Nach Anschlag auf iranischen Atomphysiker Sorge um Frieden - Seite 2

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
29.11.2020, 14:44  |  159   |   |   

Für die iranische Führung ist klar, dass Israel hinter dem neuen Anschlag steckt, weil Fachrisadeh schon seit Jahren auf der schwarzen Liste Israels gestanden habe. Außerdem profitiere nur der Erzfeind Israel vom Tod des Atomphysikers.

Netanjahu hatte im April 2018 bei einer Pressekonferenz Bilder aus einem "geheimen Atomarchiv" in Teheran gezeigt, die beweisen sollten, dass der Iran am Bau einer Atombombe festhalte. Netanjahu hatte dabei Fachrisadeh als Chef eines früheren geheimen Atomwaffenprogramms Amad genannt. "Merken Sie sich den Namen, Fachrisadeh", sagte Netanjahu damals. Der Iran habe Amad zwar unter internationalem Druck beenden müssen, aber "seine nuklearen Ambitionen nicht aufgegeben". Die Arbeit werde unter Fachrisadehs Führung heimlich fortgesetzt. Dies bedroht nach Netanjahus Lesart Israels Existenz.

Der iranische Atomchef Ali-Akbar Salehi versicherte am Samstag, Fachrisadehs Ermordung werde den Fortschritt des iranischen zivilen Atomprogramms weder aufhalten noch beeinträchtigen. Fachrisadehs Weg werde nur noch intensiver fortgesetzt.

Der Zeitpunkt des Attentats in der Endphase der Regierung Trumps nährt Spekulationen, der Vorfall solle auch Trumps Nachfolger Biden politisch binden. "Das war nicht nur ein Anschlag auf den Professor, sondern auf die bevorstehenden diplomatischen Bemühungen beider Länder nach der Amtsübernahme von Joe Biden", twitterte der Teheraner Politologe Mohsen Milani. Ähnlich sieht es die prominente iranische Journalistin Sahra Asghari. "Der Anschlag war der Preis, den der Iran für Trumps Wahlniederlage bezahlen musste."

Der iranische Regierungssprecher Ali Rabiei deutete am Sonntag an, das Teheran keine Eskalation in dem Konflikt will. Der Iran dürfe diplomatische Bestrebungen nicht wegen des Anschlags opfern. "In diese Falle sollten wir definitiv nicht tappen", sagte Rabiei. Auch während der Atomverhandlungen mit Deutschland und den UN-Vetomächten zwischen 2005 und 2015 habe es Anschläge auf iranische Kernphysiker gegeben. Dennoch seien die Verhandlungen fortgesetzt worden, sagte Rabiei dem Nachrichtenportal Alef.

Trump hatte das damals vereinbarte Abkommen, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern soll, 2018 einseitig aufgekündigt. Er versucht seitdem, den Iran mit harten Sanktionen gegen Schlüsselindustrien wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Seit Ablauf einer Frist von einem Jahr, in der Teheran die europäischen Vertragspartner vergeblich zur Einhaltung des Atomdeals drängte, steigt der Iran ebenfalls progressiv aus dem Abkommen aus.

Der Iran hofft, dass die USA unter Biden zur Vereinbarung zurückkehren. Die sunnitisch-arabischen Monarchien am Persischen Golf drängen Biden jedoch, sich davor mit ihnen abzustimmen und auch die iranische konventionelle Rüstung und Militärpolitik in eine Vereinbarung einzubeziehen./str/fmb/DP/mis


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Nach Anschlag auf iranischen Atomphysiker Sorge um Frieden - Seite 2 Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat den USA und Israel vorgeworfen, hinter der Ermordung des Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh zu stehen. In Teheran wie in US-Medien wird spekuliert, US-Präsident Donald Trump und der israelische …

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