WOCHENAUSBLICK Zwischen Corona-Angst und Konjunkturhoffnung

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
29.06.2020, 05:50  |  537   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch in der neuen Woche dürfte sich der deutsche Aktienmarkt im Spannungsfeld zwischen der Furcht vor einer zweiten Welle der Corona-Neuinfektionen und wirtschaftlichen Hoffnungssignalen bewegen. Nach der nun schon dreimonatigen Erholungsrally könnten kurzfristig weitere Gewinnmitnahmen nicht ausgeschlossen werden, bemerkten die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zumal mit der anstehenden Bekanntgabe der Unternehmenszahlen zum zweiten Quartal offensichtlich werden dürfte, wie stark die Corona-Pandemie auf die Konzern-Ergebnisse durchgeschlagen habe.

So hatte der Dax sich von seinem März-Tief von 8255 Punkten zwischenzeitlich um mehr als die Hälfte auf etwa 12 900 Punkte erholt, bevor ihm jüngst ein wenig die Luft ausging. Allerdings hielt sich der Dax in der vergangenen Woche wieder größtenteils über der Marke von 12 000 Punkten.

Die jüngsten Kursrücksetzer am Aktienmarkt seien zuletzt immer rasch durch neue Käufe kompensiert worden. Wegen der aktuellen Sorgen um eine mögliche zweite Corona-Welle habe die Nervosität der Anleger nun wieder zugelegt. Dies betreffe insbesondere die USA, wo Lockerungsmaßnahmen möglicherweise zu früh verkündet worden seien, betonte Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank. In Europa seien hingegen bisher nur gravierende Einzelfälle massiver Neuausbreitung verzeichnet worden, die mit Maßnahmen begrenzt werden könnten. "Solange dies gelingt, dürfte die zweite Welle in Europa glücklicherweise ausbleiben, allerdings bleibt sie als Risiko bestehen", so Schickentanz.

Helaba-Analyst Markus Reinwand verwies darauf, dass der Dax trotz zuletzt aufgehellter Konjunkturperspektiven nicht mehr vom zuletzt deutlichen Anstieg der Ifo-Erwartungen für die kommenden sechs Monate profitiert habe. "Dies unterstützt die These, dass Aktien zu schnell zu viel Positives vorweggenommen haben. Nun ist die Luft sehr dünn geworden - auch weil die Pandemie längst noch nicht überstanden ist", erklärte Reinwand.

Zudem seien Aktien weltweit recht hoch bewertet. Deutsche Standardwerte notierten auf Basis der wichtigsten absoluten Bewertungskennziffern leicht oberhalb des fairen Bereichs. "Jetzt müssen die Fundamentaldaten das nachvollziehen, was Aktien schon vorweggenommen haben. Für die kommenden Monate besteht somit kaum Aufwärtspotenzial für Dividendentitel", stellte der Analyst fest und empfiehlt: "Angesichts des derzeit nicht sonderlich attraktiven Chance-Risiko-Verhältnisses sollten für den Kauf von Aktien mögliche Schwächephasen abgewartet werden."

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