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Kommt ein dritter Zinsschritt? Entscheidung der US-Notenbank vorhersehbar - aber Unsicherheit für 2018 wächst

14.06.2017, 12:11  |  5250   |   |   

Händler der Terminbörse CME rechnen mit einer 98-prozentigen Wahrscheinlichkeit damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve heute den Zins erhöht - auf eine Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent. Am Dienstag hatten Investoren am US-Markt wieder zugegriffen und dem Dow Jones Industrial eine Bestmarke beschert. 

Die US-Notenbank Fed hat die Märkte darauf vorbereitet, dass sie am Ende des heutigen Handelstags die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr bekanntgeben wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Schlüsselsatz für die Versorgung der Banken mit Geld um einen Viertel-Prozentpunkt angehoben. Die Entscheidung wird gegen 20:00 Uhr deutscher Zeit bekanntgeben.
 
AUSGANGSLAGE MIT VIELEN FRAGEZEICHEN
 
Während die Zinserhöhung als ausgemachte Tatsache gilt, werden die begleitenden Äußerungen, Einschätzungen und Erklärungen eine erhöhte Aufmerksamkeit erfahren. Das erste große Fragezeichen ist, ob es in diesem Jahr einen weiteren Zinsschritt geben könnte? Womit könnte dieser gerechtfertigt werden - die Konjunktur und Inflation sind zentrale Größen? Fakt ist, dass mögliche Andeutungen einer weiteren Zinserhöhung die Stimmung der Anleger maßgeblich beeinflussen werden.

Das zweite große Fragezeichen schwebt über dem Thema Bilanzsumme: Nach der Finanzkrise waren milliardenschwere Wertpapierkäufe von der Fed getätigt worden, die seither das Fed-Portfolio mit 4,5 Billionen Dollar belasten - vor der Krise war es mit 800 Milliarden Dollar geradezu überschaubar. 
 
Bislang hatte die Federal Reserve durchblicken lassen, dass 2017 drei Zinsschritte möglich seien. Ihr Ziel war es, dass auf mittlerer Sicht der Zinssatz auf 3,0 Prozent geht. Dagegen sprach sich jetzt eine Gruppe von 22 namhaften US-Ökonomen aus, die der Federal Reserve empfiehlt, die Zinsen für einen längeren Zeitraum eher niedrig zu halten (“Handelsblatt”).
 
Grundvoraussetzung dieser Empfehlung bildet eine Änderung des Inflationsziels, denn wenn die Federal Reserve ihr Inflationsziel von zwei Prozent anheben würde, dann wären weitere Zinsschritte schwieriger zu rechtfertigen, so die US-Ökonomen. Ihre Argumentation basiert auf Aussage von John Williams, Chef der Fed San Francisco, und Stanley Fischer, dem Stellvertreter von Janet Yellen, die angeregt hatten, über das Inflationsziel kritisch zu reflektieren.   
 
DISKREPANZ ÜBER WEITERE ZINSSCHRITTE   
 
Die US-Wirtschaft wuchs in den vergangenen Monaten langsamer als erwartet. Experten befürchten, dass mit dieser und einer möglichen weiteren Zinserhöhung die Konjunktur abgewürgt werden könnte. Die Volkswirtin Anna Stupnytska führte an, dass in den USA die Konsumausgaben zuletzt gesunken seien und sich die höheren Zinsen mit strengeren Kreditauflagen bemerkbar machen und schlussendlich das Wachstum bremsen. Aus diesem Grund rechnet Stupnytska damit, dass der heutige Zinsschritt der letzte in diesem Jahr sein wird (“ARD”).

Eine andere Prognose lieferte der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, denn Krämer rechnet mit einem weiteren Zinsschritt im Dezember 2017 (“Handelsblatt”). Aus seiner Perspektive wird es 2018 munter weitergehen, denn es soll nach seiner Einschätzung zufolge weitere drei Anhebungen geben. Dieses Vorgehen stünde diametral zur EZB-Politik, wo Mario Draghi seine Nullzinspolitik verteidigt. 
 
Aktuell rechnen Anleger mit einer 50:50 Chance für einen dritten Zinsschritt 2017. Auch den drei Zinsschritten 2018 stehen Investoren zunehmend kritisch gegenüber und rechnen eher mit einem Zinsschritt. Somit könnte sich das zuletzt vorgelegte Tempo erheblich entschleunigen.
 
WICHTIGE RICHTUNGEN DER INDIKATOREN 
 
Weitere wichtige Indikatoren zur US-Wirtschaft sind die Arbeitslosigkeit, die Kerninflation und die Geldpolitik. 

Die Arbeitslosenquote war zuletzt - mit 4,3 Prozent - auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gesunken, was die Federal Reserve als Vollbeschäftigung bewertet.

Ein weiteres Ziel sind stabile Preise. Bislang hält sich die Kerninflation mit 1,9 Prozent hartnäckig unter der Idealmarke von zwei Prozent. Als Belastung könnte sich der Gebrauchtwagenmarkt erweisen, denn hier waren im Mai die Preise auf Jahressicht um 7,6 Prozent gesunken - was auch auf den Neuwagenmarkt abfärben wird. 

Das dritte wichtige Thema der Federal Reserve ist die Geldpolitik und in diesem Zusammenhang der Umgang mit dem Wertpapierportfolio. Während der Finanzkrise hatte die Fed zur Stützung der Wirtschaft Wertpapiere im erheblichen Umfang erworben. Die Fed könnte noch in diesem Jahr mit einer Reduzierung des Depots beginnen und Elmar Völker von der Landesbank LBBW rechnet heute mit neuen Hinweisen auf einen möglichen Zeitplan (“Cash”). Es geht um ein Portfolio von 4,5 Billionen Dollar, dass als Mammutvorhaben im Raum steht. Laut der Einschätzung von Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, wird die Fed dafür viel Zeit brauchen und daher könne noch keine Rede von einer Normalisierung der Geldpolitik sein.
    
KOMMT EIN DRITTER ZINSSCHRITT 2017?

Wichtig ist der Blick nach vorne. Aus den Fed-Aussagen zur Wirtschaftslage dürfte sich eine ungefähre Richtung der US-Bondrenditen und des Greenback ableiten lassen. Für viele Experten gilt der Zinsschritt als vertretbar. Schwieriger könnte sich die Situation zu Jahresende gestalten, den die Fed-Gouverneurin Lael Brainard gab im Mai 2017 zu bedenken, dass die Inflationsentwicklung sehr genau im Auge behalten werden muss, denn sollten die Teuerungsdaten anhaltend schwach ausfallen, dann sei der Fahrplan für die Normalisierung der Geldpolitik zu überdenken (“NZZ”). 
 
Fakt ist, dass das herkömmliche Denkmodell, nämlich das eine niedrige Arbeitslosenquote automatisch zu steigenden Löhnen und Preisen führe, sich zunehmend aufweicht. Im Mai 2017 lag die Arbeitslosenquote bei nur 4,3 Prozent, während das Lohnwachstum nur 2,4 Prozent betrug. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für den nächsten Zinsschritt bildet das Wirtschaftswachstum, denn im ersten Quartal lag es nur 1,2 Prozent und für das dritte Quartal wird nur mit 1,8 Prozent gerechnet, was die Experten noch nicht von einem Boom sprechen lässt. 



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