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Autosektor – Licht am Ende des Tunnels

25.03.2019, 11:00  |  1462   |   |   

Die Automobilindustrie kämpft derzeit an vielen Fronten. Gleichzeitig befindet sie sich in einem kapitalintensiven Umbruch. Das sorgte zuletzt für eine Reihe von Gewinnwarnungen und Kursabstürzen. Mit neuen Technologien und Allianzen versuchen die Konzerne, die Krise zu umkurven und den Kursverfall an der Börse zu stoppen.

Lange Zeit konnten sich die Autohersteller sicher sein, ihre aufpolierten Karossen allein schon aufgrund der Positionierung als Statussymbol verkaufen zu können. Doch Emotionen reichen nicht länger aus, um den Absatz der PS-Boliden anzukurbeln. Eine junge Generation wächst heran, die das einst kostbare Blech nicht mehr voller Stolz hegen und pflegen möchte, sondern vor allem die Mobilität in den Vordergrund stellt. Folglich ist der Besitz eines Fahrzeugs nicht länger zwingend notwendig.

Verschiedenste Mobilitätskonzepte überrollen den Markt und wer die Weiterentwicklung des traditionellen Geschäfts verschläft, könnte schon bald den Anschluss verlieren. Dies ist aber nicht das einzige Problem, dem sich die Autoindustrie derzeit ausgesetzt sieht. In den vergangenen Quartalen lasteten zusätzliche Hindernisse auf den Konzernen wie zum Beispiel der Zollstreit zwischen den USA und dem Rest der Welt. Hinzu kamen weitere Aufwendungen in der Dieselaffäre, um den Ausstoß von Stickoxiden zu verringern. Die Gemengelage sorgte für einige Hiobsbotschaften: So ruderte BMW bei seinen Zielen für 2018 zurück, Daimler sprach zwei Gewinnwarnungen aus und Continental sogar drei.

Das „Desaster“ im operativen Geschäft blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Aktien, die 2018 eine Vollbremsung hinlegten. Unter den deutschen Bluechips schnitten Daimler mit einem Verlust von 35 Prozent und Conti mit minus 46 Prozent am schwächsten ab. Auch wenn die Kurse 2019 einen Richtungswechsel eingeschlagen haben, die Rahmenbedingungen für die Branche bleiben prekär. So werden die Entwicklungskosten für neue Technologien hoch bleiben. Der steigende Kosten- und Investitionsdruck fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der sich die Konjunktur eintrübt. Ende Januar schraubte die Bundesregierung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2019 von 1,8 auf 1,0 Prozent zurück.

Mit neuen Trends aus der Krise

Die Autoindustrie sieht ihrem häufig kolportierten Untergang aber nicht tatenlos zu. In den Vorstandsetagen der Großkonzerne werden derzeit nicht nur verschiedene Lösungsansätze diskutiert, sondern auch erprobt. Dazu zählt beispielsweise die wachsende Bereitschaft zu mehr Kooperation. Einen Weckruf an die Branche sendeten jüngst die beiden Erzrivalen BMW und Daimler. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ (21. Januar 2019) prüfen die Konkurrenten derzeit die Möglichkeit einer Entwicklungsallianz beim autonomen Fahren. Das Ziel: einen Industriestandard zu etablieren und damit die Kosten in Milliardenhöhe aufzuteilen. Einer Meldung des „Manager Magazins“ vom 23. Januar 2019 zufolge könnte das Duo nicht lange allein bleiben. Auch VW und Zulieferer wie Bosch und Conti spielen angeblich mit dem Gedanken, sich an einem Bündnis zu beteiligen. Die Idee, Kräfte zu bündeln, setzt VW bereits auf internationaler Ebene um. Auf der Detroit Motor Show gaben die Wolfsburger eine Kooperation mit Ford bekannt. Gemeinsam möchten sie unter anderem Pick-ups produzieren. Zusätzlich prüfen sie eine Zusammenarbeit beim autonomen Fahren, E-Antrieben und Mobilitätsdiensten.

„Durch den Wandel von Technologien und Geschäftsmodellen in der Automobilindustrie wird die Innovationskraft von Akteuren zur Überlebensfrage“, weiß Prof. Dr. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). In einer Studie haben die CAM-Experten die Innovationskraft von 35 Herstellern in den vergangenen fünf Jahren analysiert und deren Positionierung in den Zukunftsfeldern Elektromobilität, Connectivity und autonomes Fahren bewertet. Ganz vorne befindet sich das deutsche Trio VW, Daimler und BMW. Die Wolfsburger haben im Zeitraum zwischen 2014 und 2018 über 1.000 Innovationen entwickelt und damit mehr als Daimler und BMW zusammen.

Wende im Tank

Der engste Verfolger der heimischen Vorzeigeindustrie in Sachen Innovationen kommt aus Übersee. „Größter Aufsteiger in den letzten fünf Jahren ist der Elektrospezialist Tesla, der sich in diesem Zeitraum als Neueinsteiger von null auf Rang 4 der innovationsstärksten Automobilhersteller hochkatapultieren konnte“, sagt Auto-Experte Bratzel. Der Newcomer brachte es auf 120 Neuheiten. Bei der E-Mobilität ist Tesla mit Abstand sogar Innovationsführer, gefolgt vom Daimler-Partner BAIC aus China.

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Gastautor

Richard Pfadenhauer
HypoVereinsbank onemarkets

Richard Pfadenhauer interessiert sich schon seit über 20 Jahren für das Thema Börse. Dabei war er über 12 Jahre als Wirtschaftsredakteur für den Finanzen Verlag tätig. Nach zwei Jahren als Redakteur bei der Spezialpublikation für Hebelprodukte, Finanzen und Optionsscheine wechselte er zunächst zum Derivatebereich des Magazins Euro am Sonntag und später verantwortete der DVFA-Analyst den Bereich der strukturierten Hebel- und Anlageprodukte beim Anlegermagazin €URO. Seit Oktober 2010 ist er bei der HypoVereinsbank Experte für Hebelprodukte und als Chefredakteur für das onemarkets Kundenmagazin sowie den onemarkets Blog verantwortlich.

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