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www.brokerdeal.de Einstufung als professioneller Trader: Fluch oder Segen?

22.05.2018, 15:44  |  582   |   |   

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ich mit meinen Dutzenden Echtgeldkonten bei verschiedenen CFD/FX-Brokern eine Mail erhalte mit dem Hinweis, einen Antrag stellen zu können um mich als professioneller Trader einstufen zu lassen. Um damit die in wenigen Monaten kommenden ESMA-Restriktionen, speziell die eingeschränkten Hebel, zu umgehen. Die eigentlich strengen Voraussetzungen dafür dürften zwar wohl nur 1-5 % aller Trader erfüllen. Doch ob und wie die Broker die Kundenangaben überprüfen, ist Auslegungssache. Damit steht diese Option theoretisch jedem offen. Alles easy also oder ein Schritt in Richtung Produktverbot?

Zuerst zur Erinnerung noch einmal die drei Voraussetzungen, von denen man zwei erfüllen muss, um als professioneller Trader zu gelten laut § 67 Abs. 6 des WpHG:

Anforderungsprofil professioneller Trader

Ein Privatkunde kann auf Antrag oder durch Festlegung des Wertpapierdienstleistungsunternehmens als professioneller Kunde eingestuft werden. Eine Änderung der Einstufung kommt nur in Betracht, wenn der Privatkunde mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt:

  1. der Kunde hat an dem Markt, an dem die Finanzinstrumente gehandelt werden, für die er als professioneller Kunde eingestuft werden soll, während des letzten Jahres durchschnittlich zehn Geschäfte von erheblichem Umfang im Quartal getätigt;
     
  2. der Kunde verfügt über Bankguthaben und Finanzinstrumente im Wert von mehr als 500.000 Euro;
     
  3. der Kunde hat mindestens für ein Jahr einen Beruf am Kapitalmarkt ausgeübt, der Kenntnisse über die in Betracht kommenden Geschäfte, Wertpapierdienstleistungen und Wertpapiernebendienstleistungen voraussetzt.
     

Auf mich persönlich bezogen werde ich den Status als professioneller Trader problemlos erlangen können mit meinen zig Trades im Jahr (Punkt 1) und der jahrelangen beruflichen Beschäftigung mit Wertpapieren als redaktioneller Analyst sowie über die Tätigkeit für BrokerDeal (Punkt 3).

Beides problemlos überprüfbar für den Broker. Entweder indem er einen Blick in meine Tradinghistorie bei ihm selbst wirft und mich googelt. Oder indem ich ihm einfach einen beliebigen Kontoauszug schicke von einem Konto mit mindestens je zehn Trades in den letzten vier Quartalen.

Einen nachweisbaren Beruf am Kapitalmarkt werden aber nur die wenigsten privaten Trader vorweisen können. Also läuft es auf die mindestens je zehn Trades in den letzten vier Quartalen sowie ein liquides Vermögen von mindestens 500.000 EUR hinaus. Hat ein Kunde etwa großes Immobilienvermögen, aber "nur" 250.000 EUR auf seinem Girokonto oder als Wertpapiere im Depot, reicht das nicht.

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Keine Prüfpflicht der Broker?

Vor wenigen Wochen noch ließen die Broker verlauten:

Wir prüfen sehr genau, ob der Kunde über entsprechendes Vermögen verfügt. Er muss uns Belege zukommen lassen.

Mittlerweile sind mir aber Berichte zugetragen worden, die bei dem ein oder anderen Broker ein anderes Bild zeichnen. Als Extrembeispiel wurde etwa die Bewerbung eines Traders als professioneller Trader akzeptiert, der beim Broker selbst seit Monaten nur noch 15 Euro auf dem Konto rumliegen hatte. Es wurden weder Belege angefordert ob er die nötige Anzahl an Trades bei einem anderen Broker erzielt hat. Noch ob er auch tatsächlich über 500.000 Euro Vermögen verfügt. Ein anderer Trader erzählt, dass sogar ein Kontoauszug akzeptiert wurde, auf dem klar erkenntlich war, dass es sich um ein Demo-Konto handelte.

Andreas Müller hat seine Erfahrungen in diesem Artikel auf trading-treff.de festgehalten.

Mit persönlich widerfährt aktuell eigentlich eher das Gegenteil: Bei meinen ersten Anträgen wurde zwei gleich abgelehnt, einer davon bittet um Belege die meine Anzahl an Trades sowie meine berufliche Qualifikation bestätigen. Und zwei sind seit Tagen "in Bearbeitung". Also aktuell noch sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Bitte diskutiert mit uns unter dem Artikel wie es euch ergangen ist bei den verschiedenen Brokern, oder schickt uns euer Feedback per Mail.

Auf die widersprüchlichen Kundenberichte angesprochen hat mittlerweile scheinbar ein Großteil der Broker folgenden Standpunkt eingenommen:

Wir sind nicht dazu verpflichtet, die Angaben der Kunden auf Richtigkeit zu überprüfen. Wenn diese uns anlügen, sind wir dagegen machtlos.

Aber kann es tatsächlich so einfach sein? Nehmen wir noch einmal den entsprechenden Gesetzestext zur Hand, so heißt es dort auch in Absatz 6

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