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„Mir reicht es nicht, wenn schwarz-weiß gemalt wird“

03.04.2018, 14:20  |  595   |   |   

Aktives Management ist passiven Ansätzen überlegen und ESG-Kriterien gehen oft nicht weit genug: Dr. Martin Dilg, Head of Retail-/Wholesale Business, Central & Eastern Europe bei AllianceBernstein (AB), erklärt im Interview den besonderen Investmentansatz seines Unternehmens.

FundResearch: Herr Dilg, Welchen Mehrwert bietet aktives Management?  

Dilg: Das ist im Prinzip ganz einfach. Es wird immer gesagt, dass nur gut 20% der aktiven Manager den Index schlagen. Der letzten Studie der Ratingagentur Scope zufolge, haben jedoch beispielsweise im letzten Jahr 50% der Manager den Index übertroffen. Das heißt nicht, dass passive Ansätze nicht auch ihren Platz haben. Im Gegenteil: In bestimmten Marktphasen machen Indexfonds sogar Sinn. Aber Anleger müssen sich über die Limits dieses Ansatzes im Klaren sein: Passiv heißt Index-Performance minus Gebühren. Damit ist die Benchmark per se nicht zu schlagen. Beim aktiven Manager haben Sie die Möglichkeit, die Benchmark zu übertreffen. 

FundResearch: Warum genießt aktives Management nicht entsprechend mehr Rückhalt?

Dilg: Ich vermute, weil es nicht in jedem Kalenderjahr gleichmäßig Outperformances liefert. Das ist auch kaum möglich. Aber wenn Sie rollierende Zeiträume betrachten, können aktive Manager einen deutlichen Mehrwert generieren. Mir reicht es nicht, wenn schwarz-weiß gemalt wird. AllianceBernstein legt den Fokus auf Generierung von Alpha durch wahrhaft aktives Management über konzentrierte Portfolios, wirksamen Verlustschutz und Erzielung hoher laufender Ausschüttungen. 

FundResearch: Wie stellt sich AllianceBernstein in der gegenwärtigen Marktlage auf?

Dilg: Wir prüfen beständig, ob das, was gestern funktioniert hat, morgen auch noch funktionieren kann. Im Equity-Bereich verfolgen wir primär einen High-Conviction-Ansatz: sehr konzentrierte Portfolios. Keine 150 Titel, sondern 30, höchstens 40, die unseren Standards genügen. Wir schauen uns die Fundamentaldaten sehr genau an. Bei Renten gehen wir den Weg genau andersherum: sehr breit diversifizierte Portfolios. Den Kredit-Sektor, Mortgages, High-Yield… alle „riskanteren“ Anlageprodukte decken wir analytisch noch stärker ab, um einen Mehrwert sicher zu stellen.

FundResearch: Kaufen Sie Research extern, oder betreiben Sie es hausintern?

Dilg: AB ist ein Research-getriebenes Haus. Wir wollen sicher sein, dass unsere konzentrierten Portfolios passen. Dementsprechend betreiben wir einen großen Research-Aufwand, um uns und den Anleger möglichst optimal abzusichern. Für jedes Portfolio bilden wir Expertenteams. Jeder Experte bei uns macht seine Hausaufgaben, dann tauschen sie sich untereinander aus und es gibt neue Hausaufgaben - solange bis es passt. 

FundResearch: Berücksichtigen Sie bei Ihren Investments ESG-Kriterien?

Dilg: ESG ist zwar mit Ausnahme dezidierter Fonds kein Pflichtkriterium bei der Titelauswahl, aber es ist fester Bestandteil unserer Anlagephilosophie. Wir verfolgen dabei sogar einen weiter gefassten Ansatz: die Unternehmen werden nicht nur auf Nachhaltigkeit hin untersucht, sondern müssen vor allem auch wirtschaftlich solide aufgestellt sein. Davon profitieren alle Seiten.

FundResearch:  Sie richten sich also nicht nach Anlagetrends? 

Dilg: Wir leben unsere Firmen-Philosophie. Seinem Gewissen zu folgen ist das eine, am Finanzmarkt zu investieren das andere. Das gilt es zu trennen: Für Anleger, die bei der Allokation vor allem nicht-monetäre Gründe in den Vordergrund stellen, gibt es effektivere Wege Projekte zu fördern. Zum Beispiel über Micro-Finance-Kredite oder mit Spenden an entsprechend operierende Einrichtungen.

AllianceBernstein
AllianceBernstein (AB) ist eine der führenden Fondsgesellschaften weltweit mit einem verwalteten Vermögen von aktuell 554 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen arbeitet zukunftsorientiert, verfügt über unabhängiges Research und bietet Investmentlösungen für alle Anlageklassen – von Aktien über Anleihen und Multi-Asset-Portfolios bis hin zu alternativen Investments. 



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