die US-Kapazitätsauslastung stellte sich in der Folge auf 76,7% nach zuvor 76,1% (Prognose 76,3%).

Dagegen enttäuschten die Daten aus der Baubranche der USA.
Die Neubaubeginne sanken per April im Monatsvergleich unerwartet um 2,6% auf 1,172 Objekte. Die Prognose war bei 1,260 Mio. Objekten angesiedelt.
Auch die Anzahl der Baugenehmigungen fiel von 1,260 Mio. auf 1,229 Mio. Genehmigungen (Pognose 1,270 Mio.).
Wir sind nicht bereit, den Stab über der Baubranche zu brechen.
Wir sind sehr wohl bereit, diesen Sektor der US-Baubranche auf den Radarschirm der Risiken zu setzen.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0820-1.0850 dreht den Bias zu Gunsten des USD.

Viel Erfolg! 



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