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Weitere Kapitalerhöhung nötig? Tesla verbrennt kein Benzin, sondern Geld

30.04.2018, 13:22  |  12817   |   |   

Die finanzielle Performance von Tesla sieht düster aus: Die Cash-Burn-Rate liegt laut Bloomberg aktuell bei 390.000 US-Dollar pro Stunde. Der Elektroautobauer könnte deshalb schon bald eine weitere Kapitalerhöhung benötigen. Schafft es Elon Musk das Ruder noch herumzureißen?

Tesla hat womöglich nicht genügend Geld, um es durch das Kalenderjahr zu schaffen, so Bloomberg. Der US-Elektroautobauer verbrennt pro Sekunde mehr als 108 US-Dollar, das sind 390.000 US-Dollar pro Stunde oder 9,36 Millionen Dollar am Tag. Deshalb ist eine weitere Kapitalerhöhung bei Tesla sehr wahrscheinlich, möglicherweise sogar schon 2018.

Die finanzielle Perfomance von Tesla sieht objektiv betrachtet düster aus: Neben einer sehr hohen Cash-Burn-Rate konnte das Unternehmen seit sieben Jahren keinen Jahresgewinn mehr verbuchen. 2017 betrug der Jahresverlust sogar fast zwei Milliarden US-Dollar. Betrachtet man die einzelnen Quartalsergebnisse sieht es ähnlich schlecht aus: Der Cash-Flow war nur in vier von 33 Quartalen positiv. In den letzten fünf Quartalen war er negativ.

Die finanziell schwierige Lage bei Tesla wird durch den massiven Einstellungsmarathon der letzten Jahre weiter verschärft. Zunächst wollte Tesla-CEO Elon Musk nämlich primär auf Automatisierung setzen, was sich jedoch wegen mangelnder Durchführbarkeit als Fehler erwies. Auf Twitter schrieb Musk: „Ja, die übertriebene Automatisierung bei Tesla war ein Fehler. Um genau zu sein, mein Fehler. Menschen sind unterbewertet." Deshalb setzt Tesla nun massiv auf Manpower: Heute hat das Unternehmen laut Bloomberg 40.000 Angestellte. 2010 waren es lediglich 899.

Teslas Mitarbeiterwachstum ist jedoch nicht nachhaltig, denn die Mitarbeiterzahl ist schneller gestiegen als der Umsatz. Deshalb ist der Umsatz pro Mitarbeiter bei Tesla rund zweieinhalb mal niedriger als bei konditionellen Autobauern wie z. B. General Motors Co oder Ford Motor Co, so Bloomberg.


Quelle: Bloomberg

Die hohe Schuldenlast ist ein weiteres Problem von Tesla: 2017 stieg sie auf eine Rekordhöhe von 9,4 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen gab deshalb im letzten Quartal 146 Millionen Dollar allein für Zinsen aus. Laut Bloomberg entspricht dies den Zinsaufwendungen von General Motors, die jedoch einen mehr als zehnmal höheren Umsatz als Tesla haben.

Geringe Produktionszahlen beim Mittelklassewagen Model 3 stellen ein weiteres großes Problem dar. Im vierten Quartal 2017 konnte Tesla lediglich 1.550 Exemplare des elektrischen Mittelklassewagens ausliefern, so die Computerbild. Ursprünglich sollten 5.000 Stück pro Woche vom Band laufen. Dieses Ziel wurde auf Mitte 2018 verschoben.

Die große und treue Fangemeinde sowie geduldige Kunden sind einige der größten Stärken von Tesla. So verfügte das Unternehmen Ende 2017 über beeindruckende Kundeneinlagen in Höhe von 854 Millionen US-Dollar, so Bloomberg. Für sie muss das Unternehmen keine Zinsen zahlen. Es handelt sich daher quasi um ein zinsloses Darlehen von mehr als einer dreiviertel Milliarde US-Dollar.

Was außerdem für Tesla spricht ist, dass Musk einen Großteil seines privaten Vermögens in das Unternehmen gesteckt hat. Ross Gerber von Gerber Kawasaki Wealth & Investment Management, ein Investor und Tesla-Bulle, sagte gegenüber Bloomberg: „Elon Musk ist „All-in“. Es gibt keinen anderen CEO in Amerika, der solch hohe persönliche finanzielle Risiken für sein Unternehmen eingeht.“

Fazit: Die nackten Zahlen sprechen eigentlich gegen Tesla, allerdings hat auch noch kein Unternehmer je soviel Geld akquiriert und investiert wie Elon Musk. Es bleibt daher spannend, ob er das Ruder noch herumreißen kann. Und es gibt noch einen kleinen Lichtblick: Im November 2017 lag die Cash-Burn-Rate noch bei 480.000 $/h (siehe HIER).

Quellen:
Bloomberg: „Tesla Doesn’t Burn Fuel, It Burns Cash“
statista.com
wikipedia.com

 

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Kommentare

Die schlimmste Folge der Nullzinspolitik
ist diese ungeheuerliche Fehlallokaton von Geld bzw. wirtschaftlichen Ressourcen.
Fast wie bei den Sozialisten oder bei den korrupten Staaten im Osten.
Syrer mögen auch keine Autos mit Verbrennungsmotoren

Gestern Vormittag – halb zehn in Deutschland


https://www.facebook.com/boris.brakebusch/videos/1743910752353251/
"Was außerdem für Tesla spricht ist, dass Musk einen Großteil seines privaten Vermögens in das Unternehmen gesteckt hat. Ross Gerber von Gerber Kawasaki Wealth & Investment Management, ein Investor und Tesla-Bulle, sagte gegenüber Bloomberg: „Elon Musk ist „All-in“. Es gibt keinen anderen CEO in Amerika, der solch hohe persönliche finanzielle Risiken für sein Unternehmen eingeht.“

Musk hat nicht nur alles Geld in Tesla gesteckt, er hat knapp eine Milliarde Schulden, gegen die er seine Tesla Aktien verpfändet hat. Wenn deren Kurs sinken sollte, bekommt Musk margin Calls und MUSS verkaufen, was dann in einer Abwärtspirale als Brandbeschleuniger wirkt. Ich weiß nicht, ob mich dies - sowie die finanzielle Hasardeursmentalität von Musk sowohl im privaten als auch als Unternehmer - beruhigen würde.

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