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Totgesagte leben länger! Was passiert bei WCM und DIC?

Gastautor: Volker Glaser
22.07.2016, 07:56  |  3451   |   |   

Totgesagte leben länger! Innerhalb von nicht einmal 2 Jahren hat Stavros Efremidis aus der leeren Hülle WCM einen Gewerbeimmobilienkonzern geschaffen, der heute über 50 Objekte im Bestand hält, die aktuell einen Marktwert von fast 600 Mio. Euro repräsentieren. Die Objekte erwirtschaften annualisiert  Mieteinnahmen von über 35 Mio. Euro. Die durchschnittliche Restlaufzeit der Mietverträge liegt bei 9.5 Jahren. Wie uns Efremidis im Hintergrundgespräch mitteilt, liegt die Leerstandsquote derzeit bei rund 4 % und soll sich nach und nach auf eine Quote von weniger als 2 % reduzieren. Das ist ein Hebel, um die Mieteinnahmen aus eigener Kraft zu erhöhen. Auf Basis des aktuellen Portfolios steuert WCM für dieses Jahr einen FFO zwischen 18 und 21 Mio. Euro an.

Mittelfristig soll das Portfolio auf rund 1 Mrd. Euro fast verdoppelt werden. Fokus liegt dabei auf Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Bis zum Jahresende könnte der CEO weitere Zukäufe vermelden. Aktuell hat WCM rund 40 Mio. Euro in der Kasse. Die Verschuldung ist derzeit noch moderat. Laut Efremidis hat WCM nach wie vor Luft, weitere Bankdarlehen im Volumen von 100 bis 150 Mio. Euro aufzunehmen, um so weitere Objekte kaufen zu können. Eine weitere Option ist der Kauf von Immobilien per Sacheinlage. Eine Kapitalerhöhung ist derzeit nicht geplant, sagt der WCM-Chef. Die Anteilseigner der Gesellschaft sollen erstmals für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende erhalten. „Im Jahr 2017 werden wir unseren Aktionären eine Dividendenausschüttung vorschlagen.“ Sie ist bei WCM aufgrund der entsprechenden Verluste noch viele, viele Jahre steuerfrei.

Die Wiederbelebung von WCM durch Efremidis war auch an der Börse ein großer Erfolg. Das Papier hat sich vervielfacht, und WCM wird aktuell mit über 420 Mio. Euro kapitalisiert. Der Erfolg weckt offensichtlich Begehrlichkeiten. Anfang des Jahres hat sich die DIC Asset AG mit knapp 25 % bei WCM eingekauft. DIC setzt ebenfalls auf Gewerbeimmobilien. Die Börsenhistorie bei DIC in der langfristigen Betrachtung lässt doch eher zu wünschen übrig. Zudem laufen bei DIC in wenigen Jahren wichtige, langjährige Mietverträge aus. Da in der Vergangenheit relativ wenig in die eigenen Objekte investiert wurde, wird Capex bei DIC entsprechend deutlich ansteigen. DIC mit ihrem ehemaligen Vorsteher, Ulrich Höller, war zudem nicht gerade der Liebling bei Investoren. Allenfalls Trading-orientierte Anleger hatten mit der Aktie ihren Spaß. Bis heute ist nicht wirklich bekannt, was DIC bei WCM mit ihrem Anteil genau beabsichtigt.

Fakt ist, dass DIC jüngst weitere Anteile von WCM gekauft hat. Efremidis hat kürzlich ein neues Immobilienobjekt per Sacheinlage gekauft und dafür 10 Mio. neue Aktien emittiert. Das Einzelhandelsobjekt hatte mehrere Gesellschafter als Eigentümer, sodass die neuen Aktien entsprechend verteilt wurden. Ein größerer Eigentümer des Objektes war die Dio Deutsche Immobilien Opportunitäten AG. Sie gehört mehrheitlich zur Deutschen Balaton AG. Wie in Frankfurter Finanzkreisen zu hören ist, wurden diese Aktien direkt wieder verkauft. Angeblich an DIC Asset - womit der Anteil von DIC allenfalls marginal verwässert wurde und weiterhin bei knapp 25 % liegt. Ein Überschreiten der Marke von 25 % wird DIC wohl nicht vollziehen. Denn dann wären anteilig haushohe Verlustvorträge bei WCM futsch.

Efremidis wollte sich zum Thema DIC nicht konkret äußern. Der WCM-Chef sagt uns lediglich, dass er inzwischen mit Vertretern von DIC Kontakt hatte. „Wir führen mit allen unseren Investoren Gespräche im Rahmen unserer Investor-Relations Aktivitäten. Dazu zählt auch die DIC.“ Ob es darüber hinaus auch strategische Gespräche gab, wollte uns Efremidis indes nicht verraten. Insgesamt sind mehrere Optionen möglich: Etwas mehr Klarheit könnte die Hauptversammlung von WCM am 24. August bringen. Bisher ist die Tagesordnung noch relativ harmlos. DIC könnte jedoch über ein Ergänzungsverlangen die Abwahl des amtierenden WCM-Aufsichtsrats komplett oder teilweise verlangen. Für die außerordentliche Abwahl von Aufsichtsratsmitgliedern reicht bei WCM die einfache Mehrheit. Sollte DIC dies verlangen, wäre das ein unfreundlicher Akt und der Weg klar: DIC will mit einer Minderheitsbeteiligung das Sagen haben. Ob das für WCM-Aktionäre wirklich gut ist, wagen wir aufgrund der DIC-Historie zu bezweifeln. Höchst vorsorglich hat Efremidis wohl auch eine Pflichtwandelanleihe, die zu 100 % in seinem Besitz war, vorzeitig in rund 1.2 Mio. neue Aktien gewandelt, damit auch diese Aktien entsprechend stimmberechtigt sind. Weiteren Gerüchten zufolge, könnte DIC das WCM-Paket auch wieder verkaufen und einen kleinen Gewinn einstreichen. Aus unserer Sicht hätte folgende Konstellation den größten Charme für die Börse: WCM kauft bzw. fusioniert mit DIC unter der Führung von Efremidis. Dann würde ein Gewerbeimmobilienkonzern mit einem Börsenwert von rund 1 Mrd. Euro entstehen, der mittelfristig in den MDAX aufsteigen könnte.

www.vorstandswoche.de

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