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Marktbericht Juli 2018 Das Spiel mit dem Feuer

10.07.2018, 12:41  |  425   |   |   

Die USA leben auf Pump und die Konjunktur weist erste Bremspuren auf. Die Kapitalmärkte zeigen Anzeichen von Nervosität, so dass wir zunächst eine defensive Ausrichtung bevorzugen.

Das Spiel mit dem Feuer: Es scheint so, als gäbe es weiterhin kein Anzeichen für eine Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Die US-Administration zeigt sich weiter uneinsichtig und gießt kontinuierlich Öl ins Feuer: Mit Wirkung zum 6. Juli traten in der ersten Runde Zölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren im Volumen von 34 Milliarden US-Dollar in Kraft. Dass dies nur der Anfang sein könnte, zeigt die Drohung weitere Zölle auf Güter in Höhe von 500 Milliarden US-Dollar erheben zu wollen. Das wäre das gesamte Volumen der chinesischen Importe.
 
China seinerseits hat sofort reagiert und als Vergeltungsmaßnahme Abgaben auf amerikanische Waren in gleicher Höhe verhängt. Vorbei zu sein scheint mittlerweile die Zeit, in der China lange versucht hat, die rüpelhaften Aussagen von Donald Trump mit moderaten und diplomatischen Kommentaren zu kontern. Jüngst wurde in den chinesischen Staatsmedien Staats- und Parteichef Xi Jinping mit dem Satz zitiert: „Im Westen gibt es die Neigung, die rechte Backe hinzuhalten, wenn jemand auf die linke geschlagen hat. In unserer Kultur schlagen wir zurück.“ Zunehmend wird klar, dass eine Einigung im Zollstreit derzeit immer unwahrscheinlicher wird.
Wie in unserem letzten Marktbericht dargelegt, scheint es den neo-konservativen Kräften in den USA nur vordergründig um wirtschaftliche Belange zu gehen. Die konsumgetriebene Gesellschaft der USA lebt auf Pump. Die offiziellen Planungen des Congressional Budget Office gehen bis 2023 von einem durchschnittlichen Budgetdefizit von 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Implizit benötigt also die USA daher weiter Zugang zu ausländischem Kapital, um das Defizit zu finanzieren. Langfristig ist das problematisch, denn in Wirklichkeit geht es um technologische und militärische Vorherrschaft. Um diese zu erhalten Bedarf es ökonomischer Stärke. Daher streben die USA nach einer Restrukturierung der US-Volkswirtschaft. Eine massive Abhängigkeit von Schulden sowie der übermäßige Kapitalverbrauch sollen reduziert werden. Ansonsten lässt sich der gigantische 700 Milliarden US-Dollar Militärhaushalt (in etwa die Summe der Ausgaben von China, Russland, Großbritannien, Indien, Frankreich, Japan, Saudi-Arabien und Deutschland zusammen) dauerhaft nur schwer finanzieren. Wir befinden uns am Anfang eines Kampfes der Systeme.

So ist es kein Zufall, dass China zum Hauptadressat der neuen Handelspolitik wurde. Nach 40 Jahren atemberaubenden Wachstums hat das Reich der Mitte die Schwelle zur politischen, wirtschaftlichen und technologischen Supermacht überschritten. Sicherlich wurde Donald Trump und sein Team von den chinesischen Mega-Projekten aufgeschreckt. Während man den gewaltigen asiatischen Infrastrukturplan „One Belt, one Road“ noch zu akzeptieren schien, wirkte der Masterplan „China 2025“, wonach die Führerschaft in wichtigen Schlüsseltechnologien erreicht werden soll, wie ein Weckruf. Somit droht der USA ein weiterer Verlust an ökonomischer Relevanz. Schon heute liegt der Anteil des kaufkraftgewichteten US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) am globalen BIP bei lediglich noch 15 Prozent. Laut Internationalem Währungsfonds (IMF) wird sich die Abwärtsentwicklung fortsetzen. Aufstrebende Länder wie China dagegen gewinnen täglich an mehr Bedeutung.

Es steht leider zu befürchten, dass die heutigen Handelsstreitigkeiten nur als kleine Scharmützel vor einer kommenden größeren Auseinandersetzung eingeordnet werden müssen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Ein Spiel das imstande ist, den weltweiten konjunkturellen Aufschwung zu gefährden. Es wird an den Grundfesten der Weltwirtschaft durch eine aggressive Handels- und Sanktionspolitik gerüttelt. Faktisch unterminieren die USA die Verträge und Vereinbarungen der Welthandelsorganisation (WTO) und stellen somit verlässliche Regelungen im internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehr infrage. Wir waren vor Monaten noch guter Hoffnung, dass sich irgendwann am Verhandlungstisch die ökonomische Rationalität durchsetzt. Zunehmend reift aber in uns die Erkenntnis, dass die USA mit ihrer Abkehr von freien Märkten und von freiem Kapitalverkehr globale Wohlstandsverluste billigend in Kauf nehmen.
 
In der Konjunktur werden erste Bremsspuren sichtbar. Das Wachstum der Weltwirtschaft verläuft nicht mehr in allen Ländern synchron. Zwar zeigen die USA aufgrund der Steuerreform und des oben beschriebenen Budgetdefizits noch relative Stärke, doch zeichnen sich andernorts vermehrt Hinweise auf eine Wachstumsverlangsamung ab. Mehrmals haben wir in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass die Konjunkturdynamik ihren Zenit Ende 2017 überschritten haben sollte. So hat sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft im ersten Quartal leicht abgeschwächt. In weiten Teilen der Emerging Markets sind vor allem durch die steigenden US-Zinsen in Kombination mit der jüngsten US-Dollar-Aufwertung deutliche Bremsspuren zu beobachten.
Auch in der Eurozone hat sich das konjunkturelle Momentum verlangsamt. Viele Frühindikatoren trüben sich seit Beginn des Jahres deutlich ein. Beispielsweise sank der IFO-Index im Juni auf ein 13-Monats-Tief. Der etwas gestiegene Euro, ein Nachlassen der globalen Nachfrage und ein drohender Handelskrieg wirken negativ auf unsere stark vom Export abhängige Industrie. Wir befürchten, dass eine Intensivierung der Handelsstreitigkeiten mit der USA potentiell diesen Trend verschärfen kann. Zwar sind die volkswirtschaftlichen Effekte der bereits verhängten US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Europäischen Union gering, aber die Furcht vor einer Ausweitung der Streitigkeiten lastet heute schon auf der Stimmung der Unternehmen. Die Verunsicherung steigt. Ökonomie ist eben in hohem Maß auch Psychologie. Konsequenterweise hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Wachstumsprognose in der Eurozone für das laufende Jahr bereits von 2,4 auf 2,1 Prozent reduziert.
Für die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft sehen wir potentiell drei große Belastungsfaktoren, deren unser ganzes Augenmerk in den kommenden Monaten gilt: die temporäre Straffung der Geldpolitik, ein weiterer Verlust an Dynamik der chinesischen Volkswirtschaft sowie ein unkontrollierter Anstieg des Ölpreises. Sollte die US-Notenbank weiter restriktiv in ihrer Geldpolitik bleiben, wird das langfristige negative Auswirkungen haben, die im späteren Verlauf des zweiten Halbjahres auch in den USA sichtbar werden sollten. Es ist zusätzlich abzuwarten, inwieweit sich die Handelsstreitigkeiten auf das für die Welt so wichtige chinesische Wachstumsmodell in den kommenden Quartalen auswirken werden. Und zu guter Letzt, birgt die aggressive Haltung der USA im Iran-Konflikt ein latentes Risiko für einen markanten und unkontrollierten Anstieg des Ölpreises. Trotz aller Risiken besteht weiterhin die berechtigte Hoffnung für eine Beruhigung der Situation. Sollte der Handelsdisput nicht völlig eskalieren, könnte sich das Geschäftsklima im laufenden Quartal aufhellen. Damit wäre der Weg frei für eine Erholungsbewegung im zweiten Halbjahr 2018, denn vor allem in Europa sind die Rahmenbedingungen aufgrund eines niedrigen Eurokurses und der expansiven Geldpolitik der EZB weiterhin ausgezeichnet. Dies ist immer noch abzulesen an der niedrigen Arbeitslosigkeit und dem ungebrochen hohen Verbrauchervertrauen.
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