DAX-0,11 % EUR/USD-0,75 % Gold+0,65 % Öl (Brent)-0,04 %

Forex-Report Tag der Zentralbankentscheidungen

Gastautor: Folker Hellmeyer
11.09.2018, 11:19  |  247   |  20   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1621 (08:00 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,157 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111,44. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129,51. EUR-CHF oszilliert bei 1,12681.

Am heutigen Tag stehen Leitzinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank of England (BoE) und der türkischen Zentralbank an. Morgen kommt der Zentralbankrat der russischen Zentralbank zusammen. Schon im Vorfeld der Entscheidungen ist zu sehen, wie sich der geldpolitische Wind gedreht hat. Bei allen vier Zentralbanken stellt sich die Frage von Zinserhöhungen bzw. Rücknahme der bisherigen geldpolitischen Maßnahmen.

Die EZB weiß die gute wirtschaftliche Lage hinter sich (Wirtschafswachstum Eurozone ca. 2,1 % in 2018, Arbeitslosenquote der Eurozone fällt von 9,1 % auf ca. 8,4 % ), aber muss die Fliehkräfte in  Europa (Italien, Rechtsruck in vielen Ländern) und die Auswirkungen des Handelsstreits berücksichtigen. Die BoE wäre ohne den Brexit in einer komfortablen Situation, die Probleme sind schlicht hausgemacht. Das erwartete reale Wirtschaftswachstum lieg bei 1,3 % für 2018, die Inflationsrate liegt bei ca. 2,4 %).
Für beide Zentralbanken stellt sich die Frage, wie man auf eine leicht anziehende Inflation reagiert und wie viel Spielraum man sich für zukünftige Krisen jetzt schon schaffen will und kann.

Auf Seiten der EZB scheint eine Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe auf 15 Milliarden Euro ab Oktober wahrscheinlich, um die Käufe in einem nächsten Schritt ganz auslaufen zu lassen. Die erste Zinserhöhung dürfte dann in 2019 folgen. Damit folgt die EZB der FED im Zinserhöhungszyklus aufgrund der guten Konjunktur.

Für die BoE sind die Verhandlungen zum Brexit ein Damoklesschwert, solange die Verhandlungen nicht scheitern, wird sie sich dem Trend zu Zinserhöhungen mittelfristig nicht verweigern. Der Servicesektor zeigt Wachstum auf und der Markt würde ein Zögern der Zentralbank als Schwäche auslegen.

Im Gegensatz zur EZB müsste die türkische Zentralbank nicht auf Grund der wirtschaftlichen Stärke, sondern der aufkommenden wirtschaftlichen Schwäche die Zinsen erhöhen. Was erstmal paradox klingt liegt schlicht an nicht gemachten Hausaufgaben in der Vergangenheit. Hätte die Zentralbank eine Überhitzung der Wirtschaft mit Zinserhöhungen verhindert, wäre sie jetzt nicht gezwungen, das Land vor einer Schuldenkrise durch den Verfall der türkischen Lira zu schützen. Die erwartete Inflationsrate (Bloomberg Konsens) für Q3 2018 liegt bei 17,9%, die jüngsten Prognosen liegen bei über 20 %.

Zugegebenermaßen ist die Kritik an der türkischen Zentralbank einfach. Würden Sie in einem Staat mit dem gegebenen rechtsstaatlichen Niveau der Türkei dem Staatspräsidenten öffentlich widersprechen und die Leitzinsen erhöhen, wenn der Präsident für Zinssenkungen eintritt? Auch an dieser Stelle erinnern wir an Aristoteles: An Ende leben wir in den Strukturen, die wir schaffen. Ein Eingriff in die Zentralbankunabhängigkeit kann zu Inflation und Schuldenkrisen führen, das Untergraben der Meinungsfreiheit und des Pluralismus zum Totalitarismus.
In diesem Sinne würde uns eine deutliche Zinserhöhung, die die Erwartungen des Marktes übertrifft, überraschen.

Auch in Russland wird mittlerweile das Thema Zinserhöhungen diskutiert. Während ohne die zusätzlichen US-Sanktionen die Leitzinsen aufgrund der gefallenen Inflation (Q2 2018 2,4 %) weiter abgesenkt werden könnten, ist der Rubel durch die Verschärfung der Sanktionen unter Druck geraten, die erwartete Inflation steigt wieder an. So rechnen die Analysten mit einem Inflationsanstieg zum Ende des Jahres auf 3,8 %. Nachdem die ersten Zentralbanker die Diskussion über Zinserhöhungen öffentlich angestoßen haben, ist noch nicht direkt mit Maßnahmen, gleichwohl mit einer Umkehr des Zinssenkungstrends zu rechnen.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1270 – 1.1300   neutralisiert den positiven Bias des Euros.
                                                                                            
Viel Erfolg!

Seite 1 von 2
Wertpapier
EUR/TRYUSD/TRY


20 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Gerade wenn die politischen Einflußnahmen abebben, da politische Börsen hysterisch reagieren.
Trotzdem stehen die Zeichen auf Sturm solange es in der Türkei kein Umdenken gibt.
Nun ja du magst Recht haben,aber ganz so blauäugig wäre ich dann nicht gewesen und hätte deinen „Rat“ befolgt.
Es wäre ein kleines Risiko gewesen,aber mir fehlte zur der Zeit das nötige Kleingeld.
Ohne arrogant zu wirken,hätte für mich alles unter 50.000€ keinen Sinn gehabt um kurzfristig (ca.10-12 Monate) Gewinne zu erzielen.
Nur für ein Taschengeld hätte es sich nicht gelohnt.
Schau einfach meinen ersten Beitrag hier an. Ich war mir sicher, dass die Lira sich erholen wird. Viele denken zu negativ über die Türkei, weil sie „undemokratischerer“ oder wie Herr Orban es bezeichnen würde ein „illiberaler“ Staat ist bzw. sich zu einem entwickelt. Diese Behauptungen stimmen erstens nur zum Teil und zweitens bringen sie die Wirtschaft nicht in den Abgrund. Wie gesagt, die Lira hat sich erholt und hätte man mal direkt nach der Zinsentscheidung in Lira investiert, hätte man mitlerweile Gewinne von 70%. Ich finde, dass man noch immer in die Lira investieren könnte. Es läuft gerade alles super & ich würde eben abwarten zur nächsten Zinsentscheidung. Werden die Zinsen angehoben oder zumindest gleichbleiben, würde ich investieren. Werden die Zinsen gesenkt, dann eher nicht.. Selbst eine Zinserhöhung von 1-2% würden reichen. Mit 25-26%igem Leitzins würde ich selbst bei 5,5Lira für einen Dollar noch in die Lira investieren, da die Lira sich noch ein Stückchen erholen wird, vorallem wenn der Leitzins erhöht wird.
Hätte man mal in Lira investiert.Wäre ein schöner Gewinn gewesen.
Obwohl ich kein Skeptiker bin ,habe ich mich nicht getraut.
Fast 10 Bagger wären drin gewesen.
Schade.
Nicht alles so negativ sehen. Die Inflation ist halt echt zu hoch und das aufgrund Unternehmen, die die Preise stetig weiter erhöhen, obwohl die Lira sich gerade erholt. Es ist richtig, dass man da mit Unternehmen geredet hat. Und die verstärkte Nutzung der eigenen Landeswährung in nahezu allen Bereichen macht die Lira langzeitig sicherer. Ob die Inflation nun tatsächlich am Jahresende unter 21% liegt und ein Euro dann auch zumindest unter 7Lira steht, ist abzuwarten. Die Zentralbank wird höchstwahrscheinlich die Zinsen nur anheben, wenn die Inflation noch weiter aufsteigt. Das heißt, dass der Lira durch die Zentralbank wahrscheinlich unter Druck geraten wird. Andererseits soll der US-Pastor am Freitag frei kommen. Das würde die Lira mächtig aufwerten, sodass am Ende des Jahres die Lira nur 30-35% im Jahr verloren hat statt 40%. Außerdem handelt die Türkei auch international öfter mit eigener Währung anstatt mit dem Dollar und hat es Europa ebenfalls angeboten. Sollte Trump die Lage weiter eskalieren lassen, könnte es tatsächlich dazu kommen, dass mehr mit Euro und den jeweiligen Landeswährungen gehandelt wird, statt mit dem Dollar. Ich bin ziemlich gespannt und denke, dass ein Dollar bzw. Euro nicht viel mehr als 6 Lira bzw. 7Lira kosten wird. Ich denke, dass die Lira sich erholen wird bzw. zumindest nicht stark abrutschen wird. Die Inflation wird wahrscheinlich nur noch im Oktober steigen und im November & Dezember dann schließlich um die 21% sein wird. Das Wirtschaftswachstum wird logischerweise nicht mehr so hoch sein. Es könnte sogar zu einer Depression kommen. Dafür aber hätte die Türkei die nächsten Jahre die Chance, das Handelsbilanzdefizit zu senken, um so nicht mehr gefährdet zu sein. Die geringen Staatsverschuldungen und geringere Handelsbilanzdefizite würden die Türkei im Ranking aufwerten. Ich bin gespannt, was kurz-, mittel- und langfristig passieren wird.

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel