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Ex-Neuer Markt Star vor dem Comeback? Über 1 Milliarde Euro in der Auftragspipeline?

Gastautor: Volker Glaser
20.09.2018, 00:02  |  1859   |   |   

Der Maschinenbauer aus Kahl am Main ist wieder voll da. „Wir haben die Phase der Restrukturierung hinter uns gebracht und bieten eine Wachstumsstory“, sagt uns Finanzvorstand Markus Ehret selbstbewusst bei unserem Treffen in Frankfurt. Basis für die Rückkehr in die Erfolgsschiene ist eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Staatskonzern China National Building Materials (CNBM) aus dem Jahr 2016. Hierbei handelt es sich um den größten Glasproduzenten Chinas.

Damals hat Singulus Aufträge zur Lieferung von Anlagen zur Produktion CIGS-Solarmodulen erhalten. Bisher lieferte das Unternehmen Equipment für zwei CIGS-Solarmodulfabriken mit einer Kapazität von jeweils 300 Megawatt. „Die Lieferung für die erste Anlage ist abgeschlossen und die Fabrik wird derzeit in Betrieb genommen. Die Zweite wird im Q1 2019 ausgeliefert.“ Der chinesische Partner als Bauherr baut insgesamt vier CIGS-Fabriken mit einer Produktionskapazität von jeweils 1.5 Gigawatt und braucht dafür Singulus-Maschinen. Jede Anlage von 300 Megawatt bedeutet ein Volumen von ca. 85 Mio. Euro für Singulus. „Unser Auftragspotenzial liegt bei über 1.5 Mrd. Euro verteilt auf die nächsten Jahre“, so Ehret. Der CFO zeigt sich recht zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr der Auftrag für eine weitere Anlage folgt. Die Risiken, dass sich dieses Geschäft nicht wie geplant entwickelt, dürften sich in Grenzen halten. Ehret hält es für sehr unwahrscheinlich, dass sich CNBM für einen anderen Partner als Singulus entscheidet. „Der Aufwand für solch einen Wechsel wäre sehr hoch und würde sehr viel Zeit kosten.“ Es verbleibt somit das Restrisiko, dass CNBM die CIGS-Fabriken selbst gar nicht baut respektive, dass das Vorhaben beendet wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber nicht wirklich bezifferbar.

Ein positives Zeichen dafür, dass es die Chinesen mit Singulus ernst nehmen, ist sicherlich die Absicht sich mit über 18 % an Singulus zu beteiligen. Schon Anfang 2018 verkündete das Unternehmen, dass CNBM die Anteile von Roland Lacher, einem Mitgründer der Firma, übernimmt. Der Kaufvertrag ist längst unterschrieben. Der Eigentumsübergang ist jedoch bis heute noch nicht erfolgt. Laut dem CFO sind die wesentlichen Bedingungen für das Closing inzwischen erfolgt. Sogar die Genehmigung für die Ausfuhr des Kapitals aus China liegt schon vor. Es kann quasi täglich soweit sein, dass der Deal fix ist und CNBM Anteilseigner wird. Beeinflussen kann Singulus diesen Prozess nicht. CNBM ist für Singulus eine riesen Chance aber natürlich auch ein gewisses Risiko. Die Abhängigkeit von diesem Kunden ist allerdings schon sehr hoch. Ohne diesen Deal ist die Story zumindest aktuell weniger spannend, auch wenn Singulus-Maschinen zudem an die chinesische Hanergy Holding Group liefert und auch einer der Lieferanten des Vorhabens von Manz & Shanghai Electric ist. „Wir arbeiten unter anderem auch mit Manz sehr gut zusammen. Sofern die Zusammenarbeit von Manz und Shanghai Electric positiv verläuft, profitieren wir.“ Singulus hat sich damit im Bereich Dünnschicht-Solar stark positioniert. Nicht minder spannend, aber natürlich deutlich kleiner vom Volumen her sind die Bereiche Medical und Halbleiter. Ehret will aber nicht ausschließen, dass eines der anderen Segmente ebenfalls durchstartet. In diesem Jahr hat Singulus bereits einen Auftrag von einem großen, europäischen Halbleiterunternehmen für die Lieferung einer Vakuum-Beschichtungsanlage erhalten. Derartige Maschinen kosten meist zwischen 8 und 9 Mio. Euro. Weitere Aufträge in diesem Segment könnten durchaus folgen.

Im 1. Halbjahr 2018 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von über 46 Mio. Euro. Das EBIT war noch leicht negativ. In den ersten 6 Monaten betrug der Ordereingang 65 Mio. Euro und führte per Ende Juni zu einem Auftragsbestand von 125.3 Mio. Euro. „Wir erwarten ein starkes 2. Halbjahr und sind zuversichtlich unsere Prognose zu erfüllen“, so Ehret. Der CFO stellt einen Umsatz im niedrigen dreistelligen Millionenbereich in Aussicht bei einem EBIT im mittleren einstelligen Millionenbereich. Die Analysten von Warburg erwarten für dieses Jahr einen Umsatz von 160 Mio. Euro und ein EBIT von 13.5 Mio. Euro. Unser Eindruck ist, dass sich der Umsatz auf 140 bis 160 Mio. Euro belaufen und Singulus das eigene EBIT-Ziel übertreffen könnte. Für das Jahr 2019 zeigt sich der Finanzchef optimistisch, dass der Umsatz weiter zulegt. Zu den Gewinnzielen wollte sich Ehret nicht im Detail äußern. „Bei einem Umsatz von 100 Mio. Euro erreichen wir Break-Even. Wir streben immer eine Bruttomarge von ca. 30 % an. Der OPEX liegt dabei im Bereich von 30 Mio. Euro.“

Das Grundkapital ist eingeteilt in rund 8.9 Mio. Aktien und repräsentiert einen Börsenwert von 107 Mio. Euro. Bankschulden hat die Firma keine. Lediglich aus einer Anleihe sind noch Schulden in Höhe von 12 Mio. Euro offen. Eine weitere Kapitalerhöhung ist laut Ehret derzeit nicht geplant und auf Sicht auch nicht notwendig. Die Zinsbelastung ist überschaubar und Steuern zahlt Singulus wegen Verlustvorträgen von mehr als 100 Mio. Euro erst einmal fast keine. Realisieren die Chinesen ihr Vorhaben im Bereich CIGS-Dünnschicht-Solartechnik, steht Singulus vor einer grandiosen Zukunft. In dem Fall wird sich die Aktie nicht nur einmal verdoppeln. Wir sehen eine Kurschance von mindestens 100 % auf Sicht von 6 bis 12 Monaten. Dafür empfehlen wir ein Risiko von 10 bis 15 % in Kauf zu nehmen.

www.vorstandswoche.de

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