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Grüner Fisher "Deutschland nach der Wahl"

Gastautor: Thomas Grüner
05.10.2017, 10:41  |  394   |   |   

Was wird derzeit übersehen?

Man kann es nicht übersehen. Die Politikverdrossenheit und der Wille zum Protest zahlreicher Wähler sind und waren hoch! Deshalb sollte man die Stimmenwanderung von allen Parteien hin zur AfD auch nicht exklusiv der Unzufriedenheit bezüglich der Flüchtlingskrise zuschreiben. Die Gründe sind wesentlich vielschichtiger: Man fühlt sich übergangen, von der Politik im Stich gelassen. Die ersten Reaktionen nach der Wahl bestärken uns in diesem Eindruck. Jeder gegen jeden. Auch innerhalb der Parteien. Horst Seehofer und Martin Schulz bangen um ihre Jobs. Die Kanzlerin ist angeschlagen. Und jetzt?

Umbruch bei der SPD - aber wie?

Der Schulz-Effekt muss neu definiert werden: Totale Realitätsverweigerung! Martin Schulz reagiert wie ein angeschlagener Boxer und sucht sein Heil in der Offensive! Nach einer derart katastrophalen und historischen Niederlage hätte man eher vermutet, dass Schulz Verantwortung übernimmt, zurücktritt und sein Scheitern als Kanzlerkandidat einräumt. Weit gefehlt! Selbst viele ehemalige SPD-Leitfiguren schütteln die Köpfe und kritisieren Martin Schulz heftig. Die vormalige „100 %-Bestätigung“ innerhalb der SPD wankt. Viele fragen sich: Hat Martin Schulz den Verstand verloren? Den Einzug in die Opposition regelrecht zu „feiern“, dieses Verhalten der kompletten Parteispitze ist mehr als kurios.

Übertragen auf die Börse hat Martin Schulz einen regelrechten Crash hingelegt: Im Höhepunkt der „Schulz-Euphorie“ erreichte die SPD in den Umfragewerten 36 Prozent, davon sind die Wahlergebnisse nun meilenweit entfernt: Fast jeder zweite Wähler ging im Verhältnis zu den Hochpunkten der Umfragen im Frühjahr verloren. Im Vergleich zu 1998, als die SPD 40,9 Prozent erreichte und mit Gerhard Schröder den Bundeskanzler stellen konnte, hat sich der Wählerzuspruch glatt halbiert.

Die wichtigen Fragen für die Zukunft, die noch keiner stellt

In den allgemeinen Diskussionen nach der Bundestagswahl gehen die wichtigen Faktoren völlig unter. Der deutsche Staat profitiert in gigantischem Ausmaß vom Niedrigzinsumfeld, und wird dies auf absehbare Zeit tun. Deutschland wird finanzpolitisch noch viele Jahre in einem Szenario leben, in dem der deutsche Staat sein Schuldenportfolio sukzessive umwälzen kann, langfristig aufgenommene Schulden fast nicht mehr verzinsen muss und im kurzfristigen Bereich mit Negativzinsen sogar noch Geld verdient! Die entscheidende Frage bleibt damit: Wie will die neue Regierung diese gigantische Ersparnis, diese substantielle Verbesserung der Schuldendienstsituation und den dadurch entstehenden finanziellen Spielraum im Sinne seiner Bürger nutzen? Der Spielraum für Wachstumsimpulse und Steuersenkungen ist enorm. Es gilt vor allem, die Investitionsbereitschaft der Bürger und Unternehmen, die weiterhin enorme Anlagesummen unverzinst bunkern, zu initiieren.

Fazit

Aus Anlegersicht bleibt ein geringes legislatives Risiko bestehen. Eine Regierung, gleich in welcher Konstellation, wird sich nicht auf bahnbrechende Projekte einigen können. Das ist positiv für die Aktienmärkte! Ganz egal, welche Ergebnisse die schwierigen Koalitionsverhandlungen am Ende liefern, spürbaren Gegenwind für die Börse wird es auf absehbare Zeit eher nicht geben. Die große Koalition ist ebenfalls noch nicht endgültig vom Tisch! Sollten die Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition scheitern, kann es gut sein, dass auch die handelnden Personen noch ausgetauscht werden. Mal sehen, ob wir am Jahresende noch alle heutigen Parteivorsitzenden an Bord haben.


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Gastautor

Thomas Grüner ist Gründer und Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung „Grüner Fisher Investments“ mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern. Grüner Fisher Investments arbeitet eng mit „Fisher Investments“, einem der größten amerikanischen Vermögensverwalter zusammen. Weitere Informationen unter: www.gruener-fisher.de. Bitte beachten Sie den dort hinterlegten Disclaimer sowie die Nutzungsbedingungen.

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