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B2B in Deutschland Starkes Wachstum prognostiziert

Gastautor: Klaus Singer
06.09.2000, 15:33  |  215   |   |   

Die Boston Consulting Group (BCG) erwartet in einer neuen Studie, dass in drei Jahren in Deutschland insgesamt 14 Prozent des Handels zwischen Unternehmen (B2B) elektronisch abgewickelt wird. Diese Rate steigt bei Konzernen mit mehr als 5 Mrd. Euro Umsatz auf 26 Prozent. Nur 10 Prozent ist der Anteil bei Firmengrößen unter 250 Mio. Euro Umsatz.


Diese Entwicklung führt dazu, dass das im Verhältnis der Unternehmen untereinander elektronisch abgewickelte Geschäftsvolumen von fast 180 Mrd. Euro in diesem Jahr auf mehr als 420 Mrd. Euro im Jahre 2003 steigt. BCG unterscheidet dabei zwischen dem auf EDI (Electronic Data Interchange) beruhenden Anteil, der nur noch um jährlich 8 Prozent steigt, und dem über Internet abgewickelten Teil, der mit 68 Prozent pro Jahr zunehmen soll.


Es wird aber wohl noch 5 bis 10 jahre dauern, bis B2B wirklich zum alles beherrschenden Medium in der Kunden-Lieferanten Beziehung der Unternehmen untereinander geworden ist. Das hängt vor allem damit zusammen, dass bisher einheitliche, praktikable Standards fehlen. Zudem ist die durchgängige Integration der IT-Systeme in der logistischen Kette aufwendig. Es sei jedoch falsch, so die Autoren der Studie, die Hände in den Schoß zu legen. Selbst wenn es noch zwei bis drei Jahre dauern könne, bis sich die Sieger im Rennen um die beste Technologie und de facto Standards herauskristallieren, müssen die Firmen die Zeit nutzen, um ihre Unternehmensdaten durchgängig elektronisch verfügbar zu machen.


Die Studie stellt ferner fest, dass die Betreiber von B2B-Portalen derzeit unter großem Druck stehen. Das Angebot wachse. Von den 130 virtuellen Marktplätzen in Deutschland werden nur die überleben, die genügend Transaktionsvolumen gegenieren könnten. Dabei gilt als Faustregel mind. 1,5 Mrd. Euro pro Jahr. Ein weiterer Punkt beim Kampf ums Überleben sei es, die Kunden zu binden, was angesichts des Überangebots nicht gerade einfach sei. Vielschichtige Angebote seien besser geeignet, Kunden zu halten als eine zu große Spezialisierung. Außerdem müssten zusätzliche Dienstleistungen wie Logistik und Zahlungsabwicklung angeboten werden.


Große Konzerne der alten Ökonomie hätten hier Vorteile. Sie verfügen über etablierte Beziehungen zu ihren Lieferanten, eine eingespielte Logistik, Präsenz im Weltmasstab und Branchen Know-how.


Besonders pessimistisch ist die Studie bezüglich der Start-ups. Man glaubt, dass von den etwa 80 Marktplätzen, die in diese Kategorie fallen, nur ein Drittel selbstständig bleiben werden. Die anderen werden verschwinden oder in Kooperationen aufgehen.


B2B und die Transaktionskosten


Die Studie der Bosten Consulting Group spricht das Thema der Transaktionskosten nicht direkt an. Sie sind jedoch in B2B-Prozessen ein, wenn nicht der entscheidende Punkt. Hier liegt wahrscheinlich die wahre Revolution des elektronischen Handels zwischen den Unternehmen begründet.


Der VW-Vorstand hat vor einigen Monaten einmal vorgerechnet, was für ein Einsparpotenzial im Beschaffungswesen schlummert. So wurde erklärt, dass ein Hammer mit einem Listenpreis von 20 DM bei traditioneller Bestellweise im VW-Konzern am Ende 200 DM kostet. Pro hergestelltem PKW ergäbe sich in der Summe sogar ein Einsparpotential von 7.300 DM, wenn die elektronischen Medien durchgängig und optimal genutzt würden.


Das sind sensationelle Zahlen. Sie gelten nicht nur für VW und werden von Wettbewerbern in ähnlichen Größenordnungen gesehen.


Analysten taxieren die Transaktionskosten, die nicht zur eigentlichen Wertschöpfung beitragen, im Durchschnitt auf etwa die Hälfte der Kosten eines Industrieunternehmens (vgl. z.B. FAZ v. 23.2.00).


B2B hilft, diese Transaktionskosten zu reduzieren und so erhebliche Kosten zu sparen. So entfällt zum Beispiel auch die aufwendige Suche nach geeigneten Vertragspartnern, traditionelle Ausschreibungsverfahren werden überflüssig.

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