Im Interview mic AG vor Neubewertung: „Hidden Champion“ Pyramid mit Reverse IPO

Nachrichtenquelle: 4investors
05.11.2020, 06:58  |  1373   |   |   

Paukenschlag bei mic: Das Unternehmen geht mittels Reverse IPO mit Pyramid zusammen. Vorstand Andreas Empl sieht u.a. Chancen im Bereich der Digitalisierung. Analysten errechnen Kursziel für die „neue mic“ von 4,00 Euro.

Paukenschlag bei der mic AG: Die im Segment Scale gelistete Gesellschaft geht mittels Reverse IPO mit Pyramid, einem Marktführer von Self-Ordering- und Self-Checkout-Terminals, zusammen. Die Hintergründe und Chancen des „neuen“ Unternehmens erläutert mic-Vorstand Andreas Empl im Interview mit unserer Redaktion: „Als operativ tätige Gesellschaft mit einem profitablen Umsatz von über 50 Millionen Euro eröffnen sich uns und unseren Aktionären ganz neue Perspektiven.“ Diese Chancen sind unter anderem im Bereich der Digitalisierung zu finden. Analysten sehen den fairen Wert der „neuen mic“ bei 4,00 Euro je Aktie.

Die mic AG, bisher als Beteiligungsgesellschaft aktiv, richtet sich neu aus. Was steckt hinter der angekündigten Übernahme der Pyramid Computer GmbH?

Empl: Eine ganze Menge. Denn die mic AG fokussiert ihr Geschäft künftig auf Pyramid. Sie richtet sich damit komplett neu aus und wandelt sich in eine operativ tätige Hightech-Gesellschaft. Voraussetzung ist, dass die Akquisitionsfinanzierung klappt.

Pyramid dürfte nur wenigen unserer Leser etwas sagen. Könnten Sie deren Geschäftsmodell bitte kurz vorstellen?

Empl: Die in Freiburg ansässige Pyramid Computer GmbH ist ein klassischer „Hidden Champion“, ein grundsolides deutsches Mittelstandsunternehmen, das sich als führender Spezialist für innovative Automatisierungslösungen in den Bereichen Retail, Hospitality sowie Lebensmittelhandel etabliert hat. Pyramid existiert seit 35 Jahren und entwickelt und produziert mit seinen rund 130 Mitarbeitern moderne Hardware-Lösungen für spezielle digitale Anwendungssituationen vor Ort, zum Beispiel das sogenannte „Self-Ordering“ oder für die Selbstverwaltung beim Check-out-Prozess am Point of Sale (PoS). Die digitale Kiosk-Technologie von Pyramid ermöglicht Endkunden u. a. mittels Touchscreen Bestellungen aufzugeben und selbstständig abzuschließen. Pyramid hat bis heute weltweit mehr als 40.000 Self-Service-Terminals gebaut und ausgeliefert.

Das heißt, viele Endkunden sind bereits mit Pyramid-Produkten in Berührung gekommen, ohne es zu wissen?

Empl: Mit Sicherheit. Als prominentes Beispiel möchte ich an dieser Stelle einen Hinweis auf die größte „Fast-Food“-Kette der Welt geben, die in vielen Restaurants bereits „Self-Service-Terminals“ von Pyramid einsetzt. Zu den Pyramid-Kunden zählen aber auch weitere internationale Top-Brands aus dem Finanz- und Industriesektor sowie Lebensmittel- und Einzelhandel. Ebenso vertraut ein Tochterunternehmen der Bundesdruckerei auf die Produkte der Pyramid. Mit seinen Technologie-Lösungen trägt Pyramid wesentlich dazu bei, das operative Geschäft seiner B2B-Kunden effizienter, zuverlässiger und erfolgreicher zu machen – ein echter disruptiver „Game-Changer“!

Warum haben Sie sich für einen Reverse-IPO entschieden? Welche Vorteile hat dies für die mic-Aktionäre?

Empl: Die mic AG steht mit der Einbringung der Pyramid vor einer kompletten Neubewertung. Die Tage der mic AG als Beteiligungsgesellschaft sind gezählt. Als operativ tätige Gesellschaft mit einem profitablen Umsatz von über 50 Millionen Euro eröffnen sich uns und unseren Aktionären ganz neue Perspektiven. Wir konnten die Akquisition dabei in einer Kombination von Bar- und Aktienkomponente tätigen. Nach vollständigem Abschluss der Transaktion sollen die bisherigen Gesellschafter und Gründer der Pyramid und das zukünftige Management ca. 47,2 Prozent der mic-Aktien halten. Das Know-how der Gründer bleibt somit ebenfalls vorhanden. Nun aber zum wichtigsten Aspekt: mic AG beschleunigt mit der Übernahme sogar noch das Wachstumstempo von Pyramid und verfolgt das Ziel, den führenden Innovator von Automatisierungslösungen am Point of Sale (PoS) im Einzelhandel und im Finanz- und Industriesektor aufzubauen. Die mic-Aktionäre profitieren von der Wachstumsstory der Pyramid.

Welche Vorteile hat der Reverse IPO für die Pyramid?

Empl: Durch den Reverse IPO erhält Pyramid den Zugang zum Kapitalmarkt und somit zu Wachstumskapital. Zudem können mittelfristig im Zuge einer effektiven Buy & Build-Strategie weitere Übernahmen gegen Aktien vorgenommen werden. Und nicht zuletzt können das Netzwerk sowie das Team durch die Präsenz in der Öffentlichkeit erweitert werden.

Sie waren auf der Suche nach einem renditestarken Mittelstandsunternehmen aus dem Tech-Bereich. Warum ist Ihre Wahl ausgerechnet auf die Pyramid gefallen?

Empl: Zunächst möchte ich betonen, dass wir uns im Zuge dieses Auswahlprozesses rund 100 Unternehmen näher angesehen haben. Die Wahl fiel recht deutlich auf die Pyramid Computer GmbH, da sowohl das Geschäftsmodell an sich als auch die Historie der soliden Zahlen sowie Großkunden beeindruckend waren. Wann findet man heute noch den typischen „German Hidden Technologiechampion“? Pyramid ist ein starker Nischenplayer im Technologieumfeld mit einzigartigen Produkten im „Self-Service Automation“-Bereich. Schon bald werden die Synonyme „Self-Ordering“ und „Self-Check-out“ in aller Munde sein, das hat mich fasziniert. Besonders beeindruckend ist, dass die weltweit größte „Fast-Food“-Kette und der größte Lebensmitteleinzelhändler Europas auf die Produkte der Pyramid setzen – und dies schon seit Jahren. Pyramid hat also eine sehr stabile und tragfähige Kundenbasis.

Wie sieht es mit Umsatzentwicklung und der Profitabilität der Pyramid aus?

Empl: Nicht nur, dass Pyramid für das laufende Geschäftsjahr 2020 in einem herausfordernden Umfeld einen Umsatz in Höhe von rund 55 Millionen Euro und ein EBIT von rund 4,0 Millionen Euro erwartet. Pyramid hat im Zeitraum von 2013 bis 2019 ein jährliches Umsatzwachstum von ca. 15 Prozent und eine beachtliche durchschnittliche EBIT-Marge von ca. 7,5 Prozent erzielt. Diese Steigerungen wurden durch die Reinvestition eigener Mittel erreicht.

Welche Wachstumsraten und welche Margen könnte die Gesellschaft in den nächsten Jahren erreichen?

Empl: Pyramid geht von einem 15prozentigen Wachstum aus, wie in der Vergangenheit. Zudem können operative Margen von 10 Prozent und mehr ab 2022 erreicht werden, insbesondere durch Innovationen bei den Produkten und Services.

Sie bezeichnen Pyramid als einen der „Gewinner des Digitalisierungsschubs“. Könnten Sie das genauer ausführen?

Empl: Pyramid ist in wachstumsstarken Märkten tätig. Weltweit steigt die Nachfrage nach Lösungen für automatische und kontaktlose „Check-out“-Lösungen – beim Bezahlen und Bestellen, aber auch in der Mobilität. Die noch anhaltende Pandemie führt zu einem erhöhten Hygienebewusstsein und beschleunigt die Einführung der Kiosk-Technologie im Handel, in der Logistik- und Transportindustrie, aber auch an Flughäfen oder Grenzkontrollstellen. Neben den klassischen Anwendungen zur Steigerung der Effizienz und des Kundenerlebnisses werden für die Kunden zunehmend auch Sicherheitsaspekte relevant. Ich behaupte sogar, dass die „Self-Ordering“ und „Self-Check-out“-Terminals von Pyramid die passende Antwort vor Ort auf COVID-19 sind.

Kommen wir zur Finanzierung des Reverse-Takeovers: Die mic AG weist aktuell einen Börsenwert von weniger als 6 Millionen Euro auf und möchte eine Übernahme im Wert von rund 44 Millionen Euro schultern. Wie soll dies gelingen?

Empl: Das ist richtig, der Kaufpreis für 100 Prozent der Anteile an der Pyramid Computer GmbH liegt bei rund 44 Millionen Euro. Er besteht aus einer Barkomponente in Höhe von 20 Millionen Euro sowie einer Aktienkomponente. Zur Finanzierung des Kaufpreises plant die mic AG die Durchführung mehrerer Bar- und Sachkapitalerhöhungen sowie die Aufnahme von Fremdkapital. Laut Kaufvertrag werden zunächst 52 Prozent der Pyramid-Anteile gegen Zahlung des gesamten Barbetrages und Ausgabe eines kleinen Teils der neu zu schaffenden Aktien auf die mic AG übertragen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die restlichen 48 Prozent der Pyramid-Anteile gegen Ausgabe weiterer neuer mic-Aktien übertragen. Nach vollständigem Abschluss der Transaktion werden die bisherigen Gesellschafter und Gründer der Pyramid und das zukünftige Management voraussichtlich ca. 47,2 Prozent der mic-Aktien halten.

Blicken wir auf die erste geplante Kapitalerhöhung, die Sie in Kürze zu einem Ausgabepreis von 2,00 Euro je Aktie umsetzen wollen: Gibt es schon Interesse von Investorenseite? Wird sich auch das Management an dieser Kapitalmaßnahme beteiligen?

Empl: Ja, die Transaktion stößt auf reges Interesse seitens institutioneller Anleger. Wo findet man denn noch den typischen „German Hidden Champion“? Schon jetzt haben wir „Soft Commitments“ in Höhe von ca. 3,5 Millionen Euro. Das ist immerhin schon die Hälfte des Volumens der geplanten ersten Barkapitalerhöhung. Sowohl Aufsichtsrat als auch Management wollen sich nach heutigem Stand aktiv im sechsstelligen Bereich beteiligen.

Eine weitere Kapitalerhöhung soll im zweiten Quartal 2021 folgen. Für diese Maßnahme streben Sie einen Ausgabepreis zwischen 3,00 Euro und 3,50 Euro an. Ist das nicht zu optimistisch gedacht?

Empl: Wie Sie im aktuellen Research der SRH Alsterresearch AG nachlesen können, haben die Analysten die mic AG mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 4,00 Euro aufgenommen. Analyst Thomas Wissler basiert sein Kursziel auf einer Kombination aus Discounted-Cashflow-Modell, Free-Cashflow-Rendite sowie Peergroup-Analyse. Hintergrund der positiven Einschätzung ist die angekündigte komplette Neuausrichtung der mic AG, welche in einer Auflösung des bisherigen Geschäftsmodells als Beteiligungsgesellschaft mündet. Dieser mit der angekündigten Übernahme der Pyramid angestoßene Prozess soll bis Ende des zweiten Quartals 2021 abgeschlossen sein. Wenn man die Perspektiven der Pyramid berücksichtigt, halte ich für die zweite Kapitalerhöhung im Jahr 2021 einen Ausgabepreis zwischen 3,00 Euro und 3,50 Euro durchaus für realistisch.

Wie viele Aktien wird es bei vollständiger Übernahme der Pyramid voraussichtlich geben und wie wäre die Gesellschaft dann auf aktuellem Niveau bewertet?

Empl: Insgesamt würde sich die Aktienanzahl durch die geplanten Kapitalmaßnahmen auf ca. 18,5 Millionen erhöhen. Auf aktuellem Niveau bei einem Aktienkurs von 2,00 Euro wäre die Gesellschaft mit ca. 37,0 Millionen Euro bewertet – und das als Weltmarktführer in diversen Nischen. Pyramid wird eine Bereicherung für den deutschen Kapitalmarkt, davon bin ich überzeugt.

Welche Assets bringt die „alte mic“ in den Zusammenschluss mit der Pyramid ein und wie geht es mit Ihren anderen Beteiligungen weiter?

Empl: Wir werden in den nächsten Monaten entscheiden, wie es mit den bisherigen Beteiligungen weitergeht. Ich werde als Vorstand die beiden Kernassets Securize IT Solutions AG und fibrisTerre GmbH ungehindert weiterentwickeln. Sowohl die Securize-Tochter DISO AG als auch die fibrisTerre haben sich in 2020 bis dato stark weiterentwickelt. Im Prinzip dürfte die „alte“ mic AG insgesamt Assets in Höhe von mindestens 3,0 Millionen Euro bis 4,0 Millionen Euro mit einbringen.

Wie sieht Ihre Vision der „neuen mic AG“ aus? Wo soll die Gesellschaft in drei bis fünf Jahren stehen?

Empl: Pyramid will der führende Innovator am „Point-of-Sale“ werden und die weltweite Nummer 1 für Terminals im „Self-Ordering“- und „Self-Check-out“-Bereich. Das ist durchaus realistisch bei diesen Vorgaben. Packen wir´s an!

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet-online mit der Redaktion von www.4investors.de.

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