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Langzeit-Studie Entspanntes Anlegen kann sich auszahlen

14.09.2018, 09:42  |  675   |   |   

Mancher Marktteilnehmer hält in Zeiten des Algorithmenhandels und immer schneller agierender Märkte die „Buy-and-hold-Anlagestrategie“ für überholt. Zahlreiche Studien zeigen jedoch, dass sich langfristiges Anlegen auch heute noch durchaus lohnen kann.

Viele Privatanleger sind derzeit ratlos und wissen nicht, wie sie investieren sollen. Schlägt man vor, die Finanzen selbst in die Hand zu nehmen, gucken viele nur ungläubig: Selbstbestimmtes Anlegen erscheint den meisten Sparern noch immer zu kompliziert. Doch man muss kein Börsenprofi sein, um seine Finanzen selbst zu regeln. Auch muss man nicht ständig aktiv handeln, selbst wenn mancher Marktteilnehmer den Anlegern suggeriert, dass langfristiges Anlegen in Zeiten des schnellen Algorithmenhandels keinen Sinn mehr macht. US-Börsenguru Warren Buffet zeigt mit seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway, in der zum Teil seit Jahrzehnten Aktien wie Coca-Cola, Wells Fargo, American Express oder Procter & Gamble schlummern, wie erfolgreich solch langfristiges Investieren ohne ständiges Hin und Her auch heute noch funktionieren kann. Bestätigt wird er dabei durch verschiedenste Studien.

Aktives Investieren lohnt sich langfristig nur selten

So zeigen die Ergebnisse von Fondsmanagern aktiv verwalteter Investmentfonds, dass Market Timing und das Herausfiltern bestimmter vermeintlich attraktiver Aktien oder Anleihen nur in den seltensten Fällen gelingt. Dies bestätigte zum Beispiel zuletzt die Untersuchung S&P Indices Versus Active Funds (SPIVA) Europe Scorecard – Jahresergebnisse 2017. Sie stellte Ende des Jahres 2017 die Performance-Daten von Fonds den jeweiligen Benchmarks gegenüber. Das Ergebnis ist ernüchternd. Bei Exchange Traded Products (ETPs) auf europäische Aktien gelang es über einen Zeithorizont von fünf Jahren gerade einmal 27 Prozent und über zehn Jahre hinweg nur 15 Prozent der Fondsmanager, den jeweiligen Referenzindex zu schlagen. Deutlich schlechter ist das Ergebnis noch bei Investmentfonds auf Aktien aus den Anlageregionen USA, Welt und Schwellenländer. Hier schafften dies auf Sicht von zehn Jahren gerade einmal zwischen ein bis drei Prozent. Trotz viel Aufwand und bestem Know-how, unter Zuhilfenahme aller wichtigen Analysesysteme, gelang es also nur den wenigsten Investmentprofis den Markt zu schlagen. Wieviel schwieriger ist dies für den weniger versierten Privatanleger. Ein Grund dafür sind hierbei auch die anfallenden Transaktionskosten. Hin und Her macht bekanntlich die Taschen leer. Außerdem funktioniert Market Timing in den seltensten Fällen.

Zehn beste Tage verpasst – außer Spesen nichts gewesen

Ein Grund dafür: Nur wenige Tage entscheiden über den Anlageerfolg einer Geldanlage. Ist man an diesen nicht investiert, reduziert sich die Rendite deutlich. Das zeigte zuletzt eine Studie der Fondsgesellschaft Fidelity International für den Zeitraum 1999 bis Ende Mai 2016. Das Ergebnis: Investierte ein Anleger 1999 ohne Unterbrechung 1.000 Euro in den MSCI Europe, so hätte er sich nach 17 Jahren über einen Betrag von 1.992 Euro freuen können. Das Kapital hätte sich knapp verdoppelt. Der Investor erwirtschaftete in diesem Fall eine jährliche Rendite von rund vier Prozent jährlich. Verpasste der Investor hingegen nur die zehn besten Börsentage in diesem Zeitraum, weil er gerade nicht investiert war, reduzierte sich der Anlagebetrag nach 17 Jahren auf 1.021 Euro. Das entspricht einer Rendite von gerade einmal 0,1 Prozent. Unter Abzug der Inflationsrate verliert der Anleger bei dieser Variante also Geld. Und kein Anleger weiß zuvor, wann diese besten Tage sind.

Buy-and-Hold schlägt Rendite-Jäger

Bestätigt wird die Buy-and-hold-Strategie auch durch eine inzwischen schon etwas ältere Studie der US-Fondsgesellschaft Vanguard. Die Fondsgesellschaft analysierte dazu den Zeitraum zwischen 2004 und 2013. Innerhalb dieser Zeit ließ Vanguard zwei unterschiedliche Strategien gegeneinander antreten. Einmal ein aktiver Ansatz, der versucht, immer die erfolgreichsten Fonds auszuwählen und einmal ein klassischer Buy-and-hold-Ansatz. Beide Strategien hatten die Wahl aus 3.568 in den USA zugelassenen Fondsprodukten. Während der aktive Handelsansatz nur auf Produkte setzte, die in den drei Jahren zuvor überdurchschnittliche Renditen erzielt hatten, investierte die Buy-and-hold-Strategie in jeden der verfügbaren Fonds. Die aktiven Rendite-Jäger trennten sich immer dann von Fonds, wenn diese auf Sicht von drei Jahren eine unterdurchschnittliche Rendite erzielt hatten. Die Buy-and-Hold-Strategie blieb den Fonds immer treu, außer das Produkt wurde eingestellt.

Die Ergebnisse der Studie sind überraschend eindeutig. Die Buy-and-Hold-Strategie erzielte im zehnjährigen Beobachtungszeitraum die beste Rendite. Besonders bemerkenswert: Vanguard untersuchte reine Value-Produkte, Wachstums-Fonds und Mischformen. Auch analysierten die Experten Small-, Mid- und Large Caps getrennt voneinander. Das Ergebnis zeigt jedes Mal, dass es rentabler ist, Fonds über einen langen Zeitraum zu halten, statt zu versuchen, immer auf die Gewinner-Fonds zu setzen.

Vanguard erklärt dies damit, dass die vergangene Rendite kein Indiz für die künftige Rendite sein kann. Auch mahnt die Fondsgesellschaft an, dass Anleger verstehen müssen, dass Schwächephasen bei Fondsprodukten dazu gehören und sich nicht vermeiden lassen. Es sei wichtig, dass Anleger in solchen Phasen nicht von ihrer Investment-Strategie abweichen. Die Studie hat klar gezeigt, dass sich Konsequenz durchaus auszahlen kann.

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