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Kann man ethisch an der Börse handeln?

Nachrichtenquelle: FinMent
14.09.2017, 16:00  |  670   |   |   

Moralfragen haben Konjunktur. Gilt das auch für die beobachtbare Verhaltensweise an der Börse? Gibt es auch da die Chance für ein ethisches Handeln? Oder ist dort per se ein Tummelplatz der Unmoral?

Diesen schwierigen, aber wichtigen Fragen werden wir nachgehen und überraschende Entdeckungen dabei machen. Für ethisches Handeln mit Wertpapieren müssen Sie sich um Wissen bemühen über Geld im Allgemeinen, über die Börse im Besonderen und über sich selbst. Lesen Sie hier einen Artikel darüber, wie Sie in Ihren profitablen Börsenhandel investieren.

Moral und Geld

Über Ethik des Börsenhandels nachzudenken ist zutiefst sinnvoll - und gleichzeitig sehr schwer. Dies hat zunächst viel mit dem Ruf zu tun, dass dem Geld vorauseilt.

"Geld stinkt nicht." 

Vespasian, Römischer Kaiser (9 - 79 nach Christus)

Der zitierte Römische Kaiser wusste, warum er das sagte. Dem Geld haftet schon lange in der Wahrnehmung vieler Menschen ein vermeintlicher übler Geruch an. Geld kann völlig irrational bewertet werden: Eine ganze Menschengruppe, die Juden, musste Ihre Affinität und Fähigkeit zu Geldgeschäften mit Verfolgung an Leib und Leben bezahlen.

Das Geld selber stinkt nicht. Durchaus kann aber der Umgang mit dem Geld unmoralisch sein: Es kann aus Quellen fließen, die "nicht sauber" sind. Es kann für Produkte und Dienste als Zahlungsmittel verwendet werden, die der eigenen Moral zuwiderlaufen. 

Wie halten Sie es selber mit dem Geld?

Progressive Eltern lehren ihre Kinder heute "gesunde" Regeln zum Umgang mit Geld: Über Geld redet man eben hoffentlich doch. Und lebt diese Regeln auch selber vor, denn das ist der Kern jeder wahrhaftigen Moral. Folgende vier Regeln lassen sich auch für Ihre Suche nach Moral im Umgang mit dem Börsenhandel anwenden:

Regel 1: Bezahlen Sie immer sich selbst zuerst

Genau gesehen ist das eine Umschreibung für das Sparen. An den Börsenhandel  übertragen heißt dies: Tragen Sie Sorge, dass Sie zum Spekulieren nur eine sinnvoll bemessene Geldsumme einsetzen. Den Rest brauchen Sie zum Leben. 

Der Börsenguru André Kostolany äußerte sich einmal wie folgt: "Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren."

Regel 2: Unbezwinglich ist der, der warten kann

Im Umgang mit Geld bedeutet dies, dass es für einen kostspieligen Wunsch Zeit braucht. Die Börsenlegende Benjamin Graham machte aus dieser Alltagsweisheit eine Empfehlung für die kluge Verhaltensweise am Wertpapiermarkt: "Geduld ist die oberste Tugend des Investors."

Regel 3: Vermeide das Impulshafte bei Geldausgaben 

In Ihrem Alltag können Sie leicht folgendes Experiment durchführen, es heißt die 30-Tagesliste: Machen Sie eine Liste mit den Wünschen, die sich aktuell unbedingt für Geld erfüllen wollen. Schließen Sie diese Liste dann ab und verzichten für 30 Tage auf die Erfüllung eines jeden Wunsches, der auf dieser Liste steht.

Nach 30 Tagen schauen Sie sich Ihre Wunschliste wieder an: Sie werden staunen, wie viele dieser Wünsche für Sie inzwischen unattraktiv und unwichtig geworden sind. 

André Kostolany weist daraufhin, wie wichtig es ist, die eigene Psychologie zu kennen und zu beherrschen, denn: "Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie."  

Regel 4: Kleinvieh macht auch Mist

Dieser Alltagsspruch soll Sie an das Sparen bei täglichen kleinen Geldausgaben erinnern, weil auch diese sich summieren. Preisvergleiche sichern einen kleinen, aber steten Gewinn. Auch hier gibt uns André Kostolany einen wichtigen Hinweis für moralisches Trading:

"Die beiden schwersten Sachen an der Börse sind, einen Verlust hinzunehmen und einen kleinen Profit nicht zu realisieren."

Die Weisheit verbirgt sich hier im Hinweis auf den geringen, aber sicheren Gewinn, für den Sie, im fiebrigen Suchen nach dem großen Wurf, die Augen eventuell nicht mehr haben.

Das Nachdenken über Ihr Verhältnis zu Geld wird sich so auch auf Ihre Börsenmoral auswirken. Natürlich ist Geld ein wichtiger Teil des  Wertpapierhandels. Dieser selber wiederum ist aber ein so komplexer Organismus, dass er moralische Fragen geradezu provoziert.

Ethik an der Börse

Sie entscheiden meist über die Zusammenstellung Ihres Aktienpaketes. Unternehmen und Branchen, die mit ihren moralischen Kategorien nicht übereinstimmen, lassen Sie einfach außen vor. So könnte ein simpler Ratschlag eines Moralbewahrers  im Börsenhandel lauten. Aber ist das wirklich so einfach? Leider Nein. 

Wenn Sie eine moralische Verhaltensweise im Umgang mit Aktien anstreben, stoßen Sie auf mindestens drei grundsätzliche Schwierigkeiten.

1. Es ist für Sie letztlich unmöglich, die Integrität einer Organisation oder eines Unternehmens gegenwärtig und für die Zukunft zu erkennen. Die Menge der häufigen und mitunter überraschenden Skandale zeigt dies Tag für Tag weltweit. Sie können das Risiko, dass sich ein Unternehmen, in das Sie investieren, als unmoralisch in seinem Handeln erweisen, nie ausschließen. Oft bleibt unmoralisches Verhalten auch der Öffentlichkeit gänzlich verborgen.

2. Wenn Sie passive Anlagen in einem Gesamtindex haben, können Sie sich die Zusammensetzung des Index eben gerade nicht aussuchen. 

3. Große Mischkonzerne machen eine moralische Kategorie für die Auswahl von Aktien schwer. Bei Siemens denken die meisten nur an Kühlschränke und Waschmaschinen, die uns das Leben erleichtern. Wissen Sie, dass Siemens auch Rüstungsartikel produziert? Oder das Airbus der siebtgrößte Rüstungskonzern  der Welt ist?

Doch mit etwas Aufwand finden Sie für diese drei Schwierigkeiten eine Lösung:

Zu 1: Immer wenn Sie das Wissen um unmoralisches Gebaren eines Unternehmens haben, dessen Aktien Sie handeln, können Sie darauf reagieren. Ob dies einen Effekt auf die Börse und das Unternehmen hat, ist sekundär: Sie handeln im Auftrag Ihres Gewissens.

Zu 2: Wenn Ihnen der Gedanke einer moralischen Integrität und Transparenz wichtig ist, verzichten Sie auf Börsenhandel mit Aktienpaketen, deren Zusammensetzung Sie nicht im Detail kennen.

Zu 3: Wenn Sie Aktien bestimmter Branchen aus moralischen Gründen fördern wollen, dann sollten Sie jeden Konzern, dessen Aktien Sie handeln, auf seine Aktivitäten hin erforschen.

"Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst." (Waren Buffett)

Dieses Zitat eines anerkannten Börsenweisen müssen wir für unsere Zwecke ein wenig umformulieren: Investieren Sie nur in Aktien, deren Geschäfte ethisch vertretbar sind.

No Gos an der Börse

Problematisch sind aus moralischer Sicht Aktien von Unternehmen, die Waffen oder weitere Rüstungsgegenstände produzieren.

Gleiches gilt für Unternehmen, die mit Ihren Produktionen die Umwelt nachhaltig schädigen und zerstören. Die Energiewende hin zu Umweltverträglichkeit wird auch über Börsenverhalten  gesteuert.

Wenn Sie in alternative Energien investieren statt in Erdöl und Kernenergie, dann leisten Sie als Einzelner einen Beitrag für diesen Paradigmenwechsel.

Firmen und Branchen, die die Drittweltländer in Abhängigkeit der ersten Welt halten und ausbeuten, handeln unmoralisch. Dies am Aktienmarkt zu unterstützen ist ein No Go. Investieren Sie hier immer in Unternehmen, die die Menschen vor Ort in Ihrer Autonomie und Wahrung ihrer Kultur und Tradition achten und unterstützen. 

Wie komplex moralischen Fragen sein können, zeigt das Beispiel der Lebensmittel.

Mit Essen spielt man nicht 

Diesen bekannten Erziehungssatz hat sich die Organisation Oxfam im Protest gegen Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln auf die Fahnen geschrieben. Sie beruft sich auf glaubwürdige Quellen:

Die Weltbank, die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung UNCTAD und International Food PolicyResearch Institute IFPRI wiesen schon 2008 in Studien nach, dass auch Finanzspekulationen für Erhöhungen von Getreidepreisen verantwortlich zu machen sind.

So stiegen in jenem Jahr die Maispreise in Äthiopien um 100 % und in Uganda um 65 %. Gleiches wurde bei den Weizenpreisen ermittelt: In Somalia betrug der Anstieg 300 %, im Senegal 100 % und im Sudan 90 %.

Börsenspezialisten weisen zu recht daraufhin, dass diese Steigerungen nicht nur durch Börsenhandel entstehen. Den Effekt leugnen können sie aber nicht. Als treibend erweisen sich aber hier immer kurzfristige Börsengeschäfte. Dies ist eine Verhaltensweise am Wertpapiermarkt, die sich minimale Differenzen von einzelnen Tageskursen für Profite zu Gute macht. 

Es braucht 20 Jahre, um eine Reputation aufzubauen, und fünf Minuten, um sie zu ruinieren. (Warren Buffett)

Der politische Druck machte diese Aspekte immerhin zum Thema, auch wenn dieses Spielen mit Essen nicht komplett verhindert werden kann. Eine beschreibbare Wirkung gab es aber schon: Deutlich wurde nämlich, wie weit verbreitet Handel mit Lebensmittel bei deutschen Banken und Geldgebern war.

Zu nennen sind da u.a. die Deutsche Bank, Allianz, Commerzbank, Deka-Bank der Sparkassen, Landesbank Berlin, Landesbank Baden-Württemberg und die Bayern LB. Von den genannten Unternehmen sind fast alle aus dem Handel mit Lebensmitteln ausgestiegen. 

Eine moralische Verhaltensweise beim Trading bedeutet also nicht nur moralische Kriterien auf die Aktien, sondern auch auf das beauftragte Geldinstitut anzuwenden. 

Es ist möglich ethisch zu handeln!

Nachdem wir für einen moralischen Umgang am Aktienmarkt das Geld und einige Börsenmechanismen unter die Lupe genommen haben, geht es im letzten Abschnitt um Sie selber. Ein humorvoller Hinweis aus der Computerbranche lautet: Ein Computer ist meist nur so fehlerhaft wie derjenige, der davor sitzt. Auf die Börse angewendet könnte man sagen:

"Die Börse ist so (un)moralisch wie der Mensch, der an ihr handelt."

Das Clemens Schömann-Finck in einem Artikel auf FOCUS online am 08.04.2014 eine Brücke vom Aktienhandel auf die sieben Todsünden baut zeigt, dass dies nur wegen der moralischen Verführbarkeit des Menschen möglich ist. Der Bezug zu den sieben Todsünden  Hochmut, Geiz, Neid, Völlerei, Zorn, Trägheit und Wollust wird auf verschiedenen Ebenen dargestellt. 

Da prophezeit man Unternehmen, die durch Befriedigung der genannten Todsünden  profitabel handeln, eine stets sichere und gewinnträchtige Börsenpräsenz. Dieser Sündenkatalog kann aber auch die Motive Ihrer eigenen Verhaltensweise an der Börse klären: wenn Sie diese und sich selbst gut kennen, werden Sie auch profitabel handeln und dennoch Ihrer Moral treu bleiben. Lesen Sie dazu einen Artikel über die bekanntesten Börsenirrtümer

Ein kleines Fazit

Die moralischen Herausforderungen an jeden Börsianer sind zu offensichtlich, als dass man sie übersehen kann. Zugleich haben wir Ihnen aber auch Möglichkeiten gezeigt, der Unmoral Ihre persönliche Moral entgegenzustellen. Auch Ihre Verhaltensweise an der Börse hat Gewicht. Moral beim Aktienhandel auf jeden Fall sinnvoll und effektiv, und das aus drei Gründen:

1. Langfristig zeigt sich, dass moralisch integre Unternehmen und Branchen sich am Markt genauso gut etablieren wie andere. Gleiches gilt für die Gewinne der beteiligten Aktionäre.

2. Moral stiftet Sinn für das Allgemeinwohl. Als Einzelner, so denken Sie vielleicht, ändern Sie doch nichts. Das ist falsch. Es verhält sich wie in der Demokratie: Ihre einzelne Wahlstimme ist für den Wahlausgang unerheblich. Wenn aber keiner zur Wahl geht, ist dies das Ende der Demokratie. Gute Moral wirkt gewissermaßen ansteckend und breitet sich aus. Vertrauen Sie darauf. Sprechen Sie über Ihre Moral mit anderen.

3. Dennoch ist moralisches Verhalten auch sinnvoll und nützlich für Sie selbst: Es schärft Ihre Wahrnehmung für das Gute in sich und Ihrem Umfeld. Es macht Ihnen das Leben mit Ihrem Gewissen durchaus angenehm.

Schauen Sie sich unsere Einführung "7 Regeln der Erfolgsstrategie" an und erfahren Sie wie Sie profitabel an der Börse handeln können. 

Einblick in unsere profitable Strategie

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