DAX-0,02 % EUR/USD+0,03 % Gold+0,30 % Öl (Brent)+0,80 %

Skyfall Nicht jeder kann Elon Musk sein!

14.11.2017, 14:20  |  12025   |   |   

Der 44-jährige Jia Yueting musste eine bittere Erfahrung machen. Jia Yueting war mit dem Technologiekonzern LeEco angetreten, um Netflix, Tesla und Apple in nur einem chinesischen Riesenkonzern zu imitieren. Am Ende könnte nicht viel übrig geblieben sein.

Der US-Nachrichtensender CNBC berichtet von einem Unternehmen, dass in Deutschland und Europa kaum Beachtung fand. Es wurde von Jia Yueting unter der Bezeichnung LeTV gegründet und expandierte schnell von einem Video-Streaming-Portal zu einem multinationalen Mischkonzern, wie es CNBC beschreibt. Es wurden Produkte von Fernseher bis Cloud Computing, von Smartphones bis zu Elektrofahrzeuge entwickelt und verkauft. Aus diesem Grund hatte sich das Unternehmen im Januar 2016 von LeTV in LeEco umbenannt.

Der Gründer, Jia Yueting, brachte für sein Unternehmenskonzept immer wieder den Begriff “Sharing Ecosystem” ins Spiel, um die unterschiedlichen Unternehmensbereiche zu begründen. Jedoch reichte das nicht aus. Die ambitionierten Ziele wurden verfehlt und durch scheiternde Projekte stieg die Verschuldung in astronomische Dimensionen.

Ein ehemaliger LeEco Mitarbeiter soll gegenüber CNBC die Unternehmensführung und die Geschäftsmodelle mit dem Glücksspiel verglichen haben. Jia Yueting war ein ebenso innovativer wie radikaler Unternehmensführer, so die zitierte Mitarbeiterin. Zu den internen Problemen bei LeEco heißt es, dass es selten sei, dass Unternehmen und Mitarbeiter vorgegebene Strategien perfekt umsetzen, ganz zu schweigen davon, wenn ein Unternehmen eine so rasante Expansion durchmacht. 

Bis Ende 2016 hatte sich das Unternehmen in China mit gewaltiger Geschwindigkeit entwickelt. LeEco schuf innerhalb weniger Jahre 15 Tochtergesellschaften und 68 Partnerunternehmen. In den USA war das Unternehmen bis Dezember 2016 weitgehend unbekannt, was Jia Yueting jedoch nicht davon abhalten sollte eine Präsenz in de USA aufzubauen. Hierfür kaufte das Unternehmen bereits im Juni 2016 circa 49 Hektar Land in Santa Clara von Yahoo und kündigte an, dass 12.000 Menschen eingestellt werden sollen. Man wollte einen innovativen, globalen Hauptsitz im Silicon Valley errichten.

Schon damals wurden die Pläne belächelt, wie ein ehemaliger LeEco Mitarbeiter aus Hongkong gegenüber CNBC berichtet. Ihm gegenüber wurde gesagt: “Wie kommen sie von 200 auf mehr als 10.000 Jobs bis 2018? Das ist größer als Facebook!”. Über das Unternehmen berichtet der ehemalige Mitarbeiter, das es sehr hierarchisch aufgebaut war und der Gründer kaum den Markt außerhalb Chinas kannte. Ferner arbeitete man mit externen Experten, die viel Geld kosteten: “Geld entwickelt keine Strategie und Geld kann kein Talent kaufen”, so der ehemalige Mitarbeiter gegenüber CNBC.

Das Thema Geld wurde schnell zu einem Hauptproblem, denn während die lokalen Medien im Silicon Valley den Newcomer feierten, machten sich die Investoren im Land des Lächelns große Sorgen um die finanzielle Gesundheit von LeEco, so CNBC. Mit steigenden Forderung und sinkenden Cashflows ging LeEco das Geld aus. Es tauchten Gerüchte über manipulierte Verkaufszahlen auf und Werbeagenturen konnte nicht mehr bezahlt werden, heißt es bei CNBC. Im vergangenen Jahr stand der Konzern so nah am finanziellen Abgrund, dass der Gründer sein Gehalt auf 15 Cent setzen wollte, so CNBC. Bereits 2016 brach die Aktie von LeEco (LeShi) innerhalb weniger Monate um bis zu 55 Prozent ein und 2017 fiel der Kurs nochmals um weitere 14 Prozent. Die Aktienturbolenzen führten teilweise dazu, dass der Handel ausgesetzt wurde. 

Die endgültige Abwärtsspirale begann vor gut einem Jahr, als der Firmengründer zu gab, dass sich LeEco in einer akuten finanziellen Schieflage befinde. Kurze Zeit später musste das Unternehmen seine geplante Elektroauto-Produktion in Nevada aufgeben, plante es die Liegenschaft im Silicon Valley zu verkaufen und kündigte sein Investment an dem US-Fernsehsender Vizio, was eine 100-Millionen-Dollar-Klage nach sich zog, so CNBC. Die schlechten Nachrichten, eine drohende Zahlungsunfähigkeit und die Zahlungsausfälle gegenüber der China Merchants Bank führten dazu, dass ein Gericht in Shanghai am 3. Juli 2017 Vermögenswerte i.H.V. 180 Millionen Dollar einfrieren ließ. Wenige Tage später erklärte der Firmengründer seinen Rücktritt von allen Ämtern.

Jia Yueting wollte sich zukünftig nur noch um ein Projekt kümmern und zwar Faraday Future - einem potentiellen Tesla-Konkurrenten. Das Unternehmen scheint einiges an Glanz besessen zu haben. Immerhin arbeitete der ehemalige Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause, für Faraday Future. Die `Geschäfts-Ehe´ zwischen Jia Yueting und Stefan Krause hielt von Februar bis Oktober 2017. Wie das Manager Magazin berichtete, verließen kürzlich auch der von Ford gekommene Produktionschef Bill Strickland, der für den Einkauf verantwortliche Tom Wessner und Interior-Design-Chef Pontus Fontaeus das angeschlagene Unternehmen. Mit einem elektrisch angetriebenen 1050 PS-Supersportwagen - FF91 - wird es wohl vorerst nichts.  

Das tragische Ende von LeEco führte dazu, dass in China große Konzerne zukünftig mehr Informationen veröffentlichen sollen. So hat die China Securities Regulatory Commission (CSRC) laut CNBC damit begonnen, börsennotierte Unternehmen aufzufordern, mehr Informationen offenzulegen. Es geht vor allem um komplizierte Unternehmensstrukturen. Die Kommission hat für Konzerne auch den Börsengang verschärft, wodurch die IPO-Quote auf nur noch 56 Prozent sank. Am 7. November 2017 gab CSRC nur einem von sechs IPO-Anträgen grünes Licht, so CNBC. Somit ist die Genehmigungsquote fast auf ein 10-Jahres-Tief gesunken. Dies liegt auch an den jüngsten Enthüllung über den Börsengang von LeEco (Leshi) im Jahr 2010, denn zwischen 2000 und 2012 erhielt der ehemalige CSRC-Chef Li Liang von IPO-Unternehmen - wie LeEco - Geld und Geschenke in Höhe von 1,04 Millionen Dollar, so China Money Network.  

Und Jia Yueting? Laut einem Bericht soll für Faraday Future in den USA Konkurs beantragt werden, um es dann an amerikanische Investoren zu verkaufen. Dies wurde vom Unternehmen bislang nicht bestätigt. Aber es scheint auch eher unbedeutend zu sein, denn laut CNBC ist die Einsicht für China viel wichtiger, nämlich das “Sharing Ecosystem” als Unternehmensmodell eine gefährliche Sache sein kann.

Qian Chen, China´s LeEco set out to change the world. Its failure has changed China, CNBC, 14.11.2017.

Sophia Yan, Cash-strapped LeEco, CNBC, 4. Juli 2017.

Pan Yue, CSRC Officials reportet under investigation for aiding Leshi IPO, China Money Network, 31. Oktober 2017.

Michael Freitag: Warum zwei deutsche Top-Manager ein gehyptes chinesisches Start-up verlassen, Manager Magazin, 13.11.2017.

Wertpapier
AppleYahooTesla


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel