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Marktkommentar: Dr. Michael Hasenstab (Franklin Templeton): Wie AMLO und Mexiko ein populistisches Schicksal vermeiden können
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Marktkommentar Dr. Michael Hasenstab (Franklin Templeton): Wie AMLO und Mexiko ein populistisches Schicksal vermeiden können

Nachrichtenquelle: Asset Standard
30.07.2018, 10:45  |  1251   |   |   

Was auf Mexiko zukommen könnte - allmählich zeichnen sich die längerfristigen Folgen des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl ab.

Die Märkte hatten weitgehend bereits damit gerechnet, dass Andrés Manuel López Obrador als Sieger aus der am 1. Juli abgehaltenen mexikanischen Präsidentschaftswahl hervorgehen würde. Dr. Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro, analysiert hier, was nun auf Mexiko zukommen könnte.

Der Wahlsieg des Populisten Andrés Manuel López Obrador (AMLO) gegen die PRI (Partei der institutionalisierten Revolution) wirft eine ganze Reihe politischer Unsicherheiten auf. Wir sind jedoch der Ansicht, dass das Team um AMLO gute Arbeit geleistet hat, die Anleger dahingehend zu beruhigen, dass der Regierungswechsel geordnet verlaufen wird, „um die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität zu wahren“. Das ist aus unserer Sicht schon einmal ein guter Anfang für die neue Regierung.


Finanzdisziplin vs. populistische Impulse

Die Geschichte liefert uns eine ganze Reihe von Beispielen für lateinamerikanische Populisten, die sich von einer marktfreundlichen Politik abgewandt und damit ihrem Land erheblichen Schaden zugefügt haben, nicht zuletzt Dilma Rousseff in Brasilien oder auch die Kirchners in Argentinien.

AMLO hat zwar hier und da populistische Tendenzen an den Tag gelegt (beispielsweise will er Pensionsleistungen erhöhen oder weitläufig Stipendien verteilen), sein Team scheint sich der Fallstricke jedoch bewusst zu sein, die auf Regierungen lauern können, die das Vertrauen in die Finanzmärkte eines Landes erschüttern.

Während der letzten Wochen hat das Team um AMLO gelobt, finanzielle Disziplin zu wahren und die Unabhängigkeit der Zentralbank zu schützen. Zudem hat AMLO erklärt, er habe keine Absicht, diverse kritische Reformen, die unter seinem Vorgänger umgesetzt wurden, rückgängig zu machen. Dies betrifft unter anderem auch die Privatisierung des Energiesektors.

Wie sich seine Politik tatsächlich gestalten wird, bleibt natürlich abzuwarten. Die Tatsache, dass sich sein Team um die Kapitalmärkte und den Wirtschaftssektor kümmert, ist jedoch ein ermutigendes Zeichen. Darüber hinaus hatte AMLO während seiner Amtszeit als Bürgermeister von Mexiko-Stadt eine relativ verantwortliche Finanzpolitik verfolgt.


Wie stabil sind die politischen Allianzen AMLOs?

Nichtsdestotrotz gibt es einige Bedenken im Hinblick auf die neue Regierung. Die 2014 von AMLO gegründete Linkspartei Morena enthält eine ganze Reihe bislang unbekannter Newcomer, denen es an politischer Erfahrung fehlt, darunter Aktivisten und Prominente. Seine Regierungskoalition im Kongress namens „Juntos Haremos Historia“ genießt eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus, wo sie 62 % der Sitze kontrolliert. Allerdings besteht sie aus politisch konträren Bündnissen zwischen der Arbeiterpartei (PT) und der sozial-konservativen Partei PES.

Es scheint vor allem die Beliebtheit AMLOs zu sein, die diese sehr unterschiedlichen politischen Fraktionen zusammenhält. Da bleibt abzuwarten, ob sich diese Allianzen im Rahmen des politischen Alltags letztlich als solide erweisen – insbesondere, wenn die Popularität AMLOs sinkt.

Selbst die Morena-Partei, die nun die meisten Sitze in beiden Kammern des Kongresses kontrolliert, hat wenig Erfahrung, wenn es darum geht, aktiv um Stimmen zu werben. Aus unserer Sicht wird es für die Regierung wichtig sein, die jüngsten Reformen aufrecht zu erhalten. Zudem wird sie neue Reformen in Angriff nehmen müssen, wenn Mexiko seine Wirtschaft vergrößern und weitere Investitionen anlocken will.


Bislang ist die Reaktion der Märkte weitgehend positiv

Trotz einiger längerfristiger politischer Unsicherheiten im Nachgang der Wahl haben die Märkte in den letzten Wochen insgesamt recht positiv reagiert. Dies ist zu weiten Teilen der mexikanischen Zentralbank zu verdanken, die vor dem Hintergrund der Wahlen an ihrer orthodoxen Geldpolitik festgehalten hat. So hat sie insbesondere am 21. Juni ihren Leitzins um 25 Basispunkte (Bp) auf 7,75 % erhöht und dabei ihre Absicht erkennen lassen, den Peso weiter zu stützen und eine Verankerung der Inflationserwartungen zu bewirken.

Als Reaktion hierauf wurde der mexikanische Peso in der Zeit vom 14. Juni bis zum 15. Juli gegenüber dem US-Dollar um 10 % aufgewertet, während die Märkte eine weitere Zinserhöhung um 25 Bp bei der für den 2. August angesetzten Zentralbanksitzung eingepreist haben.

Unter dem Strich bleiben viele Fragen bezüglich der neuen Regierung unter der Leitung von Morena zunächst einmal offen. Wir rechnen jedoch nicht mit einer deutlichen Störung der institutionellen Stärke des Landes oder seiner Wirtschaft.

Anleger sollten nicht außer Acht lassen, dass die mexikanische Regierung während der letzten beiden Jahrzehnte eine angemessene Fiskalpolitik verfolgt und dabei die Unabhängigkeit der Zentralbank geschützt hat. Zudem hat sie jederzeit eine freie Schwankung der Wechselkurse zugelassen. Wir rechnen nicht mit einer grundlegenden Änderung dieser institutionellen Konstrukte.

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