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Postbank Schiffsfonds

Eine der größten Krisen in der weltweiten Güterschifffahrt hat in den Jahren 2007 und 2008 begonnen. Die Schockwellen vom zusammenbrechenden US-Kreditmarkt und die Pleite von Lehman Brothers haben die Weltwirtschaft in den Jahren danach enorm belastet. Das weltweite Güteraufkommen brach zusammen und auch Anfang 2014 haben sich die Märkte längst noch nicht vollends erholt. Trotz der massiven Liquiditätshilfe der Notenbanken stehen Volkswirtschaften in den USA und Europa auf wackeligen Beinen und das Wachstum asiatischer Boomstaaten wie China bleibt hinter den früheren Erwartungen deutlich zurück. Im Zuge der Krise sind die Frachtraten, die die Schiffe mit ihren Transporten erzielen konnten, enorm unter Druck geraten. Der Baltic Dry Index, der von der Londoner Baltic Exchange berechnet wird und ein Preisindex für die Verschiffung wichtiger Güter wie Rohstoffe ist, bezeugt dies mit einem enormen Absturz. Im Vertrauen vor allem auf das enorme Wachstum in Asien waren riesige Seetransportkapazitäten aufgebaut worden. Kapazitäten, die heute auf dem Markt als riesiges Überangebot lasten und die Preise niedrig halten. Ganze Flotten liegen irgendwo auf der Welt ohne Aufträge vor Anker oder wurden auf den asiatischen Schiffsfriedhöfen bereits wieder verschrottet, weil die Schiffe nicht länger zu unterhalten waren. Leidtragende der Entwicklung waren nicht nur Schiffsbesatzungen und Reeder, sondern zu Tausenden auch Anleger aus Deutschland. Viele Euro, die international in den Bau von Schiffen geflossen sind, stammen vom deutschen Kapitalmarkt. Im Zuge des Wirtschaftsbooms vor der US-Finanzmarktkrise wurden viele Anleger von der Aussicht auf hohe Renditen und Steuerersparnisse in Schiffsfonds gelockt. Diese erwarben oder bauten dann mit Hilfe von Anlegergeldern und Bankkrediten Schiffe und ließen diese über die Weltmeere schippern – mit desaströsem Ausgang in vielen Fällen. Hunderte dieser Fonds sind zwischenzeitlich pleite, mit weiteren Insolvenzen wird gerechnet.


Milliardenschäden für Bankkunden


Das Geld der Anleger ist im Insolvenzfall verloren. Oftmals verschwindet hier die Altersvorsorge, obwohl die Schiffsbeteiligungen in den Beratungsgesprächen vieler Finanzdienstleister lange Zeit als „sicher“ dargestellt und das unternehmerische Risiko solcher Beteiligungen heruntergespielt wurde. Mehr noch: Anleger müssen im Insolvenzfall mit Rückforderungen von zwischenzeitlichen Ausschüttungen rechnen, manchmal wurde bei Rettungsversuchen dem schlechten Geld noch gutes hinterher geworfen. Die Schäden gehen in die Milliardenhöhe. Tatsächlich sind solche Schiffsbeteiligungen als unternehmerische Beteiligungen in Form sogenannter geschlossener Fonds natürlich alles andere als „sicher“ und die Risiken nicht rein theoretischer Natur – dies zeigt nicht erst die aktuelle jahrelange Krise der Seelogistiker. Dennoch wurden bei vielen Banken Kunden geradezu systematisch in Schiffsfonds „hinein beraten“. Dabei nahmen viele Banken nur wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse und Erfahrungen ihrer Kunden. Es lockten hohe Provisionszahlungen der Fondsgesellschaften für den Vertrieb solcher Beteiligungsangebote.


Viele Berichte über jahrelange Falschberatungen


Eine der vielen Banken, die sich im Zusammenhang mit Schiffsbeteiligungen aller Art massive Beratungsfehler geleistet hat, ist die Postbank. Das Kreditinstitut, das mittlerweile als Tochtergesellschaft zum Konzern der Deutschen Bank gehört, wusste Medienberichten zufolge schon viele Jahre von den Problemen solcher Fonds. So berichtete unter anderem das Handelsblatt bereits im Jahr 2009 (!) von einer möglichen Problemwelle bei Schiffsfonds, die unter anderem von der Postbank platziert wurden. Vielfach wurde Kunden von Postbank-Beratern die Geldanlage in Schiffsfonds empfohlen, obwohl diese nachweislich alles andere als die Zielgruppe für solche Beteiligungen waren. Das hielt die Berater in vielen Fällen wider besseren Wissens nicht von einer solchen Empfehlung ab, wie Presseberichte zeigen. Mehr noch: Einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Stern“ zufolge hat die Bank die Praxis trotz interner Warnungen jahrelang fortgeführt. Selbst als die Schifffahrtskrise längst im Gange war, hat man die Beteiligungen weiter verkauft. Insgesamt soll allein die Postbank von 60.000 Anlegern 1,3 Milliarden Euro eingeworben haben, von denen viel Geld mittlerweile verloren sein dürfte. Die Zahl der Klagen gegen die Postbank und Vergleiche der Bank mit Kunden zur Vermeidung solcher Klagen mehrt sich. Presseberichten zufolge zeigt sich die Bank bei der Regulierung der Falschberatungsschäden alles andere als kulant. Ansprüche werden offenbar zunächst generell abgelehnt, anschließend geht es in einer Art Salamitaktik weiter, um für die Bank möglichst geringe Schadenersatzzahlungen zu erstreiten, obwohl den falsch beratenen Kunden höhere Zahlungen laut Experten zustehen dürften.


Postbank wehrt sich vehement gegen Schadenersatzansprüche


Dabei ist in vielen Fällen die Verfehlung der Postbank offensichtlich – das gilt auch für viele andere Banken. Reihenweise wurden Kunden in Schiffsfonds gelockt, die eigentlich vermögenserhaltend oder für die Altersvorsorge investieren wollten. Ebenso sind Berichte zu lesen, dass die Bank Rentnern solche Schiffsfonds empfohlen hat, was mindestens enorm erstaunlich ist, denn diese haben Laufzeiten im niedrigen zweistelligen Jahresbereich. Dass über Kick-Back-Zahlungen nicht ausreichend aufgeklärt wurde, ist ein weiterer Kritikpunkt an der Bank. Beratungsfehler wie die geschilderten Beispiele geben geschädigten Anlegern allerdings die Möglichkeit, Schadenersatz einzufordern. Da die Tochtergesellschaft der Deutschen Bank die Schiffsbeteiligungen noch lange nach dem Ausbruch der Krise in größerem Stil vertrieben hat, dürften viele Schadensfälle längst noch nicht verjährt sein. Anspruchsgrundlagen für solche Schadenersatzzahlung hat die Bank in den vergangenen Jahren zuhauf geliefert, das zeigen die Berichte in der Presse und die wachsende Zahl von Vergleichen und Urteilen deutlich. Allerdings, und das zeigen die Berichte ebenfalls, müssen sich geschädigte Postbank-Kunden auf einen Weg mit reichlich Widerstand einrichten. Wer nicht erneut Geld verschenken will, sollte sich für eine mögliche Auseinandersetzung mit der Bank von Anfang an die professionelle Hilfe eines erfahrenen Rechtsanwalts für Kapitalmarktrecht sichern.