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Marktbericht August 2018 Widersprüchliche Signale im Hochsommer

09.08.2018, 14:28  |  1171   |   |   

 

Nüchtern betrachtet stehen bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung die Ampeln derzeit unverändert auf grün. Weltweit zeigen die wichtigen Wirtschaftsräume immer noch solide Wachstumsraten. Auch wenn beispielsweise Europa, Japan, China und einige Emerging Markets Zeichen einer Verlangsamung senden, bleibt die Weltwirtschaft auch 2018 aller Voraussicht nach auf einem soliden Wachstumspfad. Unterstützt wird diese erfreuliche Entwicklung von einer positiven Konsumenten- und Produzentenstimmung, der weltweiten expansiven Notenbankpolitik sowie der in den USA betriebenen aggressiven Fiskalpolitik (Steuerreform). In diesem Umfeld erwartet der Internationale Währungsfonds ein Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts von 3,9 Prozent in diesem Jahr – immerhin die höchste Wachstumsrate seit 2011.

 

Wie Sie wissen, wird an den Kapitalmärkten aber nicht die Gegenwart, sondern vielmehr die Zukunft gehandelt. So gilt es zu analysieren, ob die wichtigen Wirtschaftsregionen weiter an Dynamik verlieren, oder ob der globale Konjunkturzyklus sein Niveau in das kommende Jahr hinein stabilisieren kann. Es sind leider einige Gegenwinde in den vergangenen Monaten aufgezogen, die wir auch schon in früheren Markberichten kommentiert haben: der starke Anstieg der Ölpreise, der sich verstärkende Handelskonflikt zwischen USA und China, die weniger expansive globale Notenbankpolitik sowie die Rückkehr des politischen Risikos in Italien sind hier zu nennen. Jeder dieser Gegenwinde ist in der Lage den globalen Aufschwung signifikant zu verlangsamen. Grund genug, die einzelnen Themen nochmal kurz näher zu beleuchten.

 

 

Notenbanken: der verzweifelte Versuch einer Kehrtwende

 

 

Seit etwa einem Jahrzehnt pumpen die großen Notenbanken dieser Welt Geld in das Finanzsystem. Als Reaktion auf die Finanzkrise wurden zunächst die kurzfristigen Zinsen auf null oder daruntergesetzt. Als das nicht genug war, begannen die sogenannten Währungshüter zusätzlich massiv Anleihen zu kaufen, um die Zinsen bei den langen Laufzeiten ebenfalls zu drücken. Das Ergebnis kennen Sie: die Flut hebt alle Boote. Ob Aktien, Immobilien, Edelmetalle, Kunst, Oldtimer etc. – die Preise kannten meist nur eine Richtung.

 

Mittlerweile erleben wir den verzweifelten Versuch, dem Finanzsystem die Liquidität wieder etwas zu entziehen. Als erste versucht die US Notenbank (FED) ihre Bilanzsumme in Höhe von etwa 4 Billionen US-Dollar etwas zu reduzieren, indem sie fällig gewordene Anleihen nicht mehr reinvestiert. Gleichzeitig hebt sie die kurzfristigen Zinsen an. Die Europäische Zentralbank und die japanische Notenbank dürften in absehbarer Zeit mit ähnlichen Versuchen beginnen – freilich mit wenig Aussicht auf Erfolg. Diesen Prozess als Zinswende zu bezeichnen erachten wir als absurd. Die Akteure in den Notenbanken befinden sich in einem Dilemma. Einerseits müssen sie den Anschein erwecken, dass sie das Heft des Handelns weiterhin fest in Händen halten und ihre Politik normalisieren können. Andererseits wissen Sie genau um die Fragilität des Systems. In einer Welt von exorbitanter Verschuldung benötigt das Finanzsystem Liquidität und niedrige Zinsen wie eine Droge. Versucht man die Droge zu reduzieren, verursacht man Entzugserscheinungen. Diese Entzugserscheinung in Ausprägung von höheren Schwankungen in einzelnen Anlageklassen sind für die kommenden Monate zu erwarten.

 

 

Handelskrieg oder nicht- die große Unbekannte.

 

 

Während vor kurzem noch die Entspannung im europäisch-amerikanischen Handelsstreit für positive Schlagzeilen sorgte, so führte das erneute Aufflammen an der chinesisch-amerikanischen Handelsfront zu weiterer Verunsicherung an den Kapitalmärkten. Der Konflikt zwischen den beiden Supermächten gewinnt an Schärfe. Jüngst rief US-Präsident Trump seinen Handelsminister Lighthizer an, eine Erhöhung der Zölle von 10 auf 25 Prozent zu prüfen, die dann im September eingeführt werden könnten. Konsequenterweise hat die chinesische Regierung für diesen Fall schon Gegenmaßnahmen angekündigt. Erste negative Folgeerscheinungen des Streits lassen sich schon erkennen: die gestiegene Unsicherheit führt zur Verschiebung von Investitionen und einzelne Branchen leiden schon unmittelbar unter den erhobenen Zöllen. Welche konkreten Auswirkungen verschärfte Zölle auf die Wirtschaft haben, ist schwer zu kalkulieren. Es ist unsicher, wann und welche Zölle erhoben werden. Genauso lassen sich über Gegenmaßnahmen der betroffenen Länder nur Vermutungen anstellen. So hat in den vergangenen Wochen die chinesische Währung Renminbi gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert (etwa 10 Prozent) verloren. Damit werden chinesische Produkte in den USA billiger und die erhobenen Zölle laufen teilweise ins Leere. Es ist durchaus zu vermuten, dass diese Entwicklung wohlwollend von der chinesischen Regierung zur Kenntnis genommen und wahrscheinlich sogar unterstützt wird.

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