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Schuldenblase 2.0 – Yellen spielt riskantes Spiel

Gastautor: Daniel Saurenz
02.02.2017, 07:00  |  1561   |   |   

USA_ChicagoSchuldenmachen gehört für viele Amerikaner ebenso zum „American Way of Life“, wie das Essen von Fast Food. Nachdem die Zinsen Mitte 2016 auf neue Rekordtiefs gesunken waren, scheint die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen im Laufe dieses Jahres mit kräftigen Zinserhöhungen tatsächlich Ernst machen zu wollen. Das bedeutet allerdings enorme Risiken für die hochverschuldete US-Wirtschaft.

Keine Überraschungen von der US-Notenbank bei der Sitzung am 1. Februar: Die Fed hat allerdings erklärt, dass „marktbasierte Inflationskennzahlen niedrig bleiben“ würden. Das hat Investoren in der Erwartung bestärkt, dass Fed-Chefin Janet Yellen es mit Zinserhöhungen nicht eilig hat. Ohnehin preisen Investoren nur zwei Zinserhöhungen für 2017 ein, obwohl die Fed bei der Sitzung im Dezember 2016 drei signalisiert hatte.

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Dabei hat sich bei der Fed seit dem Wahlsieg von Donald Trump am 8. November scheinbar ein kräftiger Stimmungswandel vollzogen. Nachdem Yellen noch Mitte Oktober gesagt hatte, man könne die Wirtschaft kurzfristig heiß laufen lassen, um die Arbeitslosenquote weiter nach unten zu drücken, und damit im Krisenfall einen Puffer zu haben, warnt Yellen nun vor einer starken Steigerung der Neuverschuldung.

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NewYork_USA_7Yellen betont, dass die USA wegen der bereits vorhandenen Schulden in Krisenzeiten weniger finanziellen Spielraum hätten. Nachdem Yellen vor Trumps Wahlsieg also über einen deutlichen Anstieg der Inflation hinwegsehen hätte und nicht an der Zinsschraube drehen wollte, scheint es Yellen und ihren Kollegen nun mit Zinserhöhungen gar nicht schnell genug zu gehen.

Welche Auswirkungen die Zinspolitik der Zentralbanken hat, lesen Sie im Blog der Citi.

Sollte Yellen die Zinserhöhungen tatsächlich zügig vorantreiben, wäre das nach der Schuldensause der vergangenen Jahre eine enorme Belastung für die US-Wirtschaft. Zwar haben die Amerikaner ihre Hypothekenschulden nach dem Platzen der Immobilienblase 2007 erst einmal deutlich abgebaut, von 14,8 Billionen Mitte 2008 bis auf das Tief von 13,3 Billionen Mitte 2013. Seitdem steigen die Hypothekenschulden aber wieder und nähern sich mit zuletzt 14,2 Billionen zusehends dem Rekordhoch. Daher gibt es in den USA wieder eine enorme Immobilienblase.

Studienkredite steigen von Rekord zu Rekord

NewYork_USA_4Während die Hypothekenschulden noch unter ihrem ehemaligen Rekordwert liegen, schießen etliche andere Schuldenarten kräftig nach oben und steigen von Rekord zu Rekord. So haben die Studienkredite zuletzt den Spitzenwert von 1,4 Billionen Dollar erreicht – das ist ein Anstieg um 137 Prozent gegenüber 2007.

Hohe Studienkredite bringen viele Amerikaner schwer in die Bredouille, wenn sie nach dem Studium nur einen schlecht bezahlten Job finden, und so ihren Studienkredit nur langsam zurückzahlen können. Die Schuldensause bei Studienkrediten macht hauptsächlich der Staat möglich, sind doch die Studienkredite gegenüber dem Staat zuletzt auf 1,04 Billionen nach oben geschossen, gegenüber nur 0,12 Billionen für Ende 2007.

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Privater Sektor hat viel mehr Schulden denn je

Im gleichen Zeitraum sind die Autokredite um 38 Prozent auf den Rekord von 1,1 Billionen gestiegen. Laut den Daten der Researchfirma Experian war das durchschnittliche Kreditvolumen für ein neues Auto zuletzt auf den Rekord von 30.022 Dollar gestiegen, während die monatliche Belastung auf 495 Dollar geklettert ist.

Die durchschnittliche Laufzeit eines Kredits ist auf den Rekord von 68 Monaten gestiegen. Ebenso wie die Studien- und die Autokredite legen auch die Kreditkartenkredite deutlich zu. Durchschnittliche Zinssätze von 12,5 Prozent zeigen aber, wie teuer es für Verbraucher ist, mit der Kreditkarte Schulden zu machen.

Balda_Blick_in_die_Fertigung_USA_RGBVerschärft wird das Problem dadurch, dass nicht nur die privaten Haushalte, sondern auch die Unternehmen in den vergangenen Jahren verstärkt Schulden gemacht haben, wobei letztere das Geld über Aktienrückkaufprogramme von mehr als 600 Mrd. Dollar jährlich an ihre Aktionäre weitergegeben haben.

Dadurch sind die Schulden des privaten Sektors, also von privaten Haushalten und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, zuletzt auf den Rekord von insgesamt 47 Billionen Dollar gestiegen. Das sind herbe 252 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Damit ist der Wert noch höher als 2007, als er bei 230 Prozent gelegen hatte.

Weitere aktuelle Themen zu Wirtschaft, Börse und Trading finden Sie im Newsblog der Citi

Yellen’s künftige Politik ist von größerer Bedeutung denn je. Sollte Yellen die Zinsen tatsächlich kräftig erhöhen, obwohl Donald Trump einen weltweiten Handelskrieg anzetteln könnte, wodurch auch das Wachstum der US-Wirtschaft gebremst würde, könnte es zu einer deutlichen Korrektur am US-Aktienmarkt kommen – zumal er mit einem KGV von 17 höher bewertet ist als selten zuvor.



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