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Forex-Report Nach Belastungen durch Politik im 1.Halbjahr aktuell Entspannung!

Gastautor: Folker Hellmeyer
09.07.2018, 10:04  |  431   |   |   

Nach Belastungen durch Politik im 1.Halbjahr aktuell Entspannung!

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1760 (07:32 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1685 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 110.46. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.90. EUR-CHF oszilliert bei 1.1623.

Beginnen wir mit Benoit Coeure (EZB):

Kontinentaleuropa ist von einem starken wirtschaftlichen Körper geprägt. Die Haushaltsdefizite sind faktisch bereinigt im Gegensatz zu USA, Japan und UK. Auch ist das Handelsbilanzungleichgewicht (Nord-Süd Divergenz) innerhalb der Eurozone dank fraglos schmerzhafter Reformen weitgehend neutralisiert.

Die Potenz des wirtschaftlichen Körpers wird erkennbar an den „Hidden Champions“ (= innovativer Kapitalstock = Zukunftsfähigkeit, Eurozone; 4,6% der Weltbevölkerung und mehr als 60% der „Hidden Champions“).

Eine sinnvolle außenpolitische Vertretung ist für unsere europäische Wirtschaft, unseren Kapitalstock, erforderlich, um dieses Gut perspektivisch nicht zu verlieren.

So wie es im Business die Notwendigkeit von „Business of scale“ gibt, gibt es die eben auch als Folge in der Politik.

Kleinteiligkeit in der Politik riskierte Verluste bezüglich des innovativen Kapitalstocks, der Grundlage für zukünftige wirtschaftliche als auch gesellschaftspolitische Stabilität und Aussicht auf Prosperität ist.

Zurück zum Benoit: Ratsmitglied Couere sagte, dass die Antwort auf „America first“ nur „Europa vereint“ sein könne. Das gelte für die Themen Sicherheit, Verteidigung und Binnenmarkt und die Vollendung der Architektur des Euros.

So ist es – dabei brauchen wir Politiker in Kontinentaleuropa, die Weitblick haben und deren politisches Bewusstsein nicht an der eigenen Landesgrenze, sondern den Grenzen Kontinentaleuropas (EU und Eurozone) endet.

Brexit: die normative Kraft des Faktischen!

Kleinteiligkeit in der Politik riskierte Verluste bezüglich des innovativen Kapitalstocks, der Grundlage für zukünftige wirtschaftliche als auch gesellschaftspolitische Stabilität und Aussicht auf Prosperität ist.

Der Weg in den Brexit war und ist genau dieser Weg in die Kleinteiligkeit, der wohl jetzt in London als Sackgasse erkannt wird.

Ergo bedarf es aus Sichtweise von Frau May nun einer Anbindung an einen großen Wirtschaftsraum. Da bietet sich nur die EU an.

Das wissen Norwegen und die Schweiz schon länger. Für beide Länder ist die Anbindung an die EU ein Katalysator für die wirtschaftliche Stabilität.

Das vergessen viele, die die Schweiz und Norwegen als Argumente für den Nationalstaatsraum der Vergangenheit missbrauchen.

Diese eben schon zitierte Erkenntnis bezüglich der Kleinteiligkeit darf als Katalysator für die Wende innerhalb des Brexits interpretiert werden.

Das britische Kabinett hat sich auf eine neue Strategie geeinigt. Sie beinhaltet den Plan eines Freihandelsgebiets. Das inkludiere ein gemeinsames Regelwerk für Waren und Agrarprodukte. Damit wird London die Regeln der EU weiter anerkennen müssen. London würde aber nicht mehr in der EU mitbestimmen.

Laut Informationen von Reuters ist der bisherige Brexit Minister David Davis mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Wenn Ideologen das Boot verlassen, entsteht mehr Raum für smarte Intellektualität.

Die nächsten Wochen werden interessant im UK. David Davis wird nicht die letzte Persönlichkeit sein, die selbst Veränderungen vornimmt oder verändert wird.

Fazit:

Es ergeben sich erste Anzeichen von politischen Entspannungen, die ein freundlicheres Risikoverhalten anregen.

Trotz vieler Risiken profunde Daten:

Heute erreichten uns die deutschen Handelsbilanzdaten. Per Mai stellte sich der Handelsbilanzüberschuss auf 20,3 nach zuvor 19,0 Mrd. Euro. Exporte legten im Monatsvergleich um 1,8% und Importe um 0,7% zu. Steigende Importe und Exporte signalisieren eine höhere globale Aktivität trotz des handels- und geopolitischen Stresses!

Die deutsche Industrieproduktion (Veröffentlichung am Freitag) stieg per Mai im Monatsvergleich um 2,6% (Prognose 0,3%) nach zuvor -1,3%.

Der US-Arbeitsmarktbericht setzte überwiegend positive Akzente. Per Juni wurden außerhalb der US-Landwirtschaft 213.000 neue Jobs geschaffen (Prognose 193.000). Die Arbeitslosenrate stieg von 3,8% auf 4,0%, weil die Partizipationsrate von 62,7% auf 62,9 zulegte. Die Arbeitslosenrate, die mit unserer in Ansätzen vergleichbar ist, stieg von 7,6% auf 7,8%.

Das US-Handelsbilanzdefizit sank per Mai von 46,1 Mrd. USD auf 43,1 Mrd. USD. Exporte stiegen um 1,9% und Importe um 0,4%. Beides signalisiert stärkere wirtschaftliche Aktivität.

Fazit zu Konjunkturdaten:

Die Widerstandskräfte sind in der Weltwirtschaft bisher trotz der Anfechtungen durch handels- und geopolitische Scharmützel seitens „unserer Freunde“ bemerkenswert.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert, sofern das Unterstützungsniveau bei 1.1490 – 1.1520 nicht unterschritten wird.

Viel Erfolg!



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