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Infrastrukturfonds: Lukrative Alternativen für die Niedrigzinsphase

Bauwerke, in die man investieren kann, müssen längst nicht immer die typischen Gewerbeimmobilien oder Häuser und Wohnungen für die Vermietung sein. Das wissen mittlerweile auch einheimische Anleger sehr gut, institutionelle wie private. Die Nachfrage nach Infrastrukturobjekten für die Geldanlage ist weltweit in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Das hat viele Gründe. Zu den wichtigsten gehören zum einen die seit langer Zeit sehr niedrigen Zinsen im Bereich der festverzinslichen Anlagen, die überschaubare Risiken aufweisen. Zum anderen aber auch einigermaßen verlässliche Rahmenbedingungen und Cashflows sowie ein Schutz vor Vermögensschäden aufgrund von Inflationsfolgen, die Investments im Bereich der Infrastruktur versprechen. Hinzu kommt, dass im Immobiliensektor aufgrund der hohen Nachfrage die Zahl der wirklich attraktiven Büro- und Wohnimmobilien enorm begrenzt ist. So sucht sich das Kapital alternative Wege, um Rendite zu erwirtschaften.

Vor allem Großanleger wie zum Beispiel Versicherungen oder Private-Equity-Gesellschaften haben diese Assetklasse für sich entdeckt und viele Milliarden investiert. Europa ist eine beliebte „Location“ für die Investments, was sich gleich auf mehrere Faktoren zurückführen lässt. So sind sichere Eigentumsrechte ein wichtiges Argument für Europa, zudem existiert auf dem Kontinent ein entsprechendes Angebot an Infrastrukturanlagen. Viele solcher Projekte sind staatlicher Art und die europäische Staatsschuldenkrise nötigt die öffentliche Hand geradezu, mit den Ausgaben vorsichtiger umzugehen. So steigt trotz aller Kritik zum Beispiel die Zahl der „Public-Private-Partnerships“, kurz PPP, enorm an – eine große Tummelwiese für Infrastrukturinvestoren aller Art.


Infrastrukturanlagen locken mit interessanten Renditen...


Die Erfahrungen mit solchen Investitionen sind bisher positiv ausgefallen. So weist zum Beispiel Joachim Häger, Leiter Wealth Management Deutschland, Deutsche Asset & Wealth Management, in der Börsen-Zeitung auf „bessere Renditen bei gleichzeitig geringeren Schwankungen gegenüber globalen Aktien“ hin. Gerade in Zeiten, wo die festverzinslichen Renditen niedrig sind und die Aktienmärkte hohe Kursgewinne verzeichnet haben, ist daher das Interesse bei Kapitalanlegern hoch. Die Arten der Infrastrukturprojekte, in die investiert werden kann, sind enorm unterschiedlich, seien es Energienetze, Wasserversorgungs- bzw. entsorgungsnetze, Verkehrswege, Tunnel und Brücken, öffentliche Gebäude wie zum Beispiel Krankenhäuser oder Schulen, oder Logistik- und Mobilitäts-Großprojekte wie Flug- und Schiffshäfen. Die Infrastrukturinvestoren sorgen dabei für die Finanzierung und den Bau der Objekte, anschließend übernimmt man gegen Entgelt für einen im Vorfeld bestimmten Zeitraum den Betrieb. Trotz aller positiven Erfahrungen, auf die Häger anspielt, sind Infrastrukturinvestments alles andere als risikofrei. Die Nutzungsverträge für Infrastrukturobjekte sind meist enorm langfristig angelegt, weshalb Sicherheit der Investition und Inflationsschutz eine enorme Rolle spielen. Vereinbarungen in solchen Verträgen über steigende Entgelte bieten daher ebenso wie der Sachwert, in den das Geld der Anleger fließt, einerseits einen gewissen Schutz gegen Inflationsschäden für das Vermögen des Investors.


… aber lange Kapitalbindungen sind die Regel


Investoren müssen sich andererseits aber darauf einstellen, dass ihr Kapital je nach tatsächlicher Ausgestaltung des Infrastrukturprojekts über 10, 20 und mehr Jahre gebunden sein kann, wenn man sich direkt an solchen Projekten beteiligt, statt zum Beispiel den Umweg über börsennotierte Gesellschaften oder offene Fonds zu gehen. Wer sich im Wege eines geschlossenen Fonds im Infrastruktursektor engagiert, der geht eine langfristige unternehmerische Beteiligung ein, die sich im Zweifelsfall, wenn überhaupt, nur mit Schwierigkeiten über einen Zweitmarkt vorzeitig verkaufen lässt. Geht alles gut, winken allerdings als Belohnung Renditen im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich. Doch die Anlagedauer bringt natürlich Risiken mit sich, wie immer bei Langfristanlagen. Entsprechend wichtig ist es, dass sich interessierte Anleger im Vorfeld genau über das Investment informieren. Bedeutend sind vor allem die Rahmenbedingungen staatlicher Natur. Sitzt die öffentliche Hand mit im Boot, vor allem bei Projekten wie zum Beispiel Schulen, ist dies ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor für den Investor. Wichtig sind zudem stabile politische Rahmenbedingungen, insbesondere was das Eigentum angeht. Das wird deutlich, wenn man sich ein negatives Extrem vor Augen hält: Kein Investor sieht sich gerne von Enteignungen bedroht. Hinzu kommen weitere Fragen, die sich speziell mit dem einzelnen Infrastrukturprojekt oder dem Projektportfolio beschäftigen, in das man investiert. Wie realistisch sind die erwarteten Zahlungsströme, zum Beispiel bei mautfinanzierten Verkehrswegen, wie ist die Kreditfinanzierung ausgestaltet, bestehen notwendige Versicherungen oder sind Risiken für das Objekt vorhanden, in Deutschland zum Beispiel durch Naturkatastrophen wie Bergschäden, Orkane oder Überschwemmungen. Liegt das Projekt im Ausland, kommen gesonderte Risiken hinzu, unter anderem durch anders geprägte Rechtssysteme und Währungskursschwankungen.


Anleger sollten sich ausführlich beraten lassen


Um eine umfassende Beratung im Vorfeld einer Vertragsunterzeichnung wird daher aufgrund der Komplexität der Materie kaum ein Anleger herum kommen. Man sollte sich für die Anlageentscheidung ausreichend Zeit nehmen, auch um den Emissionsprospekt genau zu studieren. Zu beachten sind dabei neben den bereits geschilderten Risiken solcher Investitionen zudem noch typische Fallstricke bei geschlossenen Fonds. Für Anleger ist dabei insbesondere die Frage nach den weichen Kosten von Interesse. Das sind Gelder des Anlegers, die nicht ins Infrastrukturobjekt investiert werden, sondern die der Fonds für andere Zwecke ausgibt. Hiermit wird unter anderem der Vertrieb der Fondsanteile finanziert, regelmäßig machen diese Ausgaben einen größeren Teil der weichen Kosten des Fonds aus. Im Rahmen einer Beratung müssen Banken dem Kapitalanleger umfassend Auskunft über solche Kick-Back-Zahlungen geben. Unterlässt der Finanzdienstleister dies oder schönt zum Beispiel die Risiken eines Infrastrukturangebots, so können Schadenersatzpflichten entstehen, wenn das Infrastrukturprojekt sich entgegen der Erwartungen entwickelt und Probleme entstehen.


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